Donnerstag, 21. Februar 2019

Technologie-Trends Buzzwords im Check: Was ist 2018 besser geworden?

8. Teil: Hier kommt Blockchain - Ohne Block und ohne Chain

Eine Bitcoin-Mining-Farm in Saint Hyacinthe, Quebec

Das Versprechen: Na gut, der Kurs von Bitcoin Börsen-Chart zeigen und Tausenden anderen Kryptowährungen ist in diesem Jahr gecrasht. Und der vorherige steile Anstieg war keine gute Werbung für den realen wirtschaftlichen Nutzen als digitales Zahlungsmittel.

Doch etwas Gutes bleibt, predigen zumindest Heerscharen von Beratern: die Blockchain, die hinter Bitcoin stehende dezentrale Datenbank. Automatisierte gegenseitige Kontrolle der vernetzten Marktteilnehmer statt Vertrauen auf zentrale Führung - das klingt nach radikaler Umwälzung. "Blockchain wird für verlässliche Transaktionen die gleiche Rolle spielen wie das Internet für die Kommunikation", lässt sich beispielsweise IBM-Chefin Ginni Rometty zitieren.

Die Realität: Die Zeit, als das Wort "Blockchain" im Firmennamen reichte, um Spekulanten zu locken, ist vorbei. Etliche Firmen bemühen sich zwar nach wie vor um konkrete Anwendungsfälle für die Blockchain. Doch das sagt schon alles: Es ist eine Lösung auf der Suche nach einem Problem, meist im Wettbewerb mit bestehenden Lösungen, die einfacher, billiger, weniger energieintensiv und leichter skalierbar sind. Eine Studie in der Entwicklungsbranche fand im September "genau null Nachweise von Erfolg" in Blockchain-Projekten.

Das Versprechen "verlässlich" bezieht sich zudem nur darauf, dass ein in der Blockchain hinterlegter Eintrag nicht mehr einseitig manipuliert werden kann. Vertrauen darauf, dass der Eintrag von vornherein richtig ist - ob es um Grundbesitz oder Ökosiegel für Bananen geht - wird vorausgesetzt. Ganz ohne zentrale Kontrollinstanz geht es also nicht. Banken experimentieren mit der Blockchain nur in geschlossenen Plattformen mit zuvor als vertrauenswürdig ausgewählten Teilnehmern. Aus dem selben Grund werden "Smart Contracts" wohl auch nicht Anwälte, Notare und Richter überflüssig machen.

Manche Entwickler haben eine elegante Lösung gefunden: Sie verkaufen herkömmliche (zentral kontrollierte) Datenbanken als "Blockchain ohne Block und ohne Chain".

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