Sonntag, 25. September 2016

Kolumne "Chefsache" Auslaufmodell Charismatiker

mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (rechts)
Olaf Ballnus für mm
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (rechts)

Liebe Leserinnen und Leser,

Etwa alle zwei Jahre werden Deutschlands Unternehmensberater nervös wie Dressurpferde bei wehenden Fahnen. "Ist es schon wieder so weit?", lautet dann die bange Frage an meinen Kollegen Dietmar Student, der die große Consultantstudie des Bonner Wirtschaftsprofessors Dietmar Fink exklusiv für mm aufbereitet. Die Untersuchung ist diesmal so umfang- und detailreich wie nie: 1044 Führungskräfte aus Großunternehmen wurden befragt, mehr als 1,3 Millionen Einzeldaten erhoben. Fink ging nicht nur der Frage nach, wie viel Einfluss die Beratergilde in den Topetagen noch hat, er wollte auch wissen, wer echten Mehrwert schafft und welche Fähigkeiten dafür maßgebend sind. Eine wichtige Erkenntnis: Nicht allein das Fachwissen zählt, auch Ausstrahlung macht den Unterschied. Die Charismatiker, resümiert Fink, seien "fast alle verschwunden". Ein paar Könige gibt es trotzdem noch. Wie sie sich von den knechten des Consultings abheben, lesen Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 30.

Willy Bogner ist einer der wenigen deutschen Modeunternehmer, die es geschafft haben, sich international im Premiumsegment zu etablieren und dabei ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Er hat preisgekrönte Filme gedreht und ist für einen James-Bond-Streifen mit der Kamera in der Hand durch einen Eiskanal gerast. Nun ist dieser Mann, der so Großes geleistet hat, zur tragischen Figur geworden. Weil er nicht abgeben konnte, hat er die Marke Bogner in eine existenzielle Krise manövriert. Ein 41-jähriger Nachwuchsmanager soll nun retten, was zu retten ist. Ob das klappt? Drei Stunden lang saß meine Kollegin Eva Müller mit Bogner und seinem neuen CEO Alexander Wirth zusammen, geredet hat vor allem Bogner. Wirth durfte den Altmeister anhimmeln. Neuanfang sieht anders aus. "Auf Schussfahrt" lesen Sie ab Seite 68.

Die Harvard-Professorin und Credit-Suisse-Verwaltungsrätin Iris Bohnet hat eine klare Meinung darüber, was die Personalsuche großer Konzerne für gewöhnlich taugt: gar nichts. Ihre These: Unbewusste Vorurteile, "unconscious biases", verzerren beim Recruiting die Wahrnehmung, so dass am Ende nicht der oder die Beste den Job bekommt, sondern der Norm- und Klischee-Kandidat. Guter Wille, Achtsamkeitstrainings, Mentorenprogramme für Frauen - alles Mumpitz, verschwendetes Geld, so die Verhaltensökonomin. Denn 80 bis 90 Prozent unserer Entscheidungen treffen wir unbewusst. Um diese Stereotype zu überwinden, müssen die Spielregeln komplett neu geschrieben werden, fordert Bohnet - und sie weiß auch schon wie. Meine Kollegin Eva Buchhorn hat die neue Ikone der Genderbewegung getroffen - und war überrascht, wie ernst diese inzwischen selbst vom konservativen Establishment genommen wird: ab Seite 94.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ihr

Steffen Klusmann


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitag Nachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen, Steffen Klusmann und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.

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