Freitag, 14. Dezember 2018

Steigende Investitionen, steigende Sorgen Cloud-Technologie versetzt IT-Chefs in Höhenangst

Cloud-Technologie: Ein Viertel der deutschen CIOs sind diesen Weg bereits gegangen

Die deutschen IT-Chefs dürften in diesem Jahr für Cloud-Technik rund 6,6 Milliarden Euro ausgeben, so die Prognose des IT-Beratungshauses Experton. Auch Gartner und IDG Research sehen stark steigende Investitionen deutscher Firmen - trotz derer Sicherheitsbedenken.

Hamburg - Europas größter Softwarekonzern SAP wegen ihr 2000 Stellen ab, Microsoft hat sie zum neuen Mantra erhoben, Oracle, IBM und Cisco investieren Milliardensummen in sie: Die Cloud verändert die IT-Landschaft weltweit schneller als es manchem etablierten Konzern lieb ist.

Für Skepsis bleibt wenig Raum. Der Trend zum Auslagern von Rechnerkapazitäten, Software-Plattformen, Anwendungen und Geschäftsprozessen auf fremde Server fegt über die IT-Abteilungen deutscher Unternehmen hinweg wie die ersten Ausläufer einer Gewitterfront.

Einer Umfrage des IT-Research- und Beratungsunternehmens Gartner zufolge nutzen bereits ein Viertel der deutschen IT-Chefs die Cloud. Bis Mitte 2015 geht Gartner-Experte Frank Ridder davon aus, dass dieser Anteil auf rund ein Drittel steigt. Rund 70 Prozent der Chief Information Officer (CIO) planen der Umfrage zufolge, ihre Sourcing-Strategien in den kommenden zwei bis drei Jahren zu verändern. In deutschen IT-Führungsstäben rückt die Cloud somit auf Rang drei der Prioritätenliste, nach der Ressourcenplanung (Enterprise Resource Planing, ERP) und der Datenanalyse (Business Intelligence, BI).

Gartner zufolge flossen zuletzt 33 Prozent der Cloud-Investitionen in Deutschland in so genannte Plattform-as-a-Service-Angebote, also zum Beispiel Umgebungen für Webentwickler, auf denen diese Programme schreiben oder anpassen können. Zu den bekanntesten PaaS-Produkten zählt die Google App Engine, aber auch die Plattformen von Salesforce und Microsoft.

47 Prozent der CIOs gaben hingegen an, Geld in so genannte Infrastructure-as-a-Service-Angebote investiert zu haben. Dabei handelt es sich um nur über das Netz bereitgestellte Speicher- und Rechnerkapazitäten aus fernen Rechenzentren. Zu den bekanntesten IaaS-Anbietern zählt der Vorreiter Amazon Web Services.

Innerhalb der bisher verfolgten Cloud-Strategien stehen indes Investitionen in Software-as-a-Service-Angebote an der Spitze der Agenda. 73 Prozent der CIOs haben solche nach Nutzungsvolumen bezahlte Software aus dem Netz im eigenen Unternehmen eingeführt. Die Anzahl der Produkte und Anbieter ist dabei breit gefächert. Sie reicht von kleinen Publishing-Lösungen und Trainings-Software bis hin zu den Software-Paketen großer Cloud-Konzerne wie Salesforce, Workday und der SAP-Tochter SuccessFactors, aber auch Google mit seinem E-Mail-Dienst GMail und Microsoft mit der cloudbasierten Text- und Datenverarbeitung Office365. "Langfristig muss SaaS aber noch zeigen, dass es im Backend mit ERP-Software funktioniert", sagt Gartner-Experte Ridder. Hier spielen bislang etablierte Konzerne wie SAP ihre Stärken aus.

Dass sich IT-Abteilungen vor allem aus Kostengründen für die Cloud entscheiden, sieht der Gartner-Experte nicht. "Es geht den Unternehmen eher um die Agilität, weniger um die Kosten", sagt Ridder. Dennoch könne die Nutzung der Cloud finanziell ein gutes Modell sein, um Kosten im Unternehmen zu minimieren. "Die CIOs müssen im Moment zwei Boxen bearbeiten", sagt Ridder. "Auf der linken Seite die Kosten, auf der rechten Seite der Mehrwert." Früher seien praktisch alle Outsourcing-Projekte darauf ausgelegt gewesen, Kosten zu sparen. "Jetzt müssen die CIOs Geld aus der linken Box in die rechte Box umfüllen." Denn, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage, das Gesamt-IT-Budget schrumpft in diesem Jahr voraussichtlich um 3,1 Prozent.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH