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25. Dezember 2012, 13:03 Uhr

Geldanlage

Wie Goldhändler Kleinanleger umgarnen

Der Wunsch nach physischem Goldbesitz hat Deutschland längst erreicht. Standardbarren kosten jedoch eine halbe Million Euro. Weshalb sich für Spezialfirmen attraktive Nischen auftun - vom "Schokoladebarren" bis zum Verkaufsautomaten.

Zürich/Frankfurt - Die Finanzkrise hat Anleger in einen Goldrausch versetzt. Getrieben von der Nachfrage aus aller Welt, steigt der Preis des gelb glänzenden Edelmetalls stetig. Gerade die deutschen Sparer, die großen Verlierer der Währungsreformen nach den beiden Weltkriegen, decken sich mit Gold ein.

Denn groß ist bei Vielen die Angst vor Inflation und einem Zusammenbruch des Euro-Systems. "Es sind vor allem Leute im Alter von 40 bis 70, die in Goldbarren und Münzen investieren", sagt Michael Mesaric, Chef der Schweizer Edelmetall-Raffinerie Valcambi. "Die haben von ihren Eltern von Kriegen, Krisen und Geldentwertung gehört."

Das Edelmetall ist aber nicht nur als Wertanlage gesucht. Valcambi preist Gold auch als Zahlungsmittel für Notzeiten an - und macht damit gute Geschäfte. Bereits jetzt besitzt die deutsche Bevölkerung fünf Prozent der weltweiten Goldmenge, wie aus einer Studie der Berliner Privathochschule Steinbeis hervorgeht. Der Goldbesitz sei in den vergangenen zwei Jahren weiter gestiegen, sein Wert übersteige den Wert von Aktien oder Renten deutlich. Kurzum, die Deutschen horten Barren, Münzen und Schmuck.

Standardbarren kommen für die meisten kaum infrage

Allein 2012 hat sich Gold um rund 6 Prozent auf 1648 Dollar je Feinunze verteuert. Davon profitieren nicht nur prominente Hedgefonds-Manager wie George Soros oder John Paulson. Auch die Bestände der bei Kleinanlegern beliebten börsengehandelten Goldfonds eilen von Rekord zu Rekord. Einige dieser Fonds bieten die Möglichkeit, dass der Verkäufer in echtem, physischem Gold ausgezahlt wird statt in Geld.

Das Problem: Die Mindestmenge ist zumeist ein Standardbarren von 12,5 Kilogramm - was bei einem Stückpreis von einer halben Million Euro für die meisten kaum infrage kommt. Wer nicht so wohlhabend ist und es notwendig findet, sich für einen Zusammenbruch des Bankensystems mit physischem Gold zu wappnen, greift auf kleinere Barren oder Münzen zurück.

Und dieses Geschäft boomt. Kauften die Anleger weltweit 2002 noch Barren und Münzen im Wert von 3,5 Milliarden Dollar, lag dieser Wert 2011 bei fast 77 Milliarden Dollar, wie Daten der Branchenorganisation World Gold Council zeigen. "Physisches Gold ist bei meinen Kunden ein sehr präsentes Thema", erklärt ein Zürcher Vermögensverwalter. "Vor allem Münzen werden sehr gut nachgefragt und meist zu Hause aufbewahrt."

Die Edelmetall-Raffinerie Valcambi hat hier eine Marktlücke ausgemacht: Sie bietet als Alternative zu Münzen kreditkartengroße 50-Gramm-Goldbarren an, die von Hand in 50 Ein-Gramm-Plättchen gebrochen werden können. "Das Produkt kann als Parallelzahlungsmittel eingesetzt werden", erklärt Firmenchef Mesaric, räumt aber ein: "Das funktioniert in hochentwickelten Volkswirtschaften erst richtig, wenn die Finanzmärkte gestört sind. Soweit sind wir noch nicht."

In Indien ist Gold schon lange Parallelwährung

In Ländern wie Indien, dem weltgrößten Verbraucher, sei Gold aber schon immer Parallelwährung gewesen. Von den Plättchen, die aufgrund ihrer Sollbruchstellen auch "Schokoladebarren" genannt werden, hat die vom US-Goldkonzern Newmont Mining kontrollierte Firma bereits mehrere Tonnen abgesetzt.

Im Hauptmarkt Deutschland stiegen die Verkaufszahlen, sagt Mesaric. Auch in Österreich und der Schweiz laufe das Geschäft gut. In Indien sei die Firma dabei, den Vertrieb aufzubauen, in den USA sei der Markteintritt für nächstes Jahr geplant.

Skeptisch zeigt sich dagegen Fondsmanager Stephan Müller von der Bank Julius Bär. "Als Wertanlage ist physisches Gold sinnvoll", sagt Müller, der für den sechs Milliarden Dollar schweren börsengehandelten Gold-Fonds des Schweizer Instituts verantwortlich ist. "Ob es sich als Zahlungsmittel durchsetzt, bezweifle ich aber. Denn wer Gold als Bezahlung annimmt, muss dem anderen blind vertrauen können." Der Grund: Die Güte von Gold könne nur in einem sehr aufwendigen Verfahren geprüft werden.

50.000 Goldautomatkunden

Die Kunden von Degussa Goldhandel, die seit 2011 in Ladengeschäften in Deutschland und der Schweiz Goldbarren und Münzen verkauft, greifen trotzdem zu den Combibarren. "Von Woche zu Woche nimmt die Nachfrage zu", sagt Andreas Hablützel, Leiter des Schweizer Geschäfts. Käufer seien Großeltern, die ihren Enkeln statt einer Münze jedes Jahr eine Reihe schenkten oder Leute, die davon überzeugt seien, dass Gold zum Zahlungsmittel werde.

"Vor allem in Deutschland befürchten Leute, die Gold kaufen, dass der Euro auseinanderbricht oder die Banken in Probleme reinlaufen." Je nach Krisentemperatur stiegen die Umsätze, beobachtet auch Thomas Geissler. Seine Firma Ex Oriente Lux betreibt in Europa, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten insgesamt 17 Verkaufsautomaten für Gold.

Den Rekordumsatz erreichten die Automaten im Jahr 2010, einen Tag nach einer Rede des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann zur Griechenlandkrise. Seit der Inbetriebnahme der Automaten hätten 50.000 Konsumenten für über 21 Millionen Euro Gold bezogen. Der durchschnittliche Käufer sei männlich, über fünfzig Jahre alt und zähle zur Oberschicht.

"Die Kunden bewahren das Gold meist zu Hause als Krisenvorsorge auf, so wie dies die Väter und Großväter früher getan hatten", sagt Geissler. Bekomme die Firma von der Finanzbranche genügend Mittel zur Finanzierung des Goldbestandes, peilt Geissler ein kräftiges Wachstum an. "Unsere Kapazität ist sicher für einen Ausbau von 100 Verkaufsautomaten pro Jahr gut."

krk/rtr


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