Dienstag, 18. September 2018

Editorial Das Musk-Regime - eine Kultur der Angst

Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

Elon Musk ist weiter gekommen, als die meisten in der Autobranche ihm zugetraut hätten. Unter deutschen Ingenieuren herrscht Entsetzen darüber, wie gut Tesla das Model 3 gelungen ist. Überschattet wird dieser Erfolg von der "Produktionshölle" (Musk), in die der Tesla-Guru seine Leute getrieben hat. Denn Musk hat auch eine dunkle Seite: Er ist ein diktatorischer Alleinherrscher, der alles besser weiß, keine Kritik erträgt, ein irres Tempo vorlegt, bedingungslosen Einsatz einfordert und blinden Gehorsam. Je größer die Probleme und der Druck der Investoren, desto brutaler verheizt er seine Topleute. Meine Kollegen Michael Freitag und Jonas Rest haben mit vielen Insidern gesprochen. Wer bleibt, duckt sich nur noch weg, die anderen flüchten oder werden gefeuert. Die Abgänge erreichen inzwischen ein existenzgefährdendes Ausmaß. Die Diktatur des Elon Musk, ab Seite 30.

Genie und Wahnsinn: Elon Musk
Getty Images
Genie und Wahnsinn: Elon Musk

Johannes Teyssens Tag begann mit dem Standard-Warm-Up. Vor dem Gespräch, das Dietmar Student und Martin Noé mit ihm vormittags in Hamburg führten, war der Eon-Chef schon um die Außenalster gerannt. Er muss sich fit halten, die von ihm angezettelte spektakuläre Neuordnung der deutschen Energiewirtschaft kostet Kraft und Nerven. Meine Kollegen ließen sich bei ihren Fragen von Eons Einladung zum Barbecue-Talk Anfang Juli in Berlin inspirieren. "Grill den Teyssen", lautet da das Motto, ab Seite 38.

Alexa ist die freundliche, stets hilfsbereite Stimme, mit der Amazon seinen Smartspeaker Echo ausgestattet hat. In den USA steht die Box bereits in zwölf Millionen Haushalten, hierzulande hält sie gerade Einzug. In der Konsumgüterindustrie stößt die servile Sprachassistentin dagegen auf deutlich weniger Gefallen. Dort haben sie Angst vor Alexa. Zu Recht. Denn Jeff Bezos' virtuelle Dienerin bietet am liebsten Waren an, an denen Amazon gut verdient, Eigenmarken etwa. So wird der Amazon-Boss nach der Attacke auf die großen Handelsketten nun auch zum Todesengel für die Markenartikler, wie Eva Müller und Jonas Rest ab Seite 78 schildern.

China wird immer autoritärer und parteigläubiger und will doch bis spätestens 2049 den Westen technologisch überrunden. Nach unserer herrschenden Lehre ein Ding der Unmöglichkeit. Danach basieren Innovationen auf Freiheit, sie tragen stets den Widerspruch gegen das Althergebrachte in sich. Und an einer staatlich gelenkten Wirtschaft ist ja schon die Sowjetunion grandios gescheitert. Stimmt alles, doch die Chinesen haben ein eigenes Innovationsregime entwickelt. Was das taugt, analysieren Wolfgang Hirn und Christian Schütte ab Seite 88.

Crazy Disruptor: Alibaba-Gründer Jack Ma zieht zum Firmengeburtstag eine Bühnenshow ab

Je weiter oben in der Hierarchie eine oder einer angekommen ist, desto einsamer wird es. Deshalb greifen immer mehr Topshots auf diskrete Consiglieri zurück, die ihnen ungeschminkt Feedback geben, sie zu besseren Anführern machen und manchmal sogar vor der eigenen Konzernmaschinerie retten. Meine Kollegin Eva Buchhorn hat einige dieser Duos aufgespürt. Ihren Report "Therapeuten der Macht" lesen Sie ab Seite 94.

Albert Frère ist trotz seiner 92 Jahre immer noch mittendrin. Jeden Freitagabend lässt sich der belgische Investor die Zahlen seiner Groupe Bruxelles Lambert (GBL) nach Hause übermitteln, als Vorbereitung für das sonntägliche Telefonat mit seinem CEO Gérard Lamarche. Aktivist Frère gilt als Europas Warren Buffett, und er findet zunehmend Gefallen an deutschen Konzernen. Ihm ist es mit zu verdanken, dass Adidas zu alter Stärke zurückfand, nun hat er sich den Anlagenbauer GEA vorgeknöpft. Mein Kollege Mark Böschen zeigt auf, wie Privatanleger von Frères Instinkt profitieren können.

Dass es sich auch lohnt, die Aktientipps unserer drei Profi-Kolumnisten Hendrik Leber, Uwe Rathausky und Georg von Wallwitz ernst zu nehmen, belegt ein aktueller Performance-Check: Seit sie für mm schreiben, haben sie mit ihren Empfehlungen allesamt den Stoxx geschlagen, Leber und Wallwitz haben sogar den Dax outperformt (mit 16 bzw. 13 Prozent).

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH