Montag, 19. November 2018

Zozosuit Dieser Anzug soll den Maßschneider ersetzen

Der Zozosuit des japanischen Unternehmens Start Today soll für perfekt passende Kleidung sorgen.

Menschen müssen Kleidungsstücke immer so kaufen, dass sie an der dicksten Körperstelle passen. Kleines Bäuchlein und schlanke Beine? Die Chancen stehen gut, dass die Jeans an den Oberschenkeln schlabbert. Oder aber am Bauch zwickt.

Kritik an den veralteten Größen der Modeindustrie gibt es zuhauf, massentaugliche Alternativen wurden allerdings noch nicht entwickelt. Standardisierte Kleidergrößen bleiben das Maß für ganz unterschiedliche Körper - aber ein Unternehmen aus Japan will das jetzt ändern.

Der Online-Modeshop Zozotown des Unternehmens Start Today hat einen weiß gepunkteten Anzug entwickelt, der im Heimatland bereits einen Social-Media-Hype ausgelöst hat. Auf Tausenden Bildern bei Instagram und Co. zeigen sich die Kunden mit dem sogenannten Zozosuit. Laut Unternehmen gab es bereits eine Million Bestellungen. Dabei ist der Kunstfaseranzug nur ein Nebenprodukt. Der Nutzer muss ihn anziehen, um sich damit millimetergenau abmessen zu lassen. Die Zozo-App gibt die nötigen Anweisungen, per Handykamera wird ein 3D-Abbild des Körpers erstellt. Das soll die persönlichen Maße genau wiedergeben.

Auswahl aus mehr als zehntausend Schnittmustern

Mit diesen Informationen wird dann aus mehr als zehntausend Schnittmustern das am besten passende herausgesucht; wer in keins der vorgefertigten Muster passt, bekommt die bestellte Kleidung tatsächlich sogar maßgeschneidert. In Japan läuft das Ganze seit ein paar Monaten, jetzt bringt Start Today sein Angebot in 72 weitere Länder - auch nach Deutschland.

Die große Expansion ist seit dem Start des Unternehmens 1998 der Traum des Gründers, Geschäftsführers und Milliardärs Yusaku Maezawa. In Japan ist Start Today bereits bekannt und schreibt solide Geschäftszahlen. Zuletzt lagen der Jahresumsatz umgerechnet bei 750 Millionen und das Ergebnis nach Steuern bei 154 Millionen Euro. Vom globalen Player ist das aber noch weit entfernt.

Der Schritt birgt nun viele Risiken. Ist die Technologie des Zozosuits wirklich weit genug entwickelt? Ist der Kundenservice vorbereitet und kann die Produktion mithalten?

Vorstandsmitglied und Entwickler des Anzugs Masahiro Ito ist zuversichtlich: "In Japan verkauft sich die Kleidung sehr gut und wir bekommen überwältigend positives Feedback." Allerdings muss er einräumen, dass das Unternehmen derzeit mit längeren Lieferzeiten zu kämpfen hat. "Es ist eine junge Technologie und wir stehen noch am Anfang." Wie die Expansion damit gelingen werde, wisse man erst in einigen Wochen.

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