Montag, 5. Dezember 2016

Dramatischer Preissturz Der Gold-Crash

Händler an der Rohstoff- und Edelmetallbörse in Chicago: Der Goldpreis wird stark durch den Handel mit Optionen und Futures, dem sogenannten Papiergold, beeinflusst

Erdrutsch am Goldmarkt: Binnen 48 Stunden ist der Preisanstieg von zwei Jahren verpufft. Selbst Profis rätseln über die Gründe für den Crash. Krisenbedingt ist die Nachfrage privater Anleger weiterhin groß - doch offenbar gibt es Kräfte, die dagegen wirken.

Hamburg - "Das tut schon weh", sagt Robert Hartmann, Chef des Münchener Edelmetall-Handelshauses Pro Aurum. "Nicht für das Unternehmen, aber für die Anleger." Was Hartmann und andere Experten so kalt erwischt hat, ist nicht mehr und nicht weniger als der dramatischste Preissturz am Goldmarkt seit 30 Jahren.

Innerhalb von nur zwei Handelstagen ist der Preis um 11 Prozent abgestürzt. Am Dienstagmorgen notierte die Feinunze Gold bei rund 1370 US-Dollar (1020 Euro). Was seit Frühjahr 2011 hinzu gewonnen wurde, ist binnen 48 Stunden verpufft.

Damit nicht genug: Das Wirrwarr am Goldmarkt wird erst vollständig sichtbar, wenn der Blick auch den physischen Handel erfasst. Denn die Verkäufe, die den enormen Preisabschläge ausgelöst haben, finden vor allem im sogenannten Papiergold statt, bei Derivaten, Optionen und Futures also. Aus dem SPDR Gold Trust etwa, dem größten Goldfonds der Welt, nahmen professionelle Anleger in den vergangenen Tagen eilig so viel Geld, dass das Volumen auf den niedrigsten Wert seit drei Jahren sank.

Die Nachfrage nach Münzen und Barren dagegen ist so groß wie lange nicht, berichten Händler. Der Krügerrand etwa, die wichtigste Goldmünze der Welt, ist gegenwärtig nicht verfügbar. Wer sie jetzt ordert, so berichten Händler, wird erst Ende April beliefert. Ähnlich ist es bei begehrten Silbermünzen wie dem American Eagle, dessen Lieferzeit aktuell drei Monate beträgt.

Ein historischer Preissturz auf der einen Seite also, und enorme Nachfrage auf der anderen - was ist da los am Goldmarkt? Unter Marktkennern kursieren zahlreiche Erklärungsversuche. Der einfachste: Seit mehr als zehn Jahren steigt der Goldpreis nun mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Möglichkeit einer Spekulationsblase wurde zuletzt immer häufiger diskutiert. Dafür spricht beispielsweise die charakteristische Form des Preischarts. Denkbar also, dass Spekulanten nun reihenweise Kasse machen und das Weite suchen - die Blase könnte geplatzt sein.

Zypern-Krise verstärkt Nachfrage nach Goldmünzen und Barren

Die Folge: Wenn die Spekulanten dem Gold den Rücken kehren, bleiben nur diejenigen dem Edelmetall treu, die es aus Angst kaufen. Angst vor einem Finanzcrash, Angst vor der Inflation, Angst vor Enteignung. Nicht durch Zufall ist die Nachfrage nach Münzen und Barren zuletzt so deutlich gestiegen. Auslöser, so berichten Händler, war die Zypern-Krise, durch die Anlegern erstmals vor Augen geführt wurde, dass ihre Konten vor staatlichem Zugriff nicht sicher sind.

Das belegt zum Beispiel eine aktuelle Umfrage unter britischen Anlegern. Demzufolge ist die Neigung der Privatinvestoren, Gold zu kaufen, seit der Zypern-Krise deutlich gestiegen. "Die Leute haben erstmals gesehen, dass auch ihre Sparbücher vielleicht nicht unantastbar sind", sagt Daniel Marburger, Director bei Jewellers Trade Service Partners in London. "Daher flüchten sie verstärkt in Gold." Allein die Dominanz der institutionellen Investoren sorgt nach Ansicht Marburgers dafür, dass sich der Run nicht im Preis niederschlägt.

Damit spricht Marburger die andere Seite des aktuellen Geschehens am Goldmarkt an: Die Rolle von Notenbanken sowie zahlreichen Großbanken. Sie alle, so sagen Beobachter, haben ein Interesse an einem niedrigen Goldpreis - und sie verfügen über Mittel, den Markt in diese Richtung zu beeinflussen.

Zum Beispiel die Notenbanken, die sich seit jeher schon im Fokus von Verschwörungstheoretikern am Goldmarkt befinden. Die US-amerikanische Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und andere wichtige Zentralbanken wünschten keinen hohen Goldpreis, wird in Blogs und Internetforen gemutmaßt. Denn das unterminiere die Glaubwürdigkeit der internationalen Politik und das Vertrauen in die Finanzmärkte.

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