Donnerstag, 19. Oktober 2017

Editorial Von der Leichtigkeit des Reichseins

Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

Geld verdient Geld , wo schon viel ist, kommt auch noch mehr dazu. So lautet ein weitverbreitetes Vorurteil. Tatsächlich war es den Reichsten im Lande in den letzten zwölf Monaten ein Leichtes, ihre Vermögen zu steigern - obwohl die Banken praktisch keine Zinsen geben. Aber das Kapital der Geldelite parkt nicht einfach auf dem Konto, es vermehrt sich in Immobilien, Ländereien und vor allem Unternehmen. Von üppigen Dividenden und hohen Kursgewinnen (allein der Dax stieg in Jahresfrist um rund 20 Prozent) profitieren die Reichen also überproportional.

Wer nicht wie Solarworld-Eigner Frank Asbeck in einer hierzulande vom Aussterben bedrohten Industrie unterwegs ist oder sich wie Finanzinvestor Lars Windhorst verzockt hat, der konnte seinen Besitztümern beim Wachsen regelrecht zugucken. Es mag noch keine selbstfahrenden Autos geben, sich selbst nährende Vermögen schon. Viele Private-Equity-Granden klagen über die verrückt hohen Bewertungen deutscher Unternehmen - und kaufen trotzdem. Darüber freut sich insbesondere der emsige Mittelstand.

Weil nicht allein die einzelnen Besitztümer immer größer werden, sondern überdies die Anzahl der Multimillionäre und Milliardäre sprunghaft zunimmt, haben wir uns entschlossen, unsere Reichstenliste auszuweiten - von 500 auf die märchenhafte Zahl von 1001. Dazu sind Christoph Neßhöver und Andreas Bornefeld, die das Ranking konzipiert und recherchiert haben, tief ins Innere von Corporate Germany vorgestoßen. Drei Dinge fallen dabei besonders auf:

1. Der Strukturwandel hin zu einer digitaleren Wirtschaft zeichnet sich allmählich auch in der Liste ab. Zumindest auf den hinteren Plätzen macht sich zunehmend junges Geld breit, viele Gründer (Xing, Trivago, Zalando) haben es bei ihren Exits zu teils beträchtlichem Reichtum gebracht. Hasso Plattner und Dietmar Hopp (SAP), Andy Bechtolsheim (Sun), Ralph Dommermuth (United Internet) und die Samwers (Rocket Internet) sind nicht mehr allein auf weiter Flur.

2. Immer häufiger wird das alte Geld zu neuem und finanziert Start-ups. In ihrem Report "New Kids on the Block" schildern meine Kollegen Philipp Alvares und Jonas Rest, wie die Gründerszene von der neuen Flut an Wagniskapital profitiert.

3. Die Konkurrenz der Reichen um gute Deals, sei es bei Start-up-Beteiligungen, Firmenkäufen, Immobilien oder Kunst, ist härter geworden. Hier bilden sich Blasen, die beim nächsten Abschwung sichtbar werden.

Einstweilen aber wird gefeiert. Wer seine Spleens am ungezügeltsten auslebt und warum viele Superreiche ausgerechnet im armen Afrika ihre zärtliche Seite zeigen, auch das lesen Sie in diesem Heft.

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