Dienstag, 20. November 2018

Innovationen aus dem Silicon Valley Wie Apple, Alphabet und Co. den Gesundheitsmarkt erobern wollen

EKG-Messung auf Tablet-PC

Sie wollen den Krebs finden - früher, als es derzeit jeder Arzt kann. Dafür arbeiten Forscher des US-Start-ups Grail seit 2016 an neuen Bluttests. Eine erste klinische Studie zeigt Ergebnisse, die Hoffnung machen. Und auch die beiden reichsten Menschen der Welt sehen Potenzial: Microsoft-Gründer Bill Gates und Amazon-Chef Jeff Bezos haben in Grail investiert, das bereits 1,6 Milliarden Dollar Kapital bekommen hat.

Die großen US-amerikanischen Tech-Konzerne investieren immer häufiger in Unternehmen wie Grail und die Summen selbst werden stetig größer. Gleichzeitig ziehen die Unternehmen eigene Initiativen auf, um auf dem Gesundheitsmarkt relevanter zu werden. Allein in den USA wurden da vergangenes Jahr 3,5 Billionen US-Dollar umgesetzt - ein vielversprechendes Wachstumsfeld also für Apple, Amazon und Co.

Die Google-Mutter Alphabet beispielsweise will ihre Möglichkeiten nutzen, große Mengen Daten auszuwerten. Die eigene Forschungseinheit "Verily Life Sciences" arbeitet dafür mit der University of North Carolina und Harvard zusammen: Mit dem "Project Baseline" wollen sie herausfinden, was eine gute Gesundheit ausmacht. Dann soll mit den Informationen Tausender Teilnehmer erarbeitet werden, mit welchen präventiven Schritten Gesundheitskosten gespart werden können.

Vorbild Apple: Amazon plant eigene Kliniken

Gerade da setzen viele Überlegungen der Konzerne an, weil das US-amerikanische Gesundheitssystem sehr teuer ist. Die Ausgaben für Gesundheit lagen laut OECD zuletzt bei 9832 Dollar pro Kopf - in Deutschland betrugen sie etwa die Hälfte.

Große Unternehmen stellen in den USA ihren Mitarbeitern in der Regel die Krankenversicherung. Gute Konditionen zu bieten, hilft den Tech-Konzernen auch im Kampf um Talente. Da die Gesundheitskosten aber seit Jahren steigen, wachsen die Ausgaben mit. Um das zu ändern, hat sich der E-Commerce-Gigant Amazon mit Warren Buffets Berkshire Hathaway und der Investmentbank JPMorgan zusammengeschlossen. Die drei Konzerne beschäftigen etwa eine Million Menschen, Details zu ihrem Vorhaben verraten sie allerdings noch nicht.

Amazon plant auch, seine Mitarbeiter künftig selbst medizinisch zu versorgen. Wie das klappen kann, wird laut einem Bericht des TV-Senders CNBC gerade in einem Pilotprojekt getestet. Eine kleine Anzahl von Ärzten betreue demnach ausgewählte Mitarbeiter und bei Erfolg solle das Ganze Anfang 2019 ausgeweitet werden.

Apple hat diesen Weg bereits eingeschlagen. Unter dem Namen AC Wellness haben im kalifornischen Santa Clara zunächst zwei Kliniken eröffnet, die nur für Apple-Angestellte da sind. Nicht nur soll das die Gesundheitsausgaben des Konzerns senken, auch wolle Apple hier neue Health-Produkte und -Services testen, bevor sie der breiten Konsumentenmasse angeboten werden, berichten Insider gegenüber CNBC.

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