Samstag, 22. September 2018

Editorial Kontrollverlust der Autobosse

Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

"Bei der Batteriezelle haben wir als deutsche Autoindustrie geschlafen, viel zu lange. Und jetzt? Hängen wir zehn Jahre zurück." Der BMW-Vorstand, der das zugibt, hat meinen Kollegen Michael Freitag gebeten, seinen Namen nicht zu nennen. Aber er spricht aus, was viele nicht zugeben mögen: Die deutsche Autoindustrie, stolz auf ihre milliardenschwere Elektrooffensive, hat die Kontrolle über die Schlüsselkomponente der neuen Antriebe verloren: die Batterietechnologie. Für BMW, Daimler und Co. galten Akkus bis zuletzt als Commodity, so wie Stahl, den man einkauft, wie es einem gerade passt. Doch anders als beim Stahl wird es künftig nur drei Anbieter geben, alles Asiaten, die den Markt für Batteriezellen dominieren. Sie werden den Deutschen auf Jahre hinaus die Preise diktieren. Wie das die schönen Elektropläne der hiesigen Kernindustrie gefährdet, lesen Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 28.

Alexander Dibelius stach schon immer heraus aus seiner Peergroup. Seine Ideen, Methoden und Deals waren immer spektakulärer als die der anderen. Seit der Heirat mit der Schauspielerin Laila Maria Witt macht der Ex-Goldman-Sachs-Banker und heutige Deutschland-Chef des Finanzinvestors CVC auch aus seinem Privatleben ein kleines Spektakel, inszeniert auf Instagram. In der auf Zurückhaltung bedachten Investorenszene sorgt diese Exaltiertheit für ordentlich Vibrationen. Als ihn dann auch noch meine Kollegen Sven Clausen und Angela Maier um ein Gespräch baten, war Dibelius zunächst mittelschwer genervt. Die drei trafen sich im "Hotel de Rome" in Berlin, wo Dibelius, der um die Ecke wohnt, regelmäßig im Gym trainiert. Warum er sich dabei filmen lässt, wie er (mit freiem Oberkörper) seine Laila Maria als Lebendgewicht stemmt, und ob er damit Schwächen seiner Performance als Investor überdecken will, lesen Sie in unserem Porträt "Der Extremist" ab Seite 36.

Zwei von drei Börsenneulingen haben im Jahr vor dem Handelsstart kein Geld verdient, der hohe Cashburn droht selbst bei Nasdaq-100-Mitgliedern demnächst die Barreserven aufzuzehren: Das ist kein Rückblick auf den Dotcom-Wahn der Jahrtausendwende, sondern hochaktuell. Der Börsen-Voodoo ist zurück, die Parallelen, die zum Crash führten, sind frappierend. Manche Börsenkandidaten machen nicht einmal Umsatz: Als mein Kollege Mark Böschen den IT-Entwickler Kian Schreiber in Berlin traf, kam der 30-Jährige gerade aus Indien zurück, wo er Investoren für seine Kryptowährung Hicky aufgetan hatte. Die soll zum Nutzen einer neuen Dating-App berechtigen, die es noch nicht gibt. Wie Gier wieder mal Hirn frisst: ab Seite 96.

Arbeiten kann so erfüllend sein. Und zwar ausgerechnet für jene, die eigentlich längst ausgesorgt haben: Gründer, die ausgecasht haben, Unternehmer, die auf gigantischen Vermögen sitzen, Topmanager, die stets bombig verdient haben. Statt in den ewigen Urlaub zu gehen, stecken sie ihr Geld in die nächste Gründung, den nächsten Firmendeal. Meine Kollegin Sonja Banze hat zum Beispiel Niki Lauda begleitet, als er sich seine an Air Berlin verkaufte Fluglinie aus der Konkursmasse zurückerkämpfte. In ihrem Report ergründet sie, warum Hochleister wie er einfach nicht aufhören wollen zu arbeiten: ab Seite 112.

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