Mittwoch, 27. Juli 2016

Hoffen auf Sicherheit Anleger setzen weiter auf Gold

Pro und contra: Was den Goldpreis treibt und was ihn drückt
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AFP

Seit Monaten sinkt der Goldpreis. Anleger haben das Interesse an dem Edelmetall jedoch nicht verloren, wie aktuelle Umfragen zeigen. Viele erwarten einen Wiederanstieg des Preises in den kommenden Monaten.

Hamburg - Wer vermutet, Gold sei in den vergangenen Wochen und Monaten aus dem Fokus der Anleger gerückt, könnte sich täuschen. Darauf deutet das Ergebnis einer Umfrage hin, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa gerade im Auftrag des Edelmetallhandelshauses Pro Aurum unter rund 1000 Bundesbürgern durchgeführt hat. Demnach glauben 38 Prozent der Befragten, Gold werde in den kommenden drei Jahren unter verschiedenen zur Auswahl gestellten Geldanlagen den höchsten Gewinn bringen. Vor Jahresfrist hatten lediglich 34 Prozent diese Antwort gegeben.

Die Investoren trauen Gold Börsen-Chart zeigen damit mehr zu als beispielsweise Festgeld, dem lediglich 16 Prozent der Befragten den Vorzug gaben. Auch Aktien (12 Prozent), Fondsanteile (8 Prozent) und Anleihen (3 Prozent) schnitten schlechter ab.

Der Anteil der Bundesbürger, die bereits Gold oder andere Edelmetalle im Portfolio haben, ist nach Angaben der Forsa auf 11 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 8 Prozent. Zum Vergleich: 38 Prozent der Bundesbürger haben laut Forsa eine Lebensversicherung abgeschlossen, 33 Prozent einen Bausparvertrag und 29 Prozent betrachten ihre Immobilie als Geldanlage.

Das Ergebnis der Forsa-Befragung korrespondiert mit dem Resultat einer Umfrage des Magazins "Zertifikateberater" unter mehr als 100 Finanzberatern in Banken und Sparkassen. Demnach erwarten beinahe 80 Prozent der Berater für den Goldpreis im zweiten Halbjahr dieses Jahres eine Aufwärtsbewegung. Zum Vergleich: Den Aktienindex Dax Börsen-Chart zeigen sehen bis Jahresultimo knapp 70 Prozent der Berater im Plus. Beim Ölpreis sind es weniger als 60 Prozent und beim Euro-Kurs Börsen-Chart zeigen nicht einmal 50 Prozent.

Gold ist Anlage ohne Kontrahentenrisiko

Auf die Frage, welche Investmentthemen von der privaten Kundschaft zurzeit stark nachgefragt würden, nannten 45 Prozent der Anlageberater Gold. Größeres Interesse wecken mit rund 74 Prozent lediglich deutsche Aktien.

Die Umfrageergebnisse können verwundern, denn der Goldpreis spiegelt zurzeit ein steigendes Interesse nicht wieder. Im Herbst vergangenen Jahres markierte das Edelmetall sein bisheriges Allzeithoch beim Preis von rund 1900 Dollar je Unze. Seitdem ging es abwärts auf ein Niveau von gegenwärtig knapp über 1600 Dollar je Unze.

"Die Umfrage zeigt, dass Gold nach wie vor eine zentrale Rolle als krisen- und inflationssichere Anlage bei den deutschen Anlegern einnimmt", kommentiert Robert Hartmann, Geschäftsführer von Pro Aurum, das Forsa-Ergebnis.

Im ersten Quartal 2012 war die Kundennachfrage angesichts deutlicher Korrekturen beim Goldpreis deutlich zurückgegangen, so Hartmann. "Zum ersten Mal seit Jahren haben unsere Kunden in dieser Phase Preiskorrekturen nicht dazu genutzt, ihre Bestände zu erhöhen", sagt er. Seit April nehme die Nachfrage jedoch wieder spürbar zu.

Ähnlich klingt die Einschätzung des Onlineanbieters Goldmoney. Der Goldpreis sei auch in diesem Jahr in den meisten Währungen weiter gestiegen und die Mehrzahl der Analysten gehe von einer Fortsetzung des Goldbooms aus, schreibt das Unternehmen. Grund dafür seien die wirtschaftlichen Fakten, auf welche sich die Analysen stützten: Weder sei die Schuldenkrise in der Euro-Zone gelöst, noch die Zukunft des Euro als Gemeinschaftswährung geklärt.

"Physisches Gold ist ein sicherer Hafen in Krisenzeiten, weil kein Kontrahentenrisiko besteht", sagt Geoff Turk, Geschäftsführer von GoldMoney. "Trotz des aktuellen Aufschwungs von US-Dollar und anderen Fluchtwährungen bleibt Gold das einzige Geld, das vor Wertverfall schützt."

Hinzu komme: Die anhaltenden wirtschaftspolitischen Unsicherheiten ließen Zentralbanken eifrig Gold kaufen, um sich von den schwankenden Papierwährungen zu distanzieren. Vor allem in China sei das Edelmetall immer stärker nachgefragt. Das Reich der Mitte habe laut World Gold Council 255,2 Tonnen Gold im ersten Quartal 2012 gekauft, ein Anstieg von 10 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode, so Turk.

cr

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