Sonntag, 23. September 2018

Ebay spaltet Paypal ab Carl Icahn triumphiert, Jack Ma lauert

Lukrative Trennung: Ebay bringt Paypal an die Börse - die Wall Street ist begeistert

Auf Drängen des aktivistischen Investors Carl Icahn trennt sich die Handelsplattform Ebay von ihrem Bezahlsystem Paypal. Aktionäre bejubeln den Deal nicht nur wegen des erwarteten Geldsegens für Ebay: Der Online-Dino ist nun hochinteressant für den chinesischen Riesen Alibaba geworden.

Nun also doch. Trennung. Scheidung. Ebay und Paypal sollen 2015 getrennte Wege gehen. Der Onlinehändler und der Onlinebezahldienst passen nicht mehr recht zusammen. Als Carl Icahn, ein umtriebiger Investor, Anfang des Jahres seine Beteiligung an Ebay bekannt gab, da wusste das Management, dass es nun ungemütlich wird.

Icahn ist so etwas wie ein Querulant. Wenn er glaubt, dass ein Management irgendwo nicht das Optimale für Investoren herausholt, dann beteiligt er sich kurzerhand und startet eine Offensive. Über so genannte Proxy Statements, via US-Börsenaufsicht SEC versendete Mitteilungen, bombardiert er Unternehmen mit Vorwürfen und Handlungsanweisungen.

Die Liste der Unternehmen, die Icahn bereits in seiner Investorenkarriere gequält hat, ist lang. Sie reicht von A wie Apple Börsen-Chart zeigen bis Y wie Yahoo Börsen-Chart zeigen . Für seine Kleinkriege gegen seine Opfer nutzt der 78-Jährige auch gerne den Kurznachrichtendienst Twitter Börsen-Chart zeigen .

Nicht immer, aber meistens, setzte sich Icahn durch. Dieses Mal triumphiert er also wieder. Spät, aber nicht zu spät. Er wollte, dass Ebay die Tochter Paypal abspaltet. "Ich denke nicht, dass Ebay ein gut geführtes Unternehmen ist", beklagte er. Man solle nur Amazon und Ebay miteinander vergleichen. "Paypal ist ein Kronjuwel, und Ebay verschleiert einfach dessen Wert", sagte er weiter. Das Management wehrte sich über Monate, gegen Icahn und vielleicht gegen das Unvermeidbare, die Trennung.

Selbst Elon Musk sprach sich für eine Trennung aus

Selbst einer der Paypal-Gründer meldete sich auf Nachfrage zu Wort. "Es hat keinen Sinn, dass ein weltweites Bezahlsystem eine Tochterfirma einer Auktionswebsite ist", sagte Elon Musk, mittlerweile Gründer und Chef der Elektroautofirma Tesla Börsen-Chart zeigen .

Auktionswebsite - so haben Ebay noch die meisten in Erinnerung. Drei, zwei, eins ... meins! Für Ebay Börsen-Chart zeigen dürfte das abwertend klingen und Musk hat es auch durchaus so gemeint. Schon lange sieht sich Ebay nicht mehr als reine Auktionsseite. Es will mit Amazon Börsen-Chart zeigen konkurrieren und scheint doch irgendwie den Anschluss verloren zu haben.

Beide Unternehmen wurden im Abstand von nur einem Jahr gegründet. Amazon handelte Online mit Büchern und Ebay wollte helfen, die gefüllten Garagen zu entrümpeln. Amazon ist bald davon gezogen und Ebay versuchte irgendwann auf die Strategie Amazons einzuschwenken. Weniger Auktionen, dafür mehr Festpreise und ein breites Produktportfolio.

Greift Alibaba bei Ebay zu?

