Montag, 25. Juli 2016

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Raus aus Euro-Land Europas Geldadel flieht nach Singapur

Singapur: Aufstrebender Stadtstaat und Zuflucht für reiche Europäer

Die Euro-Schuldenkrise vertreibt Investoren. Reiche Europäer gehen raus aus der Gemeinschaftswährung und legen ihr Geld stattdessen in Asien an. Einige ihrer Investmentfavoriten sind auch für Nicht-Millionäre verfügbar.

Hamburg - Euro-Land droht eine neue Art der Bedrohung. Nach Jahren wachsender Bedeutung im Welthandel, nachdem die Europa-Devise sich in manchen Bereichen sogar neben dem US-Dollar zur Transaktionswährung mauserte, steht sie vor einer harten Bewährungsprobe. Plötzlich verabschieden sich immer mehr Reiche aus ihren Investments in Euro-Land und damit auch aus der kriselnden Euro-Währung. Das zeigt ein Report des manager magazins, der in der aktuellen Ausgabe zu lesen ist.

Wer sich fragt, wie Investmentprofis die Zukunftschancen des Euro sehen, der konnte am 16. November bei einer Abendveranstaltung der Hamburger Fondsgesellschaft Aramea einige unverblümte Antworten hören. Im Handelsraum, in dem sonst die Fondsmanager mit ihren Bloomberg-Terminals das Kundengeld durch die Finanzmärkte jagen, hielt der Deutschland-Chefvolkswirt von Barclays Capital, Thorsten Polleit, einen Vortrag mit dem Titel "Die Krise des Papiergeldsystems".

Fröhliche Botschaften hatte er nicht mitgebracht aus seinem Frankfurter Bankbüro. Im Gegenteil: Polleit ist sicher, dass die Schuldenorgie der vergangenen Jahrzehnte in einer massiven Entwertung des Geldes enden wird.

"Die Gesamtschulden der privaten und öffentlichen Sektoren in Europa beträgt 420 Prozent der Wirtschaftsleistung, also noch mehr als die 350 Prozent der USA - und das liegt vor allem an dem monströsen Bankensystem, das sich hier aufgebaut hat", warnt Polleit.

Der einzige Ausweg sei es, die Schulden durch Inflation zu entwerten und dabei die Staatsanleihezinsen künstlich niedrig zu halten. Der Volkswirt wagte eine Wette: "Die Europäische Zentralbank wird in nicht allzu ferner Zukunft die Zinsen im Euro-Raum komplett kontrollieren. Es wird eine Zinsobergrenze geben und die wird auch durchgesetzt." So wie in den USA, die durch eine solche Zinsobergrenze nach dem zweiten Weltkrieg aus den Schulden kamen.

Wer Staatsanleihen besitzt, wird still enteignet

Unschöner Nebeneffekt: Wer Staatsanleihen besitzt, wird still enteignet. Schon heute liegt die Rendite von Bundesanleihen mit zwei Jahren Laufzeit bei 0,4 Prozent - also weit unter der Inflationsrate. Aktien bieten zwar einen gewissen Schutz vor der Inflation - aber nur, wenn die Teuerung nicht deutlich über 7 Prozent steigt, wie die historische Entwicklung des US-Aktienmarkts gezeigt hat. Noch dazu lasten die Sparprogramme der Staaten in Europa und den USA auf dem Wirtschaftswachstum hier.

Da liegt es nahe, dass viele Wohlhabende bereits begonnen haben, individuell und persönlich aus dem Euro auszutreten mit ihrem Privatvermögen. Meldungen, wie die über die womöglich drohende Kapitallücke bei der Commerzbank Börsen-Chart zeigen, könnten diesen Prozess noch beschleunigen. Und als Zuflucht genießt besonders der asiatische Stadtstadt Singapur immer größeren Zuspruch bei den Reichen - nicht nur wegen des Bankgeheimnisses und der Kapitalertragssteuer von null Prozent.

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