Montag, 3. August 2015

Alle Artikel und Hintergründe

MS "Deutschland"-Anleihe Traumschiff macht Heuschrecke froh

Anlageobjekt: Das ZDF-Traumschiff "MS Deutschland" bei der Einfahrt in den Hamburger Hafen

2. Teil: Die Lage des Unternehmens ist mindestens kritisch

Die nun platzierten 50 Millionen Euro sollen ausschließlich für die Umstrukturierung von Verbindlichkeiten verwendet werden, wie eine Sprecherin auf Nachfrage mitteilt. Bis zu sechs Millionen Euro davon könnten wiederum an Aurelius gehen.

"Das ist keine Mittelverwendung, die uns gefällt", sagt ein Anleiheinvestor, der nicht namentlich genannt werden möchte, und der sich gegen eine Zeichnung entschied, zu manager magazin online. "Wir sind grundsätzlich kritisch, wenn ein Private-Equity-Unternehmen eine Anleiheemission als Exit nutzt." Hinzu kämen in diesem Fall einige schlechte Finanzkennzahlen, so der Profianleger. "Die haben uns ebenfalls abgeschreckt."

Der Experte spricht die wirtschaftliche Situation der MS "Deutschland" Beteiligungsgesellschaft als Emittentin an. Zwar gilt das Kreuzfahrtgeschäft insgesamt als Wachstumsmarkt. Ein genauer Blick in den Wertpapierprospekt der Anleihe zeigt jedoch: Die Lage des Unternehmens ist mindestens kritisch.

Festmachen lässt sich das vor allem an drei Kennzahlen:

  • dem Jahresfehlbetrag von 8,5 Millionen Euro im letzten vollen Geschäftsjahr 2011 beziehungsweise knapp fünf Millionen Euro in den ersten neun Monaten dieses Jahres
  • dem Eigenkapital, das mit mehr als elf Millionen Euro im Minus steht
  • der Auslastung des Schiffes, die von fast 80 Prozent im Durchschnitt des Jahres 2008 auf 67,4 Prozent im Schnitt der Monate Januar bis September 2012 gesunken ist

Die Gesellschaft kennt zwar Gründe für die schlechten Zahlen. Das Eigenkapital etwa befinde sich bewusst im negativen Bereich. Das Schiff werde zu einem vergleichsweise niedrigen Buchwert bilanziert, um Steuern zu sparen, heißt es. Nach Informationen von manager magazin online geht es dabei um einen mittleren bis hohen sechsstelligen Betrag an möglichen zusätzlichen Abgaben.

Zudem sei das Geschäft durch die Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 schwer getroffen worden. Seit einiger Zeit, so die Sprecherin, stiegen die Buchungszahlen wieder an. Man gehe davon aus, Investitionen, die zunächst mit dem Geld aus der Anleihe gestemmt werden sollten, in den kommenden Monaten aus dem Cash Flow tätigen zu können.

Andererseits passen die roten Zahlen ins Bild, das das MS "Deutschland" in den vergangenen Monaten abgab. Der Streit um die geplante Ausflaggung nach Malta, in dessen Zuge der echte Kapitän des Traumschiffes, Andreas Jungblut, vor einigen Wochen wegen kritischer Äußerungen gefeuert wurde, ging durch alle Zeitungen. Ohne Not, das weiß jeder Schifffahrtskenner, denkt keine Reederei über einen kostensenkenden Flaggenwechsel nach. Tatsächlich fährt bereits ein großer Teil der weltweiten Handelsflotte unter "Billigflagge". Kaum ein Kreuzfahrtschiff hisst heute noch Schwarz-Rot-Gold.

Seite 2 von 3
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH