Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Schwarmfinanzierung - erste Immo-Pleite in Berlin Dämpfer für rasant wachsende Immobilien-Crowd

Bauarbeiter in Berlin: Crowd-Fans stecken viele Millionen in Immobilienprojekte - jetzt wurde erstmals für eins davon Insolvenz beantragt

Das Crowdfunding, die sogenannte Schwarmfinanzierung von Projekten oder Unternehmungen also, wächst rasant und ist in Deutschland bereits zum Multi-Millionen-Geschäft avanciert. Das weitaus meiste Geld fließt dabei in Immobilien - und dort gibt es nun erstmals eine Pleite.

Bei dem Immobilienvorhaben, für das beim Amtsgericht München vor wenigen Tagen Insolvenz beantragt wurde, handelt es sich um den Bau einer Anlage mit 52 sogenannten Mikro-Apartments im Berliner Stadtteil Tempelhof. Das Projekt mit Namen "Luvebelle" hat ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 7,5 Millionen Euro. Insgesamt rund 1,25 Millionen Euro haben knapp 300 private Geldgeber über die Crowdfunding-Plattform Zinsland.de zur Verfügung gestellt - um dieses Geld müssen die Anleger nun bangen. Einem Bericht von "Stiftung Warentest" zufolge ist es die erste Pleite eines Immobilienprojektes, das in Deutschland per Crowdfunding finanziert wurde.

Damit erhält die bislang nahezu makellose Bilanz des hiesigen Immobilien-Crowdfundings einen ersten Flecken. Die Schwarmfinanzierung insgesamt legte in Deutschland in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hin, und der Bereich Immobilien ist dabei der mit großem Abstand bedeutendste.

Zahlen der Branchenplattform Crowdfunding.de machen das deutlich: Hatte der deutsche Crowdfunding-Markt 2011 noch ein jährliches Volumen von bescheidenen 1,4 Millionen Euro, so waren es 2016 bereits 63,8 Millionen. Bis August dieses Jahres kamen erneut weitere 107,9 Millionen Euro hinzu, so Crowdfunding.de - eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 213 Prozent.

Und für was geben die Anleger auf Plattformen wie Zinsland.de, Companisto oder Exporo all die Millionen? Zum weitaus größten Teil für Immobilienprojekte. Laut Crowdfunding.de machte der Immobilienbereich 2016 mehr als 60 Prozent des Gesamtmarktes aus. Der "Wachstumstreiber im deutschen Crowdinvesting-Markt", wie die Plattform schreibt, legte allein im vergangenen Jahr gemessen am Crowd-Finanzierungsvolumen um beinahe 100 Prozent zu.

Seit dem Beginn der Crowd-Story in Deutschland gibt es allerdings auch kritische Stimmen. Der Markt entwickele sich weitgehend abseits der Kontrolle durch die Finanzaufsicht, heißt es häufig. Die Anbieter der Crowd-Projekte würden daher kaum auf Seriosität überprüft, die Belange der meist privaten Geldgeber seien zu wenig geschützt.

Tatsächlich bleibt es weitestgehend den Crowdfunding-Plattformen überlassen, die Güte und Verlässlichkeit der Anbieter und Projekte, die sie auf ihren Webseiten präsentieren, sicherzustellen. Solange die Projektanbieter ein Mindestvolumen von 2,5 Millionen Euro an per Crowd mobilisierten Geldern nicht überschreiten, sind sie von der gesetzlichen Pflicht zur ausführlichen Prospektierung ihrer Geldanlageangebote befreit. Die Finanzaufsicht bleibt dann, abgesehen von einem rudimentären Informationsblatt zur jeweiligen Crowd-Offerte, das sie formal absegnen muss, außen vor.

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