Dienstag, 26. März 2019

Innovationen aus dem Silicon Valley Wie Apple, Alphabet und Co. den Gesundheitsmarkt erobern wollen

EKG-Messung auf Tablet-PC

2. Teil: 54.000 Menschen nehmen an medizinischer Studie teil - dank App Store

Die Tech-Konzerne fokussieren sich bisher vor allem auf naheliegende Versuche: Alphabet auf Datenauswertung, die Facebook-Tochter Oculus Rift setzt ihre VR-Brille bei einem Test in einem Kinderkrankenhaus ein. Mithilfe der virtuellen Simulation sollen Studenten und Ärzte komplizierte Operationen üben. Amazon versendet bereits rezeptfreie Medikamente und überlegt nun, zur Apotheke zu werden. Apple wiederum erprobt Möglichkeiten seiner Apple Watch, einer smarten Uhr, die Bewegung, Schlafqualität und Herzfrequenz erfasst. Gemeinsam mit der Stanford-Universität testet der Konzern in einer Studie, ob die Uhr dafür geeignet ist, Herzrhythmusstörungen beim Träger zu entdecken.

Die Studie verbreitete das Unternehmen per Apple-Watch-App über seinen App-Store. So habe Stanford über 54.000 Teilnehmer rekrutieren und mehr Daten sammeln können als bei solchen Studien üblich, sagte Stanfords Medizindekan Lloyd Minor der "New York Times". "Uns hat das die Augen geöffnet."

Zwar entstehen neue Möglichkeiten, allerdings stellt sich auch die dringende Frage, warum Patienten gerade Tech-Konzernen ihre sensiblen Daten anvertrauen sollten. Datenskandale wie Facebooks Cambridge-Analytica-Desaster zeigen, dass bei den Tech-Giganten noch viel verbessert werden muss.

"Bewahrermentalität der Politik"

Während sich in den USA genug Bereitwillige finden, dürfte sich das in Deutschland schwieriger gestalten. "Deutschland hat eine andere Tradition, über Innovation zu reden", sagt Inga Bergen, Geschäftsführerin des Berliner Hautkrebs-Diagnose-Start-ups Magnosco. Auch sei in den USA wegen der hohen Gesundheitskosten der Druck größer, etwas zu verändern.

Mit Blick auf Google und Co. gebe es aktuell keine vergleichbaren Internet- oder Tech-Konzerne in Deutschland, die Innovation auf dem Markt vorantreiben könnten, sagt Stephanie Kaiser, Gründerin des Start-up-Brutkastens Heartbeat Labs und neuerdings Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung. "Klassische Infrastruktur-Konzerne wie SAP oder Medizin-Technik-Konzerne wie Siemens verhalten sich nicht viel anders als ihre US-amerikanischen Wettbewerber Oracle und GE". Mehr Dynamik sehe man aktuell bei Start-ups in der Branche, findet Kaiser.

Die jungen Unternehmen sehen Probleme im deutschen System. Der Trend ginge in Europa hin zu mehr Regulierung, sagt Inga Bergen. Das hemme Innovation. Und: "Ein Hindernis ist die Bewahrermentalität in der Politik und weiten Teilen des Gesundheitswesens."

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt sich indes innovationsfreundlich, lud zuletzt gar Start-ups ins Ministerium, die ihre Ideen präsentieren sollten. Er wolle kreative Wege für einen schnelleren Einsatz neuer Technologie und digitaler Entwicklungen im Gesundheitsmarkt finden, so Spahn zum "Handelsblatt". Aber: "Bevor wir etwas regulieren, müssen wir es verstehen."

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