Samstag, 15. Dezember 2018

Modeversender mit mieser Bilanz Zalando-Chef gesteht Managementfehler ein

Zalando-Vorstand Rubin Ritter

Der lange Sommer ist schuld. Das war zuletzt von allerlei Onlineshops zu hören, die sich und ihre schlechten Geschäftszahlen herausreden wollten. Während die ungewöhnlichen Saisoneffekte in diesem Jahr sicherlich eine Auswirkung hatten, war das Ausmaß bei manchen Anbietern verwunderlich. So auch bei Zalando.

Erst im September schickte der Online-Modehändler aus Berlin eine Gewinnwarnung heraus und senkte die Prognose für 2018. Die Hitzewelle mache Zalando zu schaffen, hieß es. Doch jetzt wird deutlich, dass sie nicht das einzige Problem des Unternehmens gewesen ist.

Vorstand Rubin Ritter gestand Managementfehler ein, als Zalando am Dienstagmorgen ein wenig überzeugendes Ergebnis für das dritte Quartal vorlegte. Der Umsatz wuchs vergleichsweise langsam um 11,7 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 41,7 Millionen Euro. "Wir haben nicht erreicht, was wir versprochen haben", sagte Ritter in einem Telefonat mit Journalisten. Die Zalando-Aktie Börsen-Chart zeigen verlor zwischenzeitlich an der Börse mehr als 9 Prozent.

Den Fehler sieht Ritter im Umgang mit den Retouren. Bekommt Zalando leicht beschädigte Rücksendungen, werden sie im Lager aufbereitet und weiterverkauft. Aussortiert wird, was die Standards nicht mehr erfüllt. Diese Kleidung wird in den Outlets vertrieben und bringt nur geringe Margen ein. Nun wurde bei Zalando in den letzten Monaten zu viel gute Kleidung aussortiert. "Das kann nicht in unserem finanziellen Interesse sein", sagte Ritter. Als Lösung habe man die Richtlinien geändert, nach denen Kleidung wieder verkaufsfähig gemacht werde. Warum das Problem überhaupt erst entstehen konnte, beantwortet das Unternehmen auf Nachfrage nicht.

Mindestbestellwert in Italien

Schwierig ist für den Händler außerdem, dass Kunden immer weniger Geld ausgeben. Ritter beobachtet eine Bewegung hin zu "Fast Fashion". Kunden kaufen lieber billige und minderwertige Kleidung, als hohe Preise für Markenartikel zu zahlen. Diesen Trend und steigende Einkäufe über mobile Geräte (60 Prozent) sieht Ritter als Grund dafür, dass die durchschnittliche Bestellsumme sinkt. Sie lag im dritten Quartal bei 57,50 Euro.

Die Abwärtsbewegung bei den Warenkörben zeichnet sich bereits seit dem Börsengang des Unternehmens im Oktober 2014 ab. Im dritten Quartal 2014 lag der Wert noch bei 64,40 Euro. Auch aufs Jahr gerechnet nehmen die Einkäufe seither ab.

Jetzt zieht Zalando daraus Konsequenzen: In Italien führt der Händler einen Mindestbestellwert ein. Erst ab einem Einkauf von 25 Euro wird der Versand kostenlos sein. "Wir müssen Wege finden, auch niedrigere Bestellungen profitabel zu machen", sagt Ritter. Ob der Schritt in anderen Märkten denkbar sei, ließ er offen. Erst wolle man sehen, wie die Kunden reagierten.


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Als positive Entwicklung betonte Ritter, dass Zalando immer mehr Kunden gewinnen könne und diese auch häufiger bestellten - im Schnitt 4,3 Mal im dritten Quartal. Im Vorjahreszeitraum orderten sie noch 3,8 Mal. Zudem sei das Partnerprogramm um 60 Prozent gewachsen. Zalando versucht, mehr und mehr Händler zu gewinnen, die ihre Ware über die Plattform des Unternehmens verkaufen. So soll unter anderem das Angebot wachsen.

Ritter erklärte, 2019 Wachstum wieder über Profitabilität stellen zu wollen. Er sehe nach wie vor große Chancen, sich zu vergrößern, da immer mehr Offline-Einkäufer online gingen. An dem Ziel, das Bruttowarenvolumen von Zalando bis 2020 auf zehn Milliarden Euro zu verdoppelt, hielt er fest.

Die Investitionen fährt Zalando allerdings vorerst zurück. Ursprünglich wollte das Unternehmen in diesem Jahr 350 Millionen Euro in die Logistik und Technologie stecken, nun werden es etwa 300 Millionen Euro sein. Ein weiterer Schritt, um zumindest die gesenkten Ziele für dieses Jahr zu erreichen: Der Umsatz soll um rund 20 Prozent wachsen, das bereinigte Ebit bei 150 bis 190 Millionen Euro liegen.

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