Sonntag, 26. Juni 2016

Kolumne "Chefsache" Warum Apples Projekt "Titan" für die deutschen Autobauer zum Todeskuss werden kann

mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (rechts)
Olaf Ballnus für mm
mm-Chefredakteur Steffen Klusmann (Mitte) mit den Stellvertretern Martin Noé (links) und Sven Clausen (rechts)

Werte Leserinnen und Leser,

kein anderes Konzernprojekt kann für die deutsche Industrie so gefährlich werden wie das iCar von Apple. Unter dem Codenamen "Titan" treibt Konzernchef Tim Cook den Angriff auf BMW und Co. voran. Er unterliegt höchster Geheimhaltung, selbst potenzielle Partner erfahren nur das Nötigste, werden mit Knebelverträgen zu Stillschweigen verdonnert. Fast alle wichtigen deutschen Hersteller und Zulieferer haben bereits eine Zusammenarbeit mit Apple ausgelotet. Zwar fürchten sie, von den Amerikanern ausgesaugt zu werden, am Ende aber will jeder mit Apple ins Geschäft kommen. Mein Kollege Michael Freitag hat sich auf die Spuren des Phantoms begeben, mit möglichen Partnern, Zulieferern und Mitarbeitern gesprochen. Keiner lässt sich mit Klarnamen zitieren, denn keiner kann es sich erlauben, von Tim Cook abgestraft zu werden. Wie Apple die Autowelt ins Wanken bringen will, lesen Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 28.

Seit Joe Kaeser vor drei Jahren zum Siemens-Chef aufstieg, hat mm ihn eng und kritisch begleitet. Weil er den Konzern binnen kürzester Zeit auf sich zugeschnitten hat wie einen Maßanzug, widmeten wir ihm Ende 2014 die Titelzeile "König Joe I.". Sie wurde zum Inbegriff von Kaesers Führungsstil, was ihn bis heute ärgert. Lange blieb er den Beweis schuldig, dass seine ständigen Umbauten Siemens auch nach vorn bringen. Der Umsatz stagnierte, das Ergebnis: bestenfalls durchwachsen. Nun zeichnet sich tatsächlich die versprochene Wende ab, trotz Branchenflaute wächst Siemens erstmals wieder aus eigener Kraft, mit satten Margen. Das Wunder von München hat Angela Maier erforscht - ab Seite 36.

Was die Saudis mit ihrem neuen Staatsfonds vorhaben, das praktiziert Katar seit Jahren. Mit den Milliarden aus dem Öl- und Gasgeschäft haben sich die Scheichs eingekauft ins glitzernde Big Business der westlichen Welt (Volkswagen, Deutsche Bank), wollten zeigen, dass sie mehr können als nur nach Öl zu bohren. In der Finanzkrise wurden sie zu Rettern aus dem Morgenland, galten bereits als der perfekte Investor. Doch die Euphorie ist verflogen, der junge Emir tut sich schwer als Erneuerer und Profianleger. Warum Oil-Money nicht automatisch Smart Money ist, schildern Tim Bartz und Sven Clausen in ihrem Report "Sheik it" ab Seite 84.

Harro Uwe Cloppenburg - HUC, wie ihn seine Untergebenen ehrfürchtig nennen - ist schon zu Lebzeiten eine Legende. Gleichermaßen Alleinherrscher wie Visionär, führte er die Bekleidungskette Peek & Cloppenburg West zu märchenhaftem Erfolg. Doch mit dem Entschluss, dem jüngsten seiner drei Söhne den Thron anzuvertrauen, hat das Reich des alten Modekönigs stark an Glanz verloren. Prinz Patrick vergrault den Hofstaat, und mein Kollege Sören Jensen fühlte sich bei der Recherche immer mal wieder an ein Märchen erinnert, ab Seite 80.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Steffen Klusmann


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitag Nachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen, Steffen Klusmann und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.

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