Montag, 20. August 2018

Kantinen für Techies Silicon Valley: Städte wollen Gratis-Lunch bei Tech-Konzernen verbieten

Schon 2008 bekamen Google-Mitarbeiter in Mountain View ihr Mittagessen gratis.

Sushi, Steak oder Nachmittagskuchen - die Kantinen der großen Tech-Konzerne im Silicon Valley bieten ihren Mitarbeitern bestes Essen, meist drei bis vier Mal am Tag. Bezahlen müssen die Angestellten dafür nicht. Die Konzerne sehen das als wichtigen Anreiz, um gute Mitarbeiter anzuziehen. Denn der Kampf um Talente ist auch in Kalifornien hart.

Nun überlegen San Francisco und andere Gemeinden der Region, die kostenlosen Kantinen einzuschränken. Voraus geht die Stadt Mountain View, wo Facebook bald einen neuen Campus mit 2000 Mitarbeitern beziehen wird. Das soziale Netzwerk wird ihnen am neuen Standort nur noch die Hälfte der Preise für Kantinengerichte erstatten dürfen.

Wozu das Ganze? Die Städte sollen belebt werden und die Restaurants mehr Umsatz schreiben. Gaststättenbetreiber, die in der Nähe großer Tech-Quartiere Lokale eröffnet haben, klagen über ausbleibendes Geschäft.

Vielen Lokalpolitikern ist es nicht recht, dass Tech-Mitarbeiter ihre Arbeitsumgebung kaum mehr verlassen müssen. Im Büro gibt es alles: Ärzte, Fitnessstudios - ja sogar Reinigungen. Das Problem ist emotional geladen: Auf der einen Seite stehen die Tech-Mitarbeiter, die zahlreiche Vergünstigungen von ihren Arbeitgebern bekommen. Ihr Zuzug lässt die Mieten rasant steigen. Eine Einzimmerwohnung kostet in San Francisco im Schnitt 3260 US-Dollar pro Monat. Auf der anderen Seite sehen sich viele Kalifornier, die sich das Leben in ihrer Heimat kaum noch leisten können.

Bei Kontrollversuchen schon verzettelt

So mehren sich schon seit Jahren Proteste. Die Busse, die Google, Facebook und Apple durch die Bay Area schicken, um Mitarbeiter einzusammeln und zur Arbeit zu bringen, werden beispielsweise regelmäßig angegriffen.

Ob weitere Kommunen nun tatsächlich regulatorisch bei den Kantinen eingreifen, ist offen. In San Francisco haben zwei Politiker einen Vorschlag für eine Verordnung eingereicht, die Kantinen in Neubauten verbieten soll. Bestehende Einrichtungen wären allerdings nicht betroffen.

In der Vergangenheit hat sich die Stadt bereits mit anderen Kontrollversuchen verzettelt. So gab es Steuernachlässe für Firmen, um in den Problembezirk "Mid-Market" zu ziehen. Der Gedanke: Das Viertel wohlhabender zu machen. Mittlerweile sitzt zum Beispiel der Kurznachrichtendienst Twitter dort. "Aber sie sind alle in ihre Tech-Palaste eingemauert", beschwert sich der Politiker Aaron Peskin gegenüber der New York Times. Auf den Straßen bleibt der Drogenkonsum alltäglich. Neue Kantinen zu verbieten, kann diese gesellschaftlichen Probleme sicherlich nicht lösen.

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