Montag, 10. Dezember 2018

Größter Euro-Zukauf der Unternehmensgeschichte SAP will mit teurer Übernahme Salesforce in Schach halten

SAP-Chef Bill McDermott (Archivaufnahme Januar 2018)

SAP Börsen-Chart zeigen ist weiter auf großer Einkaufstour. Für das US-Unternehmen Qualtrics legt Europas größter Softwarehersteller acht Milliarden Dollar (rund sieben Milliarden Euro) auf den Tisch. Dies teilte SAP am späten Sonntagabend in Walldorf mit. Mit der in Euro gerechnet teuersten Übernahme in der Geschichte des Unternehmens will sich SAP weiter stärken, um den schnell wachsenden US-Konkurrenten Salesforce Börsen-Chart zeigen in Schach zu halten und diesen in seinem Stammgeschäft weiter anzugreifen. Salesforce hatte sich erst vor Kurzem den Hersteller Mulesoft für rund 6,5 Milliarden Dollar gesichert.

SAP selbst hatte Anfang des Jahres den Salesforce-Konkurrenten Callidus für 2,4 Milliarden Dollar gekauft. Vorstandschef Bill McDermott hatte eigentlich angekündigt, vorerst nur kleinere Ergänzungskäufe anzupeilen. Jetzt hat der seit 2014 allein amtierende Unternehmenschef aber doch erneut größer zugeschlagen. In einer Telefonkonferenz mit Analysten am Morgen sprach der Amerikaner von einem weiteren "mutigen Schritt" für den wertvollsten Dax-Konzern.

Anleger reagierten jedoch verunsichert auf den Milliardenzukauf. Die Aktie von SAP Börsen-Chart zeigen gab am Montag Vormittag zeitweise um mehr als vier Prozent nach und gehörte zu den größten Verlierern im Dax Börsen-Chart zeigen.

Qualtrics sammelt Kundendaten

Qualtrics zähle zu den weltweiten Pionieren im Software-Bereich Experience Management (XM), hieß es. Qualtrics sammelt Daten zu Kunden, Mitarbeitern, Produkten und Marken. Unter anderem sollen Webseitenbesucher so schneller wiedererkannt werden, um ihnen gezielt Produkte anbieten zu können.

Die zugekaufte Firma erwarte für das Gesamtjahr 2018 über 400 Millionen US-Dollar Umsatz (aktuell rund 350,5 Mio Euro) und zukünftige Wachstumsraten von über 40 Prozent. Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Utah wollte eigentlich bald selbst an die Börse gehen.

Mit acht Milliarden Dollar ist Qualtrics in Dollar gemessen nur etwas billiger als der 2014 gekaufte Hersteller von Reisekostensoftware Concur. Dieser hatte 8,3 Milliarden Dollar inklusive Schulden gekostet. Da der Euro damals aber mehr wert war, lag der umgerechnete Kaufpreis unter den jetzigen 7 Milliarden Euro. Diesen will SAP in bar zahlen. Die Finanzierung sei gesichert. Die Übernahme soll im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen sein.

SAP-Chef spricht von "massivem Markt" - doch Zukauf ist sehr teuer

Es ist die zweite Milliardenübernahme in diesem Jahr, mit der SAP-Vorstