Samstag, 15. Dezember 2018

Editorial Kann einer für BMW und dann VW brennen?

Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazins
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazins

Überläufer- in dem Wort schwingt viel negatives mit. Überläufer gelten als illoyal, oft sogar als Verräter. Kann einer, der als Designchef jahrelang für die Marke Adidas gebrannt hat, plötzlich für Puma brennen? Einer, der BMW verkörpert hat, über Nacht VW führen? Meine Kollegen Christian Schütte und Dietmar Student haben sich mit den Job-Hoppern der Neuzeit befasst, für die ein Wechsel zum Erzfeind längst kein Tabu mehr ist. Heraus kam: Ganz oft befördert der Seitensprung nicht nur die Karriere, er nutzt auch der Volkswirtschaft als Ganzes. Vorausgesetzt, man beachtet ein paar grundlegende Regeln. Den Report finden Sie ab Seite 78.

Oliver Bäte hat einen Kulturwandel angekündigt, als er vor gut drei Jahren zur Nummer eins der Allianz aufstieg. Er hat Wort gehalten. Allerdings ganz anders als erhofft. Deutschlands letzter Finanzkonzern von Weltrang, der stets auf seinen Korpsgeist stolz war und kaum etwas nach außen dringen ließ, ist auf einmal offen wie ein Buch. Meine Kollegen Angela Maier und Dietmar Palan fanden jedenfalls auskunftswillige Gesprächspartner zuhauf, die sie mit Details aus dem Innenleben der Allianz spickten. Bätes brachiale Reformbemühungen, sein Fokus auf Kurzfristerfolge und sein egozentrischer Führungsstil führen zu enormem Frust. Jeder kämpft inzwischen gegen jeden und optimiert sich selbst. Warum das alles fatal an die Deutsche Bank unter Joe Ackermann erinnert, lesen Sie ab Seite 28.

Schon mal von den Reimanns gehört? Die Familie, reich geworden mit Waschmitteln und Kondomen, ist der vermögendste Clan der Republik. Und in höchstem Maße koffeinsüchtig. Seit Jahren kaufen die Reimanns so ziemlich alles, was irgendwie nach Kaffee riecht, und kommen Marktführer Nestlé (Nespresso) immer näher. Geld spielt bei diesem Beutezug keine Rolle, davon hat die Sippe genug. Ihre Holding JAB verwaltet mittlerweile (inklusive externer Kapitalgeber) 96 Milliarden Euro. Wie jede Sucht ist aber auch diese mit hohen Risiken behaftet. Meine Kollegin Ursula Schwarzer, selbst eher nikotinsüchtig, fand etliche Schwächen in der JAB-Performance, ab Seite 56.

Welche Durchschlagskraft Soziale Netzwerke entwickeln können, entdecken Unternehmen gerade im Guten wie im Schlechten. Ein CEO konnte gar nicht fassen, dass gleich einer seiner ersten Beiträge auf Twitter von einem Bundesminister retweetet wurde. Seit Ewigkeiten bemüht er sich dort um einen Termin. Voller Euphorie wollte er nachlegen, mit einem Bild von sich und seinen Kindern beim Frühstück, schön authentisch, mit Eierflecken am Hemd. Seine Kommunikatoren konnten ihn nur mit Mühe davon abhalten, sich zu blamieren. Warum es gefährlich ist, wenn Firmen und Führungskräfte ahnungslos durch Twitter, Instagram und Co. stolpern, schildert mein Kollege Philipp Alvares ab Seite 86.

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