Samstag, 24. Juni 2017

Länder im Vergleich Was aus 300 Millionen Euro Vermögen  wird

Österreich lockt deutsche Firmeneigner mit niedrigen Steuern für Privatstiftungen. Der Vergleich zeigt, was aus 100 Millionen Euro Firmenvermögen nach 30 Jahren wird - in Deutschland, Österreich und Liechtenstein.

  • Der Vergleich: Ein Unternehmen im Wert von 100 Millionen Euro wird auf eine Stiftung übertragen. Es erwirtschaftet jährlich einen Gewinn vor Steuern von 10 Prozent seines Werts. Der Gewinn bleibt zur Hälfte im Unternehmen, die andere Hälfte wird an die von der Stiftung begünstigten Personen ausgezahlt.
  • Deutschland: Seit der Erbschaftssteuerreform 2009 können Eigentümer ihr Unternehmen in eine Familienstiftung einbringen, ohne Erbschafts- oder Schenkungssteuer zu zahlen. Allerdings droht alle 30 Jahre die hohe Erbersatzsteuer von maximal 30 Prozent auf das Vermögen - der größte Nachteil im Vergleich mit dem südlichen Nachbarland.
  • Österreich: Die Wiener Regierung hat die Erbschaftssteuer abgeschafft, daher kann es auch keine Erbersatzsteuer bei Privatstiftungen geben. Besonders vorteilhaft sind die Regeln für die Einbringung von Unternehmen. Kein Wunder also, dass Firmenbeteiligungen nach Angaben des zuständigen Verbands 60 Prozent des Vermögens aller österreichischen Privatstiftungen ausmachen. Immobilien werden ebenfalls nur gering besteuert, sie stellen 20 Prozent der Stiftungsvermögen.
  • Liechtenstein: Noch niedriger sind die Steuern in Liechtenstein. Allerdings ist das Fürstentum nach den jüngsten Skandalen als Fluchtort für Steuerhinterzieher verschrien. Dazu kommt: Als dauerhafter Wohnsitz ist das kleine Land den meisten Unternehmern zu unattraktiv.

Deutsche Familienstiftung1 Österreichische Familienstiftung2 Liechtensteiner Stiftung3
Anfangsvermögen 100.000.000 100.000.000 100.000.000
Vermögen bei Stiftungsgründung (nach Steuern) 100.000.000 97.500.000 99.800.000
Jährlicher Beteiligungsertrag 10.000.000 9.750.000 9.980.000
Laufende Steuern beim Unternehmen 2.983.000 2.662.500 499.000
Jährlicher Ertrag für die Stiftung (nach Steuern) 2.017.000 2.212.500 4.491.000
Ertragssteuern bei der Stiftung 39.500 0 0
Ertragssteuern bei den begünstigten Personen 659.500 609.375 0
Stiftungsvermögen nach 15 Jahren 167.162.500 167.250.000 204.590.000
Stiftungsvermögen nach 30 Jahren ohne Erbersatzsteuer 234.325.000 237.000.000 309.380.000
Stiftungsvermögen nach 30 Jahren mit deutscher Erbersatzsteuer 175.743.750 237.000.000 309.380.000
1 Annahmen: keine Erbschaftssteuer bei der Errichtung der Stiftung; dazu sind bestimmte Bedingungen beim Unternehmen einzuhalten, zum Beispiel bei der Lohnsumme. Gewerbesteuer-Hebesatz von 400 (die Kennziffer bestimmt die Höhe der Gewerbesteuer und ist in der Praxis unterschiedlich je nach Gemeinde, in der das Unternehmen seinen Sitz hat). Erbersatzsteuer fällt nach 30 Jahren an, geschätzt auf 15 Prozent des Verkehrswerts.

2Annahmen: mit Kommunalsteuer als Pendant zur deutschen Gewerbesteuer (3 Prozent der auf zehn Millionen Euro geschätzten Lohnsumme, abzugsfähig bei Kapitalertragssteuer).

3Annahmen: jährliche Kapitalsteuer von zwei Promille auf das Vermögen; in der Praxis jedoch verhandelbar und oft deutlich niedriger.

Bei der Besteuerung wird unterstellt, dass Unternehmen, Stifter und Begünstigte in dem Land ansässig sind, in dem die Stiftung ihren Sitz hat.

Quelle: Binz & Partner, manager magazin

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