Donnerstag, 2. April 2015

MS "Deutschland"-Anleihe Traumschiff macht Heuschrecke froh

Anlageobjekt: Das ZDF-Traumschiff "MS Deutschland" bei der Einfahrt in den Hamburger Hafen

Ab heute wird in Frankfurt die Anleihe des ZDF-Traumschiffs MS "Deutschland" gehandelt. Anleger haben rasend schnell 50 Millionen Euro in das Papier gesteckt. Gewinner der Emission dürften jedoch andere sein - zum Beispiel ein Finanzinvestor.

Hamburg - Wenn Sascha Hehn künftig als Kapitän des ZDF-Traumschiffs die Senioren beglückt, dann dürfte sich vorm Fernseher Dirk Markus die Hände reiben. Markus ist Chef der Aurelius AG, eines Finanzinvestors mit teilweise "finsterer Bilanz", wie einmal die "Financial Times Deutschland" ("FTD") schrieb. Aurelius gehört das Traumschiff MS "Deutschland" zum weitaus größten Teil. So ist Markus einer der Profiteure der Anleiheplatzierung, die am Mittwoch in rasender Geschwindigkeit über die Bühne ging.

Insgesamt 50 Millionen Euro steckten Investoren innerhalb weniger Stunden in das Papier. Schon ab dem heutigen Freitag soll die MS-"Deutschland"-Anleihe nun im Frankfurter Entry Standard gehandelt werden - geplant war das eigentlich erst in knapp zwei Wochen.

Die Anleger haben sich offenbar von einigen vermeintlichen Vorzügen der Offerte überzeugen lassen: Versprochen wird eine jährliche Verzinsung von 6,875 Prozent, was im aktuellen Umfeld durchaus beachtlich erscheint. Zudem ist das Papier mit dem Schiff selbst besichert. Gerät die MS "Deutschland" Beteiligungsgesellschaft in Schwierigkeiten, so haben die Anleger also zumindest die Hoffnung, durch den Verkauf des schwimmenden Hotels schadlos gehalten zu werden.

Nicht zu vergessen: Über allem strahlt der Glanz des Traumschiffs, das es durch seine TV-Präsenz zu enormer Bekanntheit gebracht hat. Die Serie läuft im ZDF seit 1981, seit 1999 spielt das Motorschiff (MS) "Deutschland" die Titelrolle. Anleger spekulieren womöglich darauf, dass sich die Prominenz positiv in der Gewinn- und Verlustrechung bemerkbar machen könnte.

Finanzinvestor in der Kritik

Soweit die scheinbaren Pluspunkte. Wer sich mit der Anleihe näher beschäftigt, kann jedoch Zweifel bekommen, dass eine Zeichnung tatsächlich ein gute Idee war. Ähnlich wie bei mancher Pauschalreise gilt womöglich vielmehr: Erst kommt die Vorfreude, dann das böse Erwachen. Anleiheprofis jedenfalls sehen das Papier zum Teil mit großer Skepsis. Und das liegt nicht zuletzt an Finanzinvestor Markus, der als Aurelius-Chef bei der Emission die Fäden zog.

Zum Hintergrund: Aurelius gilt als klassische Private-Equity-Firma, spezialisiert auf Sanierungsfälle. Die werden, so die eigene Darstellung, mit einer "starken Kapitaldecke, internationalen Kontakten und einem großen Team von Spezialisten (...) wieder auf Erfolgskurs" gebracht.

Die Realität sieht allerdings oft anders aus. Erfolgsgeschichten seien rar bei Aurelius, schrieb die "FTD" vor einiger Zeit. Detailliert schilderte die Zeitung das Schicksal der ehemaligen Arcandor-Tochter Mode & Preis (M&P), der der Finanzinvestor nach der Übernahme sogar auf mysteriöse Weise Geld über ein "rätselhaftes Konto" entzogen haben soll. Aurelius-Chef Markus verzichtete laut "FTD" seinerzeit darauf, den Vorwurf zu kommentieren. In einer Stellungnahme zu dem Artikel, die sich auf der Internetseite des Unternehmens findet, schreibt Aurelius zu diesem Punkt, das "rätselhafte Konto" habe der Besicherung eines Darlehens gedient.

Bei der MS-"Deutschland"-Emission wirkte allein die Tatsache, dass sich der Finanzinvestor im Hintergrund befand, auf manchen Investor abschreckend, wie manager magazin online erfuhr. Hinzu kommt, dass Aurelius schon im Vorfeld geplant hatte, Mittel aus der Platzierung zu verwenden, um das eigene Engagement bei der MS "Deutschland" zu reduzieren. Bis zu 60 Millionen Euro wollten die Emittenten zunächst mit dem Papier einnehmen, etwa 10 Prozent davon wären in die Kassen von Aurelius geflossen.

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