Samstag, 30. Juli 2016

Geldanlagetrend Wasser "Wir investieren in Rohre und Kläranlagen"

Kläranlage in Stuttgart: Investments in die Wasserwirtschaft können attraktiv sein

Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und des zunehmenden Energiebedarfs kommt Wasser künftig eine immer größere Bedeutung zu. Schon heute ist es deshalb ein spannendes Geldanlagethema. Der Schweizer Experte Martin Klöck erklärt, welche Investments jetzt attraktiv sein können.

mm: Herr Klöck, beim Investmentthema Wasser muss wohl zunächst unterschieden werden zwischen der Energiegewinnung durch Nutzung der Wasserkraft auf der einen und dem großen Bereich der weltweiten Trinkwasserversorgung auf der anderen Seite. Was von beidem ist aus Anlegersicht interessanter?

Klöck: Weltweit betrachtet wird zwar mehr Energie aus Wasserkraft gewonnen, als beispielsweise aus Wind oder Sonne. Wir halten die Wasserkraftnutzung aber aus Investmentsicht eher für eine renditetechnisch konservative Anlage-Randstory. Inhaltlich ist die Wasserkraft natürlich kompliziert und umfangreich. Der Hauptgrund für unsere Zurückhaltung ist jedoch, dass es sich um ein sehr politisches Thema handelt, bei dem es um die Entwicklung der Strompreise geht, um staatlich garantierte Entgelte und auch um Umweltschutz. Die Entwicklung in all diesen Bereichen in den kommenden Jahren ist nur schwer präzise abzuschätzen.

mm: Und die Trinkwasserversorgung?

Klöck: Dort gibt es gleich mehrere Segmente, in denen ein Investment lohnen kann. Wir unterscheiden dreierlei: Erstens die Infrastruktur, also Leitungen, Rohre, Kläranlagen und so weiter. Zweitens die Wasserversorgung, wozu zum Beispiel der ganze Sektor der kommunalen Wasseranbieter zählt. Und drittens: Technologien, etwa mit Firmen, die Entsalzungs- oder Filtrierungsanlagen bauen. Wofür sich der Anleger entscheidet, hängt vor allem von seiner Risikoneigung ab.

mm: Das heißt?

Klöck: Der Versorgungssektor stellt wohl das konservativste Anlageziel dar. Die städtische Wasserversorgung von Frankfurt am Main beispielsweise birgt kaum Risiken, dürfte aber auch kaum mehr als 4 Prozent Rendite abwerfen. Die Aussicht auf deutlich höhere Renditen bis in den zweistelligen Bereich gibt es dagegen bei Investments in Technologiefirmen des Wassersektors. Dort aussichtsreiche Kandidaten zu finden ist jedoch nicht leicht, die Sache ist daher mit einigen Risiken verbunden. Wir präferieren Investitionen in die Infrastruktur, deren Rendite-Risiko-Profil etwa in der Mitte zwischen den beiden anderen angesiedelt sein dürfte.

mm: Sie stecken das Geld Ihrer Kunden also in Wasserrohre und Kläranlagen?

Klöck: Richtig, wir investieren in Rohre, Kläranlagen, Einrichtungen zur Meerwasserentsalzung, Filter, Wasserspeicher und ähnliches. Im Hintergrund steht die Tatsache, dass das Wasser weltweit unfair verteilt ist, und zwar sowohl international als auch innerhalb der Länder. Die Infrastruktur wird also benötigt, um dieses Ungleichgewicht auszugleichen. Ein Großteil der globalen Wasseranlagen sind jedoch veraltet und bedürfen dringend der Erneuerung. Die OECD schätzt den Investitionsbedarf allein in den westlichen Industriestaaten auf mehrere hundert Milliarden Dollar. Da die Staaten über die Mittel vielfach nicht verfügen, sind private Gelder gefragt.

mm: Welche Länder nehmen Sie am ehesten in den Fokus?

Klöck: Wenn wir freie Hand haben, konzentrieren wir uns auf die USA, Kanada, Großbritannien, und Spanien. Dort haben sich die privaten Wassermärkte bereits etabliert, es herrschen klare Strukturen und weitgehende Rechtssicherheit. Von Osteuropa dagegen halten wir uns in der Regel fern. Projekte dort, beispielsweise Staudämme oder ähnliches, sind in vielen Fällen politisch oder bautechnisch in irgendeiner Weise problembeladen.

mm: Große Renditesprünge dürften Sie so aber kaum machen.

Klöck: Wie gesagt, wer in ein simples kommunales Wasserversorgungsnetz investiert, kann auch nur mit einer sehr konservativen Rendite rechnen. Besser sind da schon Infrastruktureinrichtungen mit einem gewissen technologischen Vorsprung, beispielsweise Wasserfiltrierungs- oder Entsalzungsanlagen. Bei denen ist eine zweistellige Rendite eigentlich die Regel. Ein Vorteil ist auch, dass wir eher kleine, dafür aber umso rentablere Projekte mit einem Volumen von 20 bis 100 Millionen Dollar finanzieren. Große Versorger beispielsweise spielen in dem Bereich als Investoren gar nicht mit.

mm: Abgesehen von einem Fonds, mit dem Sie jetzt in Deutschland kooperieren, haben Privatanleger ja kaum Möglichkeiten, in solche Anlagen zu investieren. Es bleibt meist nur das Investment in Aktien aus der Wasserwirtschaft oder in Investmentfonds, die auf diese Aktien spezialisiert sind. Eine gute Alternative?

Klöck: Das ist sehr schwierig. Es gibt weltweit vielleicht 120 Aktien, die wirklich dem Wassersektor zuzuordnen sind, die also mehr als 60 Prozent ihrer Erträge im Wassergeschäft erwirtschaften. Ich beobachte einige Firmen beispielsweise in Israel, Holland oder Singapur. Entscheidend ist meiner Meinung nach die Energieeffizienz der Komponenten. Viele Aktivitäten in der Wasserwirtschaft, wie die Filtrierung oder die Entsalzung, sind sehr energieintensiv. Wer solche Technologien mit geringem Energieaufwand entwickelt, ist im Vorteil.

mm: Haben Sie einen Tipp?

Klöck: Ich selbst darf in dem Bereich nicht investieren. Wenn ich es dürfte, würde ich mir sicher die Firmen E-Pure aus Singapur oder Modern Water in England genauer anschauen.

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