Sonntag, 18. November 2018

Waffen aus dem 3D-Drucker Per Mausklick Mord

Cody Wilson, Gründer von Defense Distributed, und die erste Waffe aus dem 3D-Drucker: Der "Liberator"

Waffen aus dem 3D-Drucker sind eine reelle Gefahr, nicht nur in den USA. Wer ein Verbrechen mit einer Plastikwaffe begeht, kann es leichter vertuschen.

Die Webseite Defcad ist eine Art iTunes für Waffen. Statt durch Songs scrollt sich der User durch eine illustre Auswahl an Schusswaffen. Ein paar Klicks später wird ihm ein Preis vorgeschlagen: 10 Dollar. Dann gilt es zu warten, bis der USB-Stick im Briefkasten liegt. Auf dem Datenträger ist ein Waffenplan, der verbunden mit einem 3D-Drucker zur tödlichen Realität werden kann: In wenigen Stunden hat sich der Kunde seine eigene Waffe ausgedruckt - komplett aus Plastik, abgesehen vom Schlagbolzen, der aus einem gewöhnlichen Nagel besteht, und der Munition.

Mal einfach im Büro eine Waffe ausdrucken - für den Amerikaner Cody Wilson ist diese Vorstellung ein "Ideal der Freiheit". Der Bürger sei unabhängig vom Staat, wenn er sich selbst eine Waffe ausdrucken könne - selbst dann, wenn die US-Verfassung irgendwann mal geändert werden würde. Waffen-Narr Wilson hat die Gruppe "Defense Distributed" gegründet und betreibt das wohl bekannteste Online-Portal für 3D-Drucker-Waffenpläne.

In Amerika umstritten, in Deutschland verboten - und im Netz zu finden

Deutsche können sich auf dem Portal jedoch keine USB-Sticks mit Waffenplänen bestellen. Das ist auch nicht in jedem amerikanischen Bundesland möglich. Wilson bewegt sich rechtlich auf dünnem Eis. Fünf Jahre lang hat sich Defense Distributed vor Gericht mit der US-Regierung gestritten, die unter Donald Trump zunächst entschieden hatte, die Gruppe gewähren zu lassen.

Ein US-Bundesgericht focht diese Entscheidung jedoch an und untersagte, die Waffenpläne zu veröffentlichen. Indem Defense Distributed sie nun verkauft, umgeht sie das Urteil.

Während es in Amerika erlaubt ist, sich für den Privatgebrauch eine Waffe zu basteln, brauchen Deutsche dafür eine so genannte Büchsenmacherlizenz. Doch 3D-Drucker gibt es schon für unter 300 Euro und auch, wenn Deutsche keine Möglichkeit haben, über Defcad einen USB-Stick zu kaufen: Auf dem Open Source-Dienst GitHub sind Kopien für alle möglichen 3D-Drucker-Waffen zu finden.

Die wohl berühmteste Plastikwaffe ist eine Pistole mit der zynischen Bezeichnung Liberator. Die Pläne der Feuerwaffe wurden 2013 veröffentlicht und danach immer weiter verbessert. Sie gilt als die erste Waffe der Welt, die aus dem 3D-Drucker kommt. In einem Demovideo schießt Defense Distributed-Gründer Wilson mit der Waffe. Sie funktioniert, allerdings nur für einen Schuss. Knackpunkt des Liberators ist der Lauf. Das Geschoss einer Pistole erreicht seine hohe Geschwindigkeit, weil es mit Druck aus dem Rohr gefeuert wird - im Prinzip nicht anders, als würde jemand ein Papierkügelchen aus einem Strohhalm blasen. Dabei muss der Lauf, also das Rohr der Waffe, einen hohen Druck von 3000 bis 3500 bar aushalten.

Stahl ist für diesen hohen Druck stark genug, Kunststoff nicht, erklärt Johann Höcherl, der als Professor für Waffen- und Munitionstechnik an der Universität der Bundeswehr München lehrt. Allerdings sei bei einer Kunststoffwaffe auch der Druck geringer.

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