Mittwoch, 17. Oktober 2018

Nach zehn Jahren an der Spitze Vodafone-Chef Colao kündigt überraschend Rücktritt an

Vodafone-Chef Vittorio Colao gibt sein Amt nach gut zehn Jahren auf

Vodafone-Chef Vittorio Colao tritt überraschend zurück. Für den Telekom-Giganten endet damit eine Ära. Colao verabschiedet sich nach zehn Jahren an der Spitze mit einem Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Vodafone-Chef Vittorio Colao räumt nach der jahrelang ausgehandelten Übernahme des deutschen Kabelkonkurrenten Unitymedia überraschend das Feld. Der 56-jährige Italiener, der seit rund einem Jahrzehnt an der Spitze des britischen Telekommunikationskonzerns steht, übergibt ab Oktober an den bisherigen Finanzchef Nick Read, teilte der Konzern am Dienstag in London mit.

Den Anlegern gefiel die Überraschung nicht, die Aktie rutschte in London am Vormittag um gut 4 Prozent ab. Es sei eine schwierige aber die richtige Entscheidung gewesen, jetzt abzutreten, erklärte der Colao.

Mit seinem Rückzug endet für die Briten eine Ära. Der 56-Jährige hatte unter anderem den Ausstieg von Vodafone aus dem US-Geschäft eingeleitet und erst vergangene Woche noch die 18,4 Milliarden Euro schwere Übernahme europäischer Kabelgesellschaften vom Rivalen Liberty Global eingetütet.

10,8 Milliarden wollen die Briten in bar auf den Tisch legen, der Rest des Unternehmenswerts sind Schulden. Das Geschäft soll Mitte kommenden Jahres abgeschlossen werden - durchziehen muss es also Colaos Nachfolger. Kartellbehörden müssen die Übernahme noch genehmigen.

Es wäre die größte Transaktion in der europäischen Telekom-Branche seit Jahren. Allerdings gibt es auch Gegenwind: Konkurrenten wie die Deutsche Telekom wettern wegen angeblicher Übermacht in einzelnen Märkten gegen den Deal.

Vodafone schreibt nach zwei Jahren wieder Gewinne

Wie Vodafone weiter mitteilte, hat der Konzern nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende März) nun wieder schwarze Zahlen geschrieben. Die Briten verdienten unter dem Strich 2,79 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatten Abschreibungen auf dem indischen Markt schwer ins Kontor geschlagen und den Verlust auf 6,1 Milliarden Euro hochschnellen lassen. Davor hatte der Telekom-Rivale ein Minus von mehr als 5 Milliarden eingefahren.

Der Umsatz des Vodafone-Konzerns sank im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf 46,6 Milliarden Euro. Das lag vor allem an der Ausgliederung des niederländischen Geschäfts sowie unvorteilhaften Wechselkursen.


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Die Serviceerlöse - sie gelten als Maßzahl für den wirtschaftlichen Erfolg im Wettbewerb und klammern Umsätze aus dem Verkauf von Handys und Tablets aus - konnte Vodafone im vierten Quartal aber mit 1,4 Prozent deutlicher steigern als von Analysten erwartet.

Vodafone berichtet seit einiger Zeit in Euro, weil das Unternehmen auch jetzt schon den Großteil der Geschäfte auf dem Kontinent macht - vor allem in Deutschland, dem wichtigsten Einzelmarkt. Hier lief es weiter rund. Die deutsche Tochter steigerte die Serviceerlöse im Gesamtjahr um 2,6 Prozent, weil das Unternehmen im Kabel einen guten Lauf hat. Im Mobilfunk wuchsen die Serviceerlöse im vierten Quartal jedoch lediglich um 0,3 Prozent. Die Deutsche Telekom hatte im gleichen Zeitraum deutlich besser abgeschnitten, die O2-Mutter Telefonica Deutschland etwas besser.

Kabelgeschäft bringt Vodafone in Deutschland voran

Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte im Gesamtjahr um rund 4 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Das war etwas mehr als von Analysten gedacht.

Im gerade angelaufenen Jahr soll der operative Gewinn aus eigener Kraft um 1 bis 5 Prozent zulegen. Dabei ist das indische Geschäft bereits ausgenommen. Hier will Vodafone die eigene Tochter mit dem Rivalen Idea Cellular zusammenlegen. Bis Ende Juni soll das in trockenen Tüchern sein.

rei/dpa/Reuters

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