Sonntag, 25. September 2016

Edelmetall Krise, Krise - aber warum steigt der Goldpreis nicht?

Nahaufnahme: Warum reagiert der Goldpreis kaum auf die Krisen in der Welt?

Ukraine, Irak, Nahost - Krisen in aller Welt beherrschen die Nachrichten - aber der Preis der angeblichen "Krisenwährung" Gold bleibt unter Druck. Warum eigentlich?

Hamburg - So mancher Gold-Anleger dürfte sich seit einiger Zeit wundern: Krise in der Ukraine, Krise in Syrien, Krise im Irak, Krise zwischen Israel und Palästinensern - aber die sprichwörtliche Krisenwährung Gold Börsen-Chart zeigen springt nicht an.

Im Gegenteil: Der Goldpreis, der schon 2013 um 28 Prozent nachgab, steht weiter unter Dauerdruck. Zwar steht 2014 unterm Strich bislang ein leichtes Plus. Zuletzt sank der Preis jedoch erneut auf ein 2,5-Monats-Tief bei etwa 1260 Dollar pro Feinunze.

Die Frage ist also: Wie ist das zu erklären?

Die Antwort ist vielschichtig. Die Krisen in der Ukraine und anderswo haben zwar Einfluss auf den Goldpreis. Andere Faktoren wirken sich aber ebenfalls aus. Zum Beispiel der starke Dollar Börsen-Chart zeigen, der seit Monaten gegenüber dem Euro Börsen-Chart zeigen an Wert gewinnt. Oder die Erholung der US-Wirtschaft, die in den Augen vieler Investoren die genannten Krisen offenbar überstrahlt. Nicht zu vergessen die Schwellenländer, die allen Unken zum Trotz nach wie vor kräftig expandieren.

"Dass der Goldpreis nicht oder kaum auf politische Krisen oder kriegerische Geschehnisse reagiert, ist eigentlich eine Entwicklung, die ich schon lange beobachte", bestätigt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Geschäftsführer des Goldhandelshauses Degussa. "Stattdessen orientiert sich die Nachfrage seit langem eher an Finanzthemen wie zum Beispiel der Lehman-Krise, der Euro-Krise oder der Schuldenkrise."

Gold-Nachfrage in Deutschland steigt zeitweise

Hinzu kommt, so der Experte gegenüber manager magazin online, dass die momentanen Krisenherde noch lokal begrenzt sind und in Regionen liegen, die nicht oder kaum goldaffin seien.

Tatsächlich wird beispielsweise das Geschehen in der Ukraine offenbar vor allem in Europa als latente Bedrohung für die Wirtschaft empfunden. Immer wieder ließen schlechte Nachrichten aus der Region in der jüngeren Vergangenheit die Kurse an der Börse in Frankfurt einknicken. Auf der anderen Seite schnellte die Nachfrage nach Gold nach Angaben von Wrzesniok im deutschsprachigen Raum zuletzt zeitweise nach oben. "Nur reicht die Nachfrage in den deutschsprachigen Ländern nicht aus, den Goldpreis auf globaler Ebene voranzubringen."

Denn in den USA zum Beispiel gehen die Investoren deutlich gelassener mit dem Krisenthema um. Dort befinden sich die Aktienkurse unbeirrt im Höhenflug, erst vor wenigen Tagen überschritt der breite Index S&P 500 erstmals in seiner Geschichte die Marke von 2000 Punkten.

"Die Börsen weltweit befinden sich aktuell noch auf einem sehr hohen Niveau und sind von den geopolitischen Unruhen recht unbeeindruckt", beobachtet auch Daniel Marburger vom Goldhändler CoinInvest in Frankfurt. "Privatkunden und auch Großanlegern wie Fonds fehlen die entscheidenden Signale, um erneut in den Markt der sicheren Edelmetalle einzusteigen."

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