Freitag, 25. Mai 2018

Editorial Headhunters Liebling - das neue Eliten-Leitbild

Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

Eliten verändern sich. Der narzisstische Herrscher-CEO, der wie ein König Hof hielt mit Fahrer, Doppelsekretariat und gespreizten Stäben, stirbt aus. Heute geht es unprätentiöser zu in Corporate Germany. Die Leader fahren selbst (Bayers Werner Baumann), schwitzen morgens kollektiv im Fitnessstudio (Adidas' Kasper Rorsted) und beschränken das Erteilen von Anweisungen "auf Ausnahmefälle" (Contis Elmar Degenhart). Wer heute zu den Lieblingen der Headhunter gehören will, verzichtet auf Statussymbole und verrichtet sein Tagewerk kooperativ und zupackend. Fast wie in der Gründerszene. Ein Typ wie die Wagniskapitalgröße Tom Stafford (Zalando, Auto1) braucht seine Assistenz nur noch als Dresscode-Alarm - damit er bei einem Galadinner nicht in Jeans auftaucht. Das neue Elitenleitbild entschlüsselt mein Kollege Dietmar Student ab Seite 26.

Was Politiker so alles tun, um sich an der Macht zu halten, haben die Großkoalitionäre gerade wieder eindrucksvoll bewiesen. Was Politiker anrichten, wenn sie in Unternehmen reinregieren, lässt sich bei der Bahn besichtigen. Dort fingern die Volksvertreter neuerdings wieder ungeniert überall mit. Das "Unternehmen Zukunft" (Werbeslogan), das vor Jahren noch an die Börse wollte, ist drauf und dran, als Behörde mit Gleisanschluss zu enden. Während sie in Paris und anderswo in die digitale Welt aufbrechen, zeigen die Berliner Staatskapitalisten, wie rückwärtsgewandt sie wirklich ticken. Den Schaden teilen sich der Kunde und der Steuerzahler. Michael Machatschke zieht in unserer Titelgeschichte eine vernichtende Bilanz, ab Seite 42.

Siemens-Vorstand Michael Sen ist so eine Art Joe Kaeser in jung und des Meisters "Mastermind" hinter den Börsenplänen der Medizintechniktochter Healthineers. Für den voraussichtlich größten deutschen Börsengang seit über einem Jahrzehnt brach Sen seine Arbeit als Eon-Finanzvorstand vorzeitig ab und kehrte zurück zu Siemens. Warum der blitzgescheite und megaehrgeizige Sen nun sogar Chancen hat, sein großes Vorbild an der Konzernspitze zu beerben, erklärt meine Kollegin Angela Maier ab Seite 34.

Die Swarovskis sind Österreichs Glamour-Sippe Nummer eins. Und wie so oft hat das viele Geld auch bei den Swarovskis Zwietracht gesät. Die Missgunst ist in dem Clan mittlerweile so groß, dass sie den lange hochprofitablen Schmuck- und Nippeshersteller gefährlich lähmt. Die Gewinnmargen brechen weg, wichtige Entscheidungen werden blockiert, jeder der Stämme optimiert sich vor allem selbst, nach dem Motto: Wenn mein Sohn aufsteigen darf, kriegt auch deiner einen schönen Posten. Wie fahrlässig Europas Kristalldynastie ihre Zukunft aufs Spiel setzt, schildert Ursula Schwarzer ab Seite 64.

Unternehmertum bedeutet Risiko, doch selten endet der Traum von der Selbstständigkeit in der Gosse, so wie bei Peter Maegdefrau. Als der Deutsche im Jahr 2002 den Modelleisenbahnbauer Roco kaufte, hatte er noch große Pläne mit der Firma. Drei Jahre später verlor er alles: sein Vermögen, sein Haus, seine Frau. Er fühlt sich betrogen: vom österreichischen Bankenriesen Raiffeisen und der Justiz. Seit nunmehr zwölf Jahren zieht Maegdefrau gegen seine Peiniger zu Felde. Den Schicksalskampf beschreibt Martin Mehringer, ab Seite 108.

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