Dienstag, 18. Dezember 2018

Zoff um Umbaupläne bei T-Systems Betriebsrat oder CEO - wer gewinnt bei der Telekom-Tochter?

Viel Erklärungsbedarf: Adel Al-Saleh, neuer Chef von T-Systems.

Zwischen dem neuen Chef der Telekom-Tochter T-Systems, Adel Al-Saleh (54), und dem Betriebsrat bahnt sich ein scharfer öffentlicher Konflikt an. Führende Arbeitnehmervertreter der Telekom attackierten Al-Saleh gegenüber dem manager magazin ob des Tempos und der Vehemenz seiner Umbaupläne. Er möchte nicht "im Schweinsgalopp" in den Umbau gehen, sagte Betriebsratsboss Josef Bednarski dem manager magazin. Lothar Schröder, Vorstand der Gewerkschaft Verdi und Vize-Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom, warnte Al-Saleh, den renditeschwachen Anbieter für die Großkunden der Telekom aufzuspalten. Das sei "unnötig" und "demoralisiere" die Beschäftigten.

Für Al-Saleh wird die Konstellation damit zunehmend brenzliger. Der Amerikaner wechselte zum Jahresanfang vom britischen Dienstleister Northgate Information Solutions auf den Chefposten von T-Systems, um den Dauerpatienten endlich zu heilen. T-Systems setzt zwar mit rund 37.000 Beschäftigten etwa 7 Milliarden Euro um, lieferte aber in den vergangenen zehn Jahren nur zweimal Gewinn bei der Deutschen Telekom ab. (Hier können Sie den mm-Inside-Report "Fehler im System" zum Kampf um T-Systems lesen.)

"Ich bin gekommen, um diese Firma auf Vordermann zu bringen", sagte Al-Saleh dem manager magazin. Er wolle die Unternehmenskultur "umdrehen" und die Struktur sowie die Entscheidungsprozesse modernisieren. Mitte März hatte er angekündigt, künftig vor allem Arbeitsplätze in Billiglohnländern wie Indien zu schaffen.

Schon zu Beginn seiner Amtszeit hatte er sich den Zorn der Gewerkschaft Verdi zugezogen, als er via Intranet ankündigte, T-Systems aufspalten und so Wachstumsgeschäfte wie das Cloud-Geschäft vom kränkelnden IT-Outsourcing trennen zu wollen. Wegen der anhaltenden Probleme im Outsourcinggeschäft rechnet Al-Saleh vorerst nicht mit insgesamt steigenden Umsätzen.

Al-Saleh räumt mittlerweile ein, dass es ein Fehler war, vor der Intranet-Meldung das Thema nicht zunächst mit den Betriebsräten besprochen zu haben.

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