Montag, 23. Juli 2018

Editorial Guter Kerl, böser Bube

Martin Noé, Stellvertretender Chefredakteur des manager magazins
Thies Raetzke für manager magazin
Martin Noé, Stellvertretender Chefredakteur des manager magazins

Bayer-Chef Werner Baumann ist einerseits ein ganz normaler Kerl. Er fährt gern Oldtimer, renoviert sein Ferienhaus oder kauft für seine Frau in Hamburg eine gebrauchte C-Klasse, um sie dann eigenhändig nach Krefeld zu steuern, wo er, der Bäckerssohn, bis heute lebt. Andererseits hat er im Mai 2016, kaum war er Vorstandsvorsitzender, ein Übernahmeangebot für Monsanto abgegeben - das "bösartigste Unternehmen überhaupt", wie Umweltschützer meinen. In Kürze wird der Kauf des Saatgutkonzerns abgeschlossen sein, Bayer wird 66 Milliarden Dollar zahlen und Baumann noch stärker in den Fokus der Gegner geraten. Mein Kollege Dietmar Palan und ich wollten wissen, wie Werner Baumann mit seinem neuen Image als böser Bube umgeht, und haben ihn in den vergangenen zwei Jahren intensiv begleitet. Die Titelgeschichte "Ein Mann, ein Deal" lesen Sie ab Seite 32.

Über Jahrzehnte war General Electric Gewinnmaschine, Vorbild - und ein Trauma für Siemens. Heinrich von Pierer holte sich sogar Managementtipps vom damaligen CEO Jack Welch. Heutzutage gibt GE eher eine Vorlage für eine Harvard-Studie ab, wie man einen Industriekonzern herunterwirtschaftet - und das Elend mit Bilanztricks verschleiert. Der Absturz von GE hat viele überrascht, Leser des manager magazins waren vorbereitet. Bereits vor 19 Monaten hat meine Kollegin Angela Maier in einem Report die "verlorenen Jahre" von GE beschrieben. Jetzt legt sie nach: "Tricksen, tarnen, täuschen", ab Seite 42.

Jitse Groen, Boss der Liefergruppe Takeaway, zu der auch der deutsche Marktführer Lieferando gehört, wähnte sich bis vor Kurzem noch im Digitalhimmel. An jeder Essenbestellung verdiente das Unternehmen 2,30 Euro, ohne zu kochen oder selbst zu liefern, fast ohne Kapitalkosten. Teilweise über 50 Prozent Marge waren der Lohn. Nun zwingt ihn die wachsende Konkurrenz dazu, eigene Fahrer für die Lieferung anzustellen. Das mache aus dem Plattformbusiness ein "sehr schlechtes Geschäftsmodell", womöglich bald "unmöglich profitabel zu betreiben", klagte Groen meinem Kollegen Jonas Rest sein Leid. Asset light war gestern - egal ob Uber, Airbnb oder Alibaba, die Plattformen ändern ihr Geschäftsmodell. Wieso der Kampf um die digitale Vormacht plötzlich auf der Straße und mit Beton ausgetragen wird, erfahren Sie ab Seite 84.

Wer dieser Tage durchs kanadische Toronto schlendert, kann den Duft des Geldes schon riechen. Der süßliche Geruch von Cannabis weht durch Szeneviertel, wenige Monate vor der Legalisierung der Droge übt sich die Polizei in Toleranz. Bruce Linton freut es. Der frühere Techunternehmer ist dank des globalen Hypes um Cannabis als Lifestyledroge und Heilmittel ganz legal zum größten Drogenbaron der Welt aufgestiegen; sein Unternehmen Canopy Growth ist an der Börse vier Milliarden Euro wert. Mein Kollege Martin Mehringer hat Linton auf seinem Firmengelände in Kanada besucht, wo früher ein anderes Genussmittel hergestellt wurde: Schokolade von Hershey. Ab Seite 60.

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