Mittwoch, 27. Juli 2016

Kolumne "Chefsache" Reet statt Jetski, aber bis zum Exzess

mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (rechts)
Olaf Ballnus für mm
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (rechts)

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn sich der Markenwert von Sylt ermitteln ließe, läge er vermutlich weit vor vielen anderen Luxuslabels. Denn die Nordseeinsel ist längst mehr als ein Urlaubsziel, sie ist ein Versprechen: ursprüngliche Natur, Abgeschiedenheit, allerfeinste Gesellschaft. Reet statt Jetski. Doch dieser Markenkern wird für Sylt zur Bürde, weil er bis zum Exzess durchkommerzialisiert wird. Das Besondere wird zum Abziehbildchen (für die Heckklappe), die Exklusivität zum überteuerten Getto (auch ohne Oligarchen), in dem Neid und Missgunst gedeihen. Der Reichtum droht sich selbst zu fressen. Wie es im Sommercamp deutscher Milliardäre und Millionäre zugeht, wer sich die Kampener Immobilienpreise überhaupt noch leisten kann und was Reiche von Bonzen unterscheidet, haben meine Kollegen Gisela Maria Freisinger und Klaus Werle ausgebuddelt. Unsere Titelgeschichte "Der Sand und der Kies" lesen Sie ab Seite 98.

Die Attacke von Bayer auf Monsanto ist der größte, vielleicht sogar gefährlichste Deal, den die Deutschland AG je angezettelt hat. Neun Wochen nach der Verkündung, den umstrittenen Agrarkonzern aus St. Louis kaufen zu wollen, ist daraus ein Nervenkrieg geworden: Da werden Preise getrieben, Fouls gespielt und Giftpillen geschluckt. Ausgerechnet für Bayer-CEO Werner Baumann, den Feldherrn in dieser Schlacht, ist Monsanto aber vor allem eins: Business as usual. Der Mann hat Bayers Dealmaschine entworfen, jetzt will er sie auch nutzen. Meine Kollegen Dietmar Palan und Thomas Werres sind tief eingestiegen in die Mechanik des Mergers. Den Inside-Report finden Sie ab Seite 32.

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist seit bald drei Jahrzehnten auf dem Rückzug, und doch blieb er immer der starke Mann beim weltgrößten Möbelhaus. Seine Söhne galten als "Schattengewächse". Nun aber haben die drei ihren 90-jährigen Vater kaltgestellt. Die Entmachtung geht einher mit einem Radikalumbau, mit dem die Brüdertroika das Fundament, auf dem die erfolgsverwöhnte Kette bislang stand, mehr oder weniger einreißt. Eine riskante Operation. Wie gut ist Ikea noch ohne Ingvar, den legendären Patriarchen? Dieser Frage geht meine Kollegin Ursula Schwarzer nach: "Der ver-rückte Konzern" ab Seite 26.

Eins muss man den Oetkers lassen, sie haben Manieren. Wann immer meine Kollegen Michael Machatschke und Martin Mehringer bei einem Familienmitglied anriefen, wurde das Gespräch in aller Höflichkeit, aber sehr schnell wieder beendet. Man spricht nicht mit Fremden, man redet ja nicht mal mehr miteinander. Die Oetker-Erben treiben bei ihrem Streit um die Macht auf eine neue Eskalationsstufe zu. Rudolf-August Oetkers Kinder aus dritter Ehe fühlen sich von den Erstgeborenen erneut betrogen. Anders als noch vor zweieinhalb Jahren, als mm den "Puddingkrieg bei Oetkers" (siehe Ausgabe 2/2014) enthüllte, steckt das Traditionsunternehmen diesmal in einer schweren Krise: Die Schifffahrtssparte Hamburg Süd treibt dem Untergang entgegen. Kenner der Verhältnisse glauben, dass nur noch ein Verkauf der Reederei und eine anschließende Gütertrennung den Konzern befrieden können. Wie die unversöhnliche Sippe ihr Erbe aufs Spiel setzt, lesen Sie ab Seite 50.

Herzlichst Ihr

Steffen Klusmann


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitag Nachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen, Steffen Klusmann und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.

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