Mittwoch, 18. Juli 2018

Uber kommt jetzt mit dem E-Bike Kampfzone Innenstadt - warum Techfirmen die Städte mit Fahrrädern fluten

Große Tech-Unternehmen kämpfen mit ihren Bike-Sharing-Angeboten um deutsche Kunden - und sorgen dort teilweise für Unmut

Der Fahrdienstvermittler Uber kommt künftig auch mit dem Fahrrad. Wie am Montag bekannt wurde, übernimmt der US-Konzern für einen nicht genannten Betrag den amerikanischen Bike-Sharing-Anbieter Jump. Dieser vermietet bislang 12.000 E-Bikes in 40 Städten der Welt und arbeitet mit einem sogenannten "Free-Float-Modell", also ohne feste Docking-Stationen. Ein Angebot, das Uber nun massiv weltweit ausbauen will.

Damit reiht sich Uber in die Reihe der großen Tech-Konzerne ein, die Fahrräder als neues Geschäftsfeld entdeckt haben - und die sich in Asien bereits einen Kampf um die Köpfe liefern. Eine Schlacht, die mittlerweile auch Deutschland erreicht hat.

Leihfahrrad-Friedhof in China (Luftaufnahme)

Dass trotz riesiger Leihfahrradfriedhöfe in China im Bike-Sharing-Geschäft noch jede Menge Phantasie steckt, beweist derzeit gerade wieder eine Milliardenübernahme. In dem geschätzt rund 3,4 Milliarden Dollar schweren Deal verleibte sich der von Tencent finanzierte asiatische Marktführer Meituan-Dianping in der vergangenen Woche den ebenfalls von Tencent finanzierten Konkurrenten Mobike ein.

Meituan-Dianping betreibt neben der Bike-Sharing-Platform diverse Shopping- und Buchungsangebote und greift mit einer Fahrdienstvermittlung seit kurzem auch das chinesische "Uber" Didi-Chuxing an.

Alibaba hingegen setzt auf Meituan-Dianpings größten Konkurrenten Ofo, das der Handelsriese erst kürzlich in einer Finanzierungsrunde mit Millionen päppelte - und das ebenfalls zeitnah in Deutschland expandieren will.

Das chinesische Uber Didi-Chuxing ist ebenfalls in Ofo investiert, startete im Januar allerdings eine Plattform, auf der Nutzer gleich eine Vielzahl an Anbietern buchen können - unter anderem Ofo und Didis eigenen Bikesharing-Dienst Didi Bikes. Eine Plattformstrategie, die auch der südostasiatische Fahrdienstvermittler Grab verfolgt.

Anders als viele der vor allem in China wie Pilze aus dem Boden geschossenen Anbieter, die mittlerweile wieder Pleite gegangen sind und mit der Wartung ihrer Fahrräder völlig überfordert waren, bringen die IT-Riesen Ressourcen mit.

Kampf der Systeme

Geld, das dringend nötig sein wird, um gegen die Konkurrenz zu bestehen. Denn angesichts der schieren Masse an Anbietern, die zuletzt auf den Markt gekommen sind, ist Bikesharing aktuell oft noch ein massives Verlustgeschäft.

So musste erst im November Bluegogo, ein Anbieter mit mehr als 20 Millionen registrierten Nutzern und einer 600.000 Stück zählenden Fahrradflotte Insolvenz anmelden. Und das bereits in Berlin präsente Mobike soll alleine vor der Übernahme in der vergangenen Woche 700 Millionen Dollar Schulden angehäuft haben.

Auch das 2014 gegründeteund mittlerweile mit drei Milliarden Dollar bewertete Ofo, dem Alibaba über seinen Finanzarm erst kürzlich eine millionenschwere Finanzspritze verpasste, soll in enormen Geldschwierigkeiten gewesen sein.

Doch die großen Tech-Konzerne sind offenbar bereit, noch weiteres Geld in die Sharing-Apps zu pumpen - um die Konkurenz auf dem Markt zu überleben. Ein Kampf der Ökosysteme, der mittlerweile auch Europa und Deutschland erreicht hat.

Dort ist seit Ende 2017 das Tencent-Investment Mobike am Start - und hat alleine in Berlin mehrere hundert Fahrräder aufgestellt. Konkurrent Ofo will demnächst folgen - und wie Mobike deutschlandweit expandieren. Wann Uber mit Jump folgt, ist noch offen.

Dass nach katastrophalen Erfahrungen wie in München, wo zuletzt der erst 2017 gegründete Bike-Sharing-Anbieter Obike mit seinen 7000 wild in der Stadt verteilten Fahrrädern für Ärger und Zerstörung sorgte, sich Städte um Regulierung bemühen werden, scheint absehbar. Verbieten können sie die Angebote aber nicht.

Das die Tech-Riesen ihre ambitionierten Pläne einstampfen werden, ist nicht zu erwarten. Ihnen geht es schließlich nicht um das Geschäft mit den Drahteseln per se, sondern um den Zugang zum Kunden und seinen Daten. Und da gibt es bei den fahrradbegeisterten Europäern einiges zu holen.

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