Zwar wächst die Onlinehandelsplattform noch, aber im Vergleich zu Amazon deutlich weniger und auf einem ganz anderen Niveau. Amazon machte 2013 einen Umsatz von fast 74,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 22 Prozent. Und Ebay? Ebay erlöste 2013 etwas mehr als 16 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 14 Prozent. Aber: Der Umsatz für die Handelsplattform lag lediglich bei knapp 6,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 13 Prozent. Ebay ist sicherlich noch ein gesundes, also profitables, Unternehmen, aber es dürfte neben einem derartigen Platzhirschen wie Amazon alleine schwer werden.

Nach der Trennungsankündigung machte die Ebay-Aktie einen Kurssprung. Ein Börsenwert von fast 70 Milliarden Dollar zeichnet sich ab. Gerade einmal ein Drittel davon schreiben Analysten der Handelsplattform zu. Da passt es natürlich ins Bild, dass ein möglicher Käufer Alibaba sein könnte. Der chinesische Onlinehändler hat soeben einen Rekordbörsengang vollzogen und sammelte 25 Milliarden Dollar ein. Es wäre ein so naheliegender Schritt, zumal Alibaba-Chef Jack Ma damit auf Anhieb mit seinem Unternehmen sowohl in den USA als auch in Europa präsent wäre.

Und Paypal? Das Onlinebezahlsystem hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Im kommenden Jahr könnte Paypal erstmals den Umsatz der Handelsplattform übertreffen - und es wächst deutlich schneller. Nur noch knapp ein Drittel des Transfervolumens kommt über die Handelsplattform. Paypal hat sich also von Ebay freigestrampelt.

Paypal droht neue Konkurrenz

Doch auch, wenn Paypal als Kronjuwel bezeichnet wird, 152 Millionen Kundenkonten zählt und deutlich mehr wert sein soll als die Handelsplattform, sakrosankt ist die einstige kleine Tochter Ebays nicht. Digitales Bezahlen, ob nun via Desktop oder Smartphone, gilt als Markt mit großem Potenzial. Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzt beispielsweise, dass das mobile Bezahlen bis 2017 ein Marktvolumen von 720 Milliarden Dollar erreicht, nach 235 Milliarden Dollar 2012. Kleinere Anbieter wie Square haben sich beispielsweise in den USA bereits etabliert und die Schwergewichte Google, Apple und Amazon werden Paypal das Feld nicht kampflos überlassen.

Als Apple Anfang September neben dem neuen Smartphone und der Uhr auch ein Bezahlsystem namens Apple Pay vorstellte, schaltete Ebay - beziehungsweise Paypal - in der "New York Times" eine ganzseitige Anzeige. "Wir wollen, dass unser Geld sicherer ist als unsere Selfies", hieß es. Es war eine Anspielung auf gestohlene Fotos von Prominenten aus Apples virtuellem Speicher iCloud. Paypal mag den Moment geschickt ausgenutzt und gar einen wunden Punkt getroffen haben. Andererseits muss sich das Unternehmen die Frage gefallen lassen, ob es das nötig hat, ob die Angst vor Apple gar so groß ist. Es sah eher nach einem ersten verzweifelten Abwehrkampf.

Für Paypal ist die Trennung sicherlich gut. Das Unternehmen kann sich nun schneller entwickeln, ohne Rücksicht auf die Handelsplattform nehmen zu müssen. Tempo hat Paypal auch bitter nötig, denn die Konkurrenz wird das bislang noch führende Onlinebezahlsystem jagen.

Carl Icahn hat Ebays Ankündigung am Dienstag natürlich begrüßt. Er sei zufrieden. Die Trennung komme später als gewünscht, aber doch früher als erwartet. Carl Icahn wäre eben nicht Carl Icahn, wenn er nicht triumphieren würde. Er stellte auch sogleich die nächste Forderung. Paypal solle entweder mit einem anderen starken Markteilnehmer fusionieren oder Übernahmen tätigen. Schließlich drohe starker Wettbewerb durch Apple. Er werde mit dem Management sprechen. Das ist keine Verabredung für eine Unterhaltung auf Augenhöhe, das ist bei Carl Icahn eine Drohung gegen das Management - vielleicht eine ganz nützliche.

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