Samstag, 15. Dezember 2018

IBMs milliardenschwere Cloud-Wette Warum IBM 34 Milliarden für eine Open-Source-Firma zahlt

Ginni Rometty: Die Chefin von IBM sucht mit der Milliardenübernahme von Red Hat den Befreeiungsschlag

3. Teil: Was sich IBM vom "Schweiz-Modell" erhofft

Diese Kombination, die Kunden größtmögliche Flexibilität ermöglichen soll, gilt als einer der Trends der kommenden Jahre. Und nicht nur IBM, sondern auch Microsoft, Amazon und Google haben sich aufgestellt, die Ansprüche der Kunden mit ihren Hybrid-Wolken-Technologien zu erfüllen.

Mit dem Kauf von Red Hat will sich IBM hier nun einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz kaufen: Nämlich den, nach eigenen Angaben auf einen Schlag der größte Hybrid-Cloud-Anbieter der Welt zu werden. Und gleichzeitig der einzige mit einer Open-Cloud-Lösung im Portfolio.

Ein Schachzug, der es IBM ermöglichen könnte, sich als eine Art neutrale "Schweiz" im Cloudcomputing zu positionieren. Als ein Partner für Unternehmen, die in die Cloud wollen, sich aber nicht von einem Anbieter abhängig machen wollen.

Ein Markt, den Red Hat bis 2021 auf 73 Milliarden Dollar schätzt.

Gelingt die kulturelle Integration?

Allerdings könnte die kulturelle Integration nicht ganz einfach werden. So hat IBM Red Hat zwar laut dessen CEO Jim Whitehurst zugesichert, auch weiterhin als eigene Geschäftseinheit operieren zu können - nur mit mehr Wumms im Rücken. Doch die Firmenkulturen unterscheiden sich enorm.

Während IBM den Ruf eines bürokratielastigen Technologie-Dinos hat und zuletzt eher mit Kuriosa denn mit Erfolgen für Schlagzeilen sorgte, herrscht bei dem deutlich jüngeren und kleineren Open-Source-Laden Red Hat ein dynamischeres Klima, das die Beschäftigten auch bislang schätzten. Und eines der Meriokratie: So soll Red-Hat-Gründer Marc Ewing Linux-Erfinder Linus Torvalds beim IPO 1999 aus Dankbarkeit Aktienoptionen zugesprochen haben, die diesen zum Millionär machten.

Ob Romneys Wette tatsächlich aufgeht, bleibt abzuwarten. Aber sie bietet IBM schon einmal neue Perspektiven im Cloudgeschäft - und eine neue Marketingstory, die IBM aktuell gut gebrauchen kann.

Womöglich könnte 2018 für Rometty doch noch zu einem guten Jahr werden.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH