Von Arne Gottschalck
mm: Managed Futures haben in der Krise nicht das gezeigt, was von ihnen erwartet wurde. Warum?
Sievers: Das liegt zunächst einmal an den Erwartungen, die in Managed Futures gesetzt wurden und daran, was von Managed Futures überhaupt erwartet werden kann. Seit 1991 hatte die Finanzindustrie vier große Krisen zu stemmen, sowohl die Aktien-, die Russland- als auch die Asienkrise hat die Managed-Futures-Industrie erfolgreich überstanden. Beispielsweise hat unser System AHL in den 25 Jahres seines Bestehens erst zwei Jahresergebnisse ohne Erträge verzeichnet. Doch 2011 hat AHL wie der überwiegende Teil der Managed-Futures-Branche vor dem Hintergrund negativer Aktienmärkte Verluste eingefahren.
mm: Woran lag das?
Sievers: Dies lag wesentlich daran, dass sich kaum Trends an den Märkten, die für das Funktionieren von Managed Futures notwendig sind, bilden konnten. So hat zuerst die Naturkatastrophe in Japan abrupte Trendbrüche an den Märkten nach sich gezogen. Danach haben bei steigender Schuldenproblematik in Europa permanente staatliche Eingriffe und Sondergipfel dazu geführt, dass die Märkte und auch die Stimmungslage der Anleger im Wochentakt gedreht sind.
mm: Ist es dann nicht die Aufgabe des Anlagehauses, die Programmierung zu ändern, wenn die alten Muster nicht mehr greifen?
Sievers: Managed Futures - insbesondere Trendfolger - leben davon, dass es Trends an den Märkten gibt. Sind diese nicht vorhanden, zu kurz oder bewegen sich die Märkte seitwärts wie im Jahr 2011, können Managed Futuers keine Renditen erwirtschaften. Laufen Trends nicht lange genug in eine Richtung, bringt auch eine Änderung in der Programmierung des jeweiligen Handelssystems nicht den gewünschten Erfolg. Nichtsdestotrotz befindet sich die Branche in einen kontinuierlichen Weiterentwicklungsprozess.
mm: Was ändert sich?
Sievers: So werden beispielsweise die Abwicklungsgeschwindigkeiten permanent erhöht. Bei AHL läuft inzwischen 80 Prozent des Handels elektronisch. Außerdem wurden im vergangenen Jahr neue Märkte hinzugefügt, um der zunehmenden globalen Korrelation Rechnung zu tragen.
mm: Wird die Rolle der Asset Allocation, die der Endanleger fahren muss, noch immer unterschätzt?
Sievers: Meiner Beobachtung nach machen sich Anleger immer mehr Gedanken darüber, ihr Geld über verschiedene Anlageklassen zu investieren. Neben klassischen Möglichkeiten greifen sie zunehmend auf Alternative Investments zurück. Managed Futures haben auf Sicht der letzten fünf oder zehn Jahre gesehen ihre Schutzfunktion im Depot erfüllen können, da sie in vielen Kapitalmarktkrisen - letztlich auch in der aktuellen Finanzkrise - funktioniert haben. Zudem haben sie langfristig besser abgeschnitten als Aktien.
mm: Dennoch standen für das Jahr 2011 Verluste zu Buche.
Sievers: Zwar haben sie 2011 leichte Verluste gebracht. Vor dem Hintergrund stärkerer Minusergebnisse ist bei vielen anderen Anlageklassen die Nachfrage dennoch gestiegen. Das verwaltete Vermögen von Managed Futures ist von 267,6 Milliarden US-Dollar Ende 2010 zum Ende des 3. Quartals 2011 auf 320,3 Milliarden US-Dollar angewachsen.
mm: Wie groß darf der Anteil derartiger Investments in einem Standardportfolio sein?
Sievers: Wir geben immer einen Richtwert zwischen 20 und 30 Prozent an, damit ein positiver Effekt auf das Gesamtportfolio greifen kann.
mm: Wie sehr korrelieren die unterschiedlichen MF-Strategien miteinander?
Sievers: Da die Mehrzahl der Managed-Futures-Anbieter die gleiche Philosophie verfolgen und auf Trends im Markt angewiesen sind, ist ihre Korrelation untereinander vergleichsweise hoch. Dennoch ist es wichtig, auf den richtigen Partner zu setzen, denn schätzungsweise rund ein Viertel der Markteilnehmer setzt sich von dem Rest der Branche positiv ab, indem sie sowohl vom Volumen als auch von der Performance her besser abschneiden.
mm: Wer wird in zehn Jahren Managed Futures nutzen - allein institutionelle Investoren oder auch Privatanleger?
Sievers: Ich gehe davon aus, dass in zehn Jahren der Anteil an Privatinvestoren, die in Managed Futures investieren werden, um ein Drittel steigen könnte. Denn diese können mittlerweile auch über Investmentfonds in Managed Futures investieren. Diese Fonds sind streng reguliert und völlig transparent, Anlegern bereits über geringe Einstiegssummen zugänglich und weisen oftmals keine Halteperioden oder Mindestordergrößen auf.
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