Sonntag, 31. Juli 2016

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Verkaufspläne des Vermögensverwalters Flossbach von Storch verwickelt sich in Widersprüche

Hat er noch einmal nachgedacht: Bert Flossbach, Gründer, Vorstand und Großaktionär der Flossbach von Storch AG
Flossbach von Storch
Hat er noch einmal nachgedacht: Bert Flossbach, Gründer, Vorstand und Großaktionär der Flossbach von Storch AG

Vor wenigen Wochen erfuhr manager magazin, dass der Vermögensverwalter Flossbach von Storch seinen Verkauf sondiert. Gründer und Großaktionär Bert Flossbach bestätigte und konkretisierte die Informationen - um sie nun zu dementieren. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Umgangs mit Glaubwürdigkeit.

Nach der Vorabmeldung von manager magazin über die Verkaufspläne von Flossbach von Storch hat sich der Kölner Vermögensverwalter in Widersprüche verwickelt. Am Donnerstag, den 21. August, hatte manager magazin online Auszüge aus dem Magazin-Bericht über die Verkaufspläne (manager magazin 9/2014, ab heute am Kiosk) mit schriftlich freigegebenen Zitaten von Bert Flossbach veröffentlicht. Seitdem versuchen Flossbach und andere Vorstandsmitglieder mit öffentlichen und halböffentlichen Kommentaren, die Nachricht in Zweifel zu ziehen.

Die Kommunikationsstrategie des Unternehmens weckt Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Der Veröffentlichung im manager magazin waren ausführliche Kontakte zwischen der Redaktion und Bert Flossbach vorausgegangen, darunter auch ein rund vierstündiges persönliches Gespräch unter anderem über den Charakter der Verkaufspläne. Danach hatte Flossbach der Redaktion Zitate samt Kontext zu eben diesen Verkaufsplänen autorisiert. Flossbach selbst hält 42 Prozent an der Flossbach von Storch AG. Weitere 42 Prozent besitzt Co-Gründer Kurt von Storch, die übrigen Anteile liegen hauptsächlich bei weiteren Führungskräften. Ob Flossbach, der sich im Vorstand unter anderem um die Kommunikation kümmert, seine Partner über die Informationen des manager magazins, die von ihm autorisierten Zitate und die geplante Veröffentlichung in Kenntnis gesetzt hatte, ist unklar.

Zum Hintergrund: Vor einigen Wochen hat manager magazin von mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen erfahren, dass Flossbach von Storch den Verkauf des Unternehmens sondiert. Mit 16 Milliarden Euro verwaltetem Kundenkapital ist das Unternehmen einer der größten unabhängigen - und zugleich erfolgreichsten - deutschen Vermögensverwalter. Nach einem ausführlichen Gespräch gab Bert Flossbach am 24. Juli folgende Zitate mit den dazu gehörigen Kontext-Passagen frei, die wir im Anschluss dokumentieren:

Zitate samt Kontext, autorisiert von Bert Flossbach am 24. Juli per Mail :

"Die guten (sic!) Leuten, die wir zu uns nach Köln holen wollen, aber auch viele langjährige Mitarbeiter fragen natürlich: Und, wie lange macht Ihr noch?"

"Wir fangen jetzt an, dass Unternehmen auf breitere Beine zu stellen und weniger abhängig von uns zu machen. Wir wollen als Gründer das Unternehmen in die nächste Wachstumsphase bringen, wir haben noch viel vor und brauchen dazu talentierte und motivierte Mitarbeiter. Wir wollen das Nachfolgethema aktiv gestalten und uns nicht von ihm in die Enge treiben lassen."

Deswegen habe er jetzt erstmals Gespräche mit Interessenten zugestimmt um zu eruieren, ob und unter welchen Bedingungen eine Kapitalpartnerschaft Sinn machen könnte. "Bedingung ist in jedem Fall, dass wir weiter unternehmerisch incentiviert sind und dass unsere Kunden und Mitarbeiter von einer etwaigen Partnerschaft profitieren".

Es gibt dafür ein recht erfolgreiches Vorbild: Den Kauf und die Integration des US-Anleihespezialisten Pimco durch die Allianz. "Vielleicht keine lupenreine Blaupause, aber vom Modell her grundsätzlich sehr gut."

Und was ist, wenn einer der Gesprächspartner, eine US-Bank etwa, ihm und von Storch eine satte Summe bietet für die Kundenkontakte, das Personal, den Ruf - sie dann aber nicht mehr in der Firma haben will. Würden sie dann nicht schwach? "Nein, nie. Ein Earn-out, ohne dass wir in der Firma bleiben und dafür sorgen kann, dass wir eigenständig unser Ding weitermachen können - das kommt für uns nicht infrage. Mit unserem Vermögens - Pentagramm, den fünf Leitlinien unserer Investmentphilosophie haben wir die DNA des Unternehmens definiert. Diese steht nicht zur Diskussion."

Für Flossbach hat Größe auch ganz eigene Reize. "Man bekommt vielleicht noch einmal viel bessere Talente. Vor allem aber: Je größer man ist, desto besser findet man mit seinen Themen, Management-Vergütung etwa, in den Unternehmen Gehör. Dazu muss man auch die etwas geringschätzige Bezeichnung als Investmentboutique ablegen."

Auf schriftliche Nachfrage des manager magazins bei Bert Flossbach am Donnerstag, dem 21. August, zu den offensichtlichen Widersprüchen, schrieb dieser: "Ich habe nie davon gesprochen, dass wir einen Verkauf des Unternehmens erwägen geschweige denn ihn konkret planen."

Auf einen mehrere Tage lang währenden Blackout im zugegebenermaßen recht heißen Hochsommer 2014 berief er sich dabei nicht.

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