Montag, 23. Oktober 2017

Editorial zum Reichstenheft des manager magazin Wie die SAP-Clique die neue Deutschland AG prägt

Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin
David Maupilé
Steffen Klusmann, Chefredakteur des manager magazin

Die 500 reichsten Deutschen
manager magazin Spezial - Das Reichstenheft
Oktober 2016


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Satte Firmengewinne, gestiegene Unternehmenswerte und der anhaltende Immobilienboom haben Deutschlands Reichste auch in diesem Jahr wieder reicher gemacht. Das Vermögen der in der mm-Liste geführten Top 500 hat sich um 5,9 Prozent vermehrt: auf 692,25 Milliarden Euro. Ein geringerer Zuwachs als in den Vorjahren (2015 plus 7, 2014 plus 16 Prozent), aber immer noch deutlich über dem herrschenden Zinsniveau. Vor allem der Reimann-Sippe gelang es durch eine aggressive M&A-Strategie, ihre Besitztümer in eine neue Dimension zu katapultieren. Die verschwiegene Familie (Reckitt Benckiser, Coty) zahlte für den Kaffeekonzern Keurig Green Mountain 12,8 Milliarden Euro, eine Prämie von 78 Prozent auf den Aktienkurs. Auch wegen dieses Deals schoben sich die Reimanns auf Platz 2, knapp hinter die Quandts.

Die vollständige Liste, die mein Kollege Christoph Neßhöver gemeinsam mit unserem Researcher Andreas Bornefeld auf den aktuellen Stand gebracht hat, finden Sie ab Seite 22.

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Während die Großvermögen zulegen, nagt an den Spareinlagen der Normalbürger der Negativzins. Was der Gerechtigkeitsdebatte im aufziehenden Bundestagswahlkampf neuen Schub verleiht. SPD-Linke und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat bereits "eine Oligarchie der Reichen" ausgemacht. Über Jahre sei "ein sozialer Sprengstoff entstanden, der den Zusammenhalt in unserem Land ernsthaft gefährdet". Das sehen (konservative) Kirchenvertreter ähnlich. Im Interview warnt der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in deutlichen Worten vor einem selbstbezogenen Reichtum, der sich dem Dienst an der Gesellschaft entzieht. Dass viele Reiche Teile ihres Vermögens in Stiftungen einbringen (was wir erstmals ausweisen), wird ihnen die Debatte nicht ersparen. Das Gespräch mit dem Geistlichen lesen Sie ab Seite 82.

Die Walldorfer SAP ist eine der ganz wenigen "jungen" Firmen in Deutschland, die ihre Gründer binnen einer Generation so reich gemacht hat, dass sie auf den vorderen Plätzen der mm-Reichstenliste auftauchen. Doch SAP ist mehr als nur die wertvollste Neugründung der letzten Jahrzehnte. Die Clique um Übervater und Aufsichtsratschef Hasso Plattner mischt in der Deutschland AG heute an zentraler Stelle mit. Waren es früher noch die Banker und Ruhrgebietsgrößen, die die Wirtschaft dominierten, so regiert heute die Softwaregarde. Allen voran der ewige Drängler und Mahner Plattner selbst, der mit seinem gleichnamigen Institut in Potsdam die erste digitale Speerspitze in die Republik gerammt hat. Wer noch zu diesem einflussreichen Kreis gehört und wie es ihm gelungen ist, Corporate Germany ein neues Betriebssystem aufzuspielen,

schildern meine Kollegen Eva Müller und Martin Noé in unserer Titelgeschichte "Die Digital AG" ab Seite 44.

Händlerkönige gibt es hierzulande so einige: die Albrechts (Aldi), die Ottos, die Deichmanns, die Roßmanns, Dieter Schwarz (Lidl) oder Götz Werner (dm). Nur einer blieb bisher weitgehend unentdeckt: der kürzlich verstorbene Baumarktkönig Heinz Georg Baus. Rund um die Bauhaus-Kette hat er ein verschachteltes Firmenreich geschaffen, das ihn steinreich gemacht hat, auch weil dessen Ausläufer zumeist in irgendwelchen Steuerparadiesen enden. Dass der Tod des Patriarchen nun das ganze Konstrukt erschüttern könnte, hat mein Kollege Martin Mehringer herausgefunden, ab Seite 52.

Die 500 reichsten Deutschen
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