Donnerstag, 24. August 2017

Gläubigerversammlung Rückschlag für Ex-Prokon-Chef Rodbertus

Scharfe Kontrolle beim Einlass: Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus (r.) kommt am Dienstag zur Gläubigerversammlung des Windenergieunternehmens Prokon in eine Messehalle in Hamburg. Tausende Gläubiger müssen über einen Insolvenzplan abstimmen

Für Prokon-Gründer und Geschäftsführer Carsten Rodbertus wird es eng. Das Amtsgericht Itzehoe hat 15.000 Gläubiger von der Ausübung ihrer Stimmrechte ausgeschlossen. Ihr Vertreter Alfons Sattler stehe Rodbertus zu nahe.

Hamburg - Eklat auf der Gläubigerversammlung des insolventen Windparkbetreibers Prokon: Das Amtsgericht Itzehoe schloss nach Darstellung mehrerer Anwälte und der Deutschen Schutzvereinigigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag rund 15.000 Gläubiger von der Ausübung ihrer Stimmrechte aus. Das ist ein Fünftel der Anleger, die Prokon in der Hoffnung auf hohe Renditen Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt hatten.

DSW-Vize Klaus Nieding sagte, das Gericht sei seinem Antrag gefolgt, wonach die Übertragung von Stimmrechten an einen Vertrauten von Prokon-Gründer Carsten Rodbertus gegen Insolvenzrecht verstoße. Die DSW hatte gefordert, die von Alfons Sattler vertretenen Prokon-Gläubiger von der Versammlung auszuschließen. Sattler stehe Prokon-Geschäftsführer Rodbertus zu nahe - für diesen ergebe sich damit ein Interessenkonflikt als Geschäftsführungsorgan sowie als Vertreter von Genussrechten. Der Geschäftsführer müsse eventuell Schadenersatz leisten, teilte die DSW mit, er habe deshalb ein Interesse an der Kontrolle der Versammlung. Die Aktionärsschützer feierte den Ausschluss als Erfolg.

Anwalt Dieter Graefe hingegen, der nach eigenen Angaben etwa 5000 der nicht zugelassenen Anleger vertritt, zeigte sich erzürnt: "Die 15.000 Gläubiger sind damit praktisch rechtlos. Das ist ein verfassungswidriges Vorgehen, das ich noch nicht erlebt habe." Befangenheitsanträge, die gegen eine Rechtspflegerin des Amtsgerichts gestellt worden waren, wurden aber bereits abgelehnt.

Zuvor hatte in zwei Hallen auf dem Hamburger Messegelände die mit Spannung erwartete Versammlung begonnen. Dort versammelten sich mehrere Tausend Gläubiger, um über einen Insolvenzplan für Prokon abzustimmen. Der Zugang zu der Versammlung wurde durch zahlreiche Justizbeamte geregelt. Nieding zufolge waren etwa 7000 Gläubiger anwesend. Einschließlich der durch Vollmachten vertretenen Anleger seien 800 Millionen Euro Kapital präsent gewesen, sagte Nieding.

Mit mehr als 75.000 Gläubigern ist die Prokon-Pleite laut Insolvenzverwaltung das viertgrößte Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik.

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