Freitag, 14. Dezember 2018

Elektroautobauer US-Justiz ermittelt gegen Tesla

Elon Musk: Ermittlungen gegen den Tesla-Chef

Produktionsprobleme beim Model 3, Führungskräfte auf der Flucht, diverse Klagen gegen das Unternehmen und jetzt die US-Justizbehörde im Nacken: Der Druck auf Tesla-Chef Elon Musk nimmt zu.

Neuer Ärger für Tesla: Die Überlegungen von Tesla-Chef Elon Musk zum Börsenrückzug des Autobauers haben ein Nachspiel. Der amerikanische E-Auto-Hersteller räumte am Dienstag ein, dass das Justizministerium Dokumente zu den Äußerungen Musks angefordert habe. Dabei handele es sich nicht um eine Vorladung, schrieb ein Tesla-Sprecher in einer E-Mail. Tesla hoffe auf eine baldige Klärung der Angelegenheit. Das Justizministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Die US-Staatsanwälte prüften, ob Musk durch seinen Tweet, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, die Öffentlichkeit getäuscht und Kursmanipulation betrieben habe, hatte die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg zuvor gemeldet. Die US-Justizbehörde wollte den Fall nicht kommentieren.

Anleger hatten eine strafrechtliche Untersuchung bereits befürchtet. Verschiedene Hedgefonds hatten bereits gegen Tesla geklagt, weil sie Musks Tweet mit der Behauptung "Finanzierung gesichert" als Kursmanipulation bewerteten. Musk hatte im August sein Gedankenspiel über einen Börsenrückzug per Tweet veröffentlicht, diesen Plan aber bereits wenige Wochen später wieder aufgegeben.

Die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen verlor nach der Veröffentlichung des Berichts zwischenzeitlich rund 6 Prozent an Wert, aktuell notiert sie 4,5 Prozent im Minus.

Mit den Ermittlungen der Staatsanwälte erhöht sich der juristische Druck auf Tesla. Erst vor einem Monat hatte der TV-Sender Fox Business News berichtet, dass die US-Börsenaufsicht SEC in der Sache sämtliche neun Vorstandsmitglieder von Tesla gerichtlich vorladen lasse. Musk hatte am 7. August in einem Tweet überraschend verkündet, Tesla zum Aktienkurs von 420 US-Dollar privatisieren zu wollen. Später zog er sein Vorhaben zurück. Als rechtlich brisant gilt vor allem seine Behauptung, die Finanzierung für einen solchen Deal sei gesichert.

Führungskräfte auf der Flucht

Mit den Eskapaden ihres Antreibers scheinen auch viele Führungskräfte nicht mehr leben zu wollen. Immer mehr Top-Manager verlassen den Autobauer, es wird zusehends einsam um Elon Musk. Kürzlich hatte Teslas Chefbuchhalter Dave Morton seinen Posten aufgegeben - nach nur einem Monat in dem Job. Dann suchte aus dem Finanzressort mit Justin McAnear ein weiterer hochrangiger Manager das Weite. Zwischendrin hatte Personalchefin Gabrielle Toledano erklärt, dass sie nach ihrer Auszeit nicht mehr ins Unternehmen zurückkehren werde. Und ebenso Shen Jackson, Teslas Direktor für Fertigungstechnik teilte dieser Tage mit, er werde aus dem Sabattical nicht in die Firma zurückkehren.

Leerverkäufer: Siebte Klage gegen Tesla und Musk

Zu der Verunsicherung der Investoren hatte auch die Klage des Leerverkäufers Andrew Left gegen Tesla sowie Elon Musk beigetragen. Der prominente aktivistische Investor argumentiert, Musk habe die Pläne, Tesla von der Börse zu nehmen, mit betrügerischen Absichten inszeniert. Ziel sei gewesen, Investoren zu "verbrennen", die auf den fallenden Aktienkurs von Tesla gesetzt hatten.

In der am Donnerstag eingereichten Sammelklage heißt es, Musks Verbreitung falscher und irreführender Informationen schade auch Investoren, die auf den steigenden Kurs von Tesla setzten. Die Klage von Andrew Left ist eine von mindestens sieben, die sich gegen Elon Musk richten.


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Tesla-Chef Musk hat unterdessen über seinen unablässig arbeitenden Erfindergeist gesprochen. Die immer neuen Ideen in seinem Kopf seien wie "nicht endende Explosionen", sagte Musk während eines Podcasts mit dem Komiker Joe Rogan in der Nacht zum Freitag. Als kleiner Junge habe er sich gefragt, ob er verrückt sei, weil es anderen Menschen offenbar nicht so erging wie ihm.

"Ich glaube, du willst nicht notwendigerweise ich sein", sagte Musk zu seinem Gesprächspartner. "Du würdest das nicht besonders mögen." Vielleicht sei es am Anfang "toll", "aber was, wenn es nicht mehr aufhört?" Während des weitschweifigen Gesprächs mit Rogan paffte Musk eine ihm angebotene Zigarette mit einer Tabak-Marihuana-Mischung (2:10:15). "Ich rauche Gras normalerweise nicht, fast nie", sagte der US-Unternehmer. "Ich finde nicht, dass es gut für die Produktivität ist. Es ist wie eine Tasse Kaffee im Rückwärtsgang." In Kalifornien ist Cannabis-Konsum nicht illegal.

Kritik an Musk nimmt zu

Die Kritik an Musk häuft sich allerdings trotzdem. Der Aufsichtsrat soll wegen der nächtlichen Twitter-Sessionen besorgt sein, auch sei einigen der Mitglieder bewusst, dass Musk manchmal Freizeitdrogen nähme. Das impulsives Verhalten des Tesla-Chefs verunsichert außerdem Anleger und sorgt für starke Schwankungen an der Börse, die heute zu einem Extrem geführt haben.

Musk fiel zuletzt nicht nur wegen seiner Tweets zum Delisting von Tesla negativ auf. Der "New York Times" gab der CEO ein Interview, indem er von dem "schlimmsten Jahr seiner Karriere" und der Überlastung sprach. Er sagte, regelmäßig das Schlafmittel Ambien zu nehmen. Das Medikament kann abhängig machen und die mentale Leistung schwächen. Auch das Interview führte zu einem Abrutsch an der Börse.

la/rei

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