Freitag, 18. August 2017

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Kolumne "Chefsache" You are not fired

mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (rechts) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (Mitte)
manager magazin
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (rechts) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (Mitte)

Werte Leserinnen und Leser,

ich beneide den US-Präsidenten wirklich nicht, freue mich aber in der Regel, wenn ich zufriedene Menschen sehe. Donald Trump wirkt gerade ziemlich zufrieden. Ich vermute, das liegt daran, dass er derzeit einfach mal so "Feuer und Wut" und "geladen und entsichert" zu Gehör bringen kann .

Ich hatte in den vergangenen Tagen längere Korrespondenzen mit unseren Justitiaren, wo mir mal wieder klar wurde, wie viel schwerer es geworden ist, als Journalist glasklar zu schreiben, was ist. Ich möchte mich darüber im Grunde nicht beschweren, das ist alles rechtstaatlich abgesichert. Nur, dass Sie mal davon gehört haben.

Es ging um Top-Manager mit Personalverantwortung, die gefeuert wurden - einer davon, nachdem Kolleginnen ihm sexistisches Verhalten vorgeworfen hatten. Wir wollten den Top-Manager gar nicht beim Namen nennen, sondern ihn weitgehend anonymisieren, um seine Persönlichkeitsrechte zu schützen. Uns ging es eher um einen anderen Aspekt des Falles: Warum und wie der Mann - außerhalb des alten Arbeitgebers - weiter protegiert wird.

Nun ist es allerdings so, dass heutzutage formal kaum noch jemand gefeuert wird. Mündlich wird er gefeuert, schriftlich regelt man das dann einvernehmlich - unter anderem damit Medien später nicht so ohne Weiteres schreiben können, der Mann oder die Frau seien gefeuert worden.

Um das sicherzustellen, hat sich seit einigen Jahren eine neue, kleine Branche etabliert: die Medienanwälte. Die melden sich dann immer, wenn man mit den Betroffenen über ihren Fall sprechen möchte. Mit den guten Vertretern der Medienanwälte kann man zur Sache reden, die schlechten Vertreter der Zunft schicken nur Schriftsätze voller Drohungen - vom Tonfall dem Schlagabtausch zwischen Pjöngjang und Washington nicht ganz unähnlich.

Das dient in keiner Form der Aufklärung, volkswirtschaftlich also eigentlich die pure Verschwendung. Denn natürlich schreiben wir weiterhin, wenn jemand gefeuert wird.

Nur müssen wir dazu eben mehr Worte verbrauchen.

Machen Sie etwas aus Ihrem Wochenende,

Ihr

Sven Clausen

P.S. Die volkswirtschaftliche Verschwendung lässt sich begrenzen, wenn wir gerichtsfeste Dokumente als Belege haben. Die zu besorgen, ist natürlich in erster Linie unsere Aufgabe. Aber falls Sie mal welche haben: Schicken Sie mir die gern jederzeit unter sven.oliver.clausen@manager-magazin.de .

Sven Clausen


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitag Nachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen, Steffen Klusmann und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.

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