Dienstag, 24. Oktober 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Alternative Geldanlage Einen Whisky bitte - macht 470.000 Euro

Whisky, Wein und Violas: Die neuen Anlagetrends für Geldanleger
Fotos
DPA

Nach Oldtimern und Kunst rücken Whisky und seltene Musikinstrumente in den Fokus. Auf der Suche nach Rendite entdecken vermögende Anleger immer neue Nischen. Die Folge: Nie gesehene Preisexzesse.

Hamburg - Obst, Gemüse, Fleisch, Milchprodukte - über eine Vielzahl von Lebensmitteln aus der EU verhängte Russlands Präsident Wladimir Putin kürzlich einen Importstopp. Die Einfuhr von Wein allerdings verbot er nicht.

Im Gegenteil: Medienberichten zufolge deckte sich der Staatschef noch vor Kurzem mit großen Mengen edler Tropfen ein. Mehr als eine Million Flaschen Wein habe der Kreml im ersten Halbjahr geordert, berichtete die "FAZ". Allein der Import aus Europa sei von Januar bis Juli um 25 Prozent gestiegen. Das staatliche Sortiment, so zitierte die Zeitung einen russischen Offiziellen, könne "mit seiner Qualität und seinen Preisen jeden Weinliebhaber befriedigen".

Russlands Präsident ist offensichtlich ein Genießer. Und er ist möglicherweise auch ein gewiefter Geldanleger. Denn Wein zählt neben beispielsweise Oldtimern oder Kunstgegenständen zu jener Gruppe von Sachwerten, die sich bei Investoren weltweit seit einiger Zeit zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Immer mehr vermögende Anleger stecken zumindest einen Teil ihres Geldes abseits des offiziellen Finanzgeschehens in solche Güter. Der Grund liegt auf der Hand: Angesichts niedriger Zinsen sind bei Banken kaum noch sichere Erträge zu erzielen. Investoren müssen also ins Risiko gehen - und dafür wünschen sie sich einen Ausgleich.

Whisky-Preise steigen um 440 Prozent in sechs Jahren

Den bieten alternative Investments augenscheinlich in besonderem Maße. Sie eröffnen einerseits die Aussicht auf weitere Wertsteigerungen, sprich: Rendite. Auf der anderen Seite kommen Liebhaber auch emotional auf ihre Kosten. "Du kaufst, was du magst", brachte es kürzlich der US-Starmoderator und Oldtimersammler Jay Leno auf den Punkt. "Und wenn es an Wert verliert, magst du es immer noch."

Einer der jüngsten Trends ist dabei der Kauf seltenen Whiskys. In Bars von Tokio bis Manhattan wird das hochprozentige Getränk derzeit von erschöpften Büromenschen nach Feierabend wiederentdeckt. Destillerien befeuern den Markt noch, indem sie einzelne Sorten in besonders geringen Mengen produzieren.

Die Folge sind mitunter enorme Preisanstiege. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg brachten es die Top-100-Single-Malts gemessen am Investment Grade Scotch Index von Whisky Highland aus dem schottischen Tain zwischen 2008 und Juli dieses Jahres auf einen Wertzuwachs von nicht weniger als 440 Prozent.

Zum Vergleich: Der US-Aktienindex S&P 500 legte im gleichen Zeitraum laut Bloomberg um lediglich 31 Prozent zu. Und der Index Liv-ex der Londoner Weinbörse verzeichnete sogar ein Minus von 2 Prozent.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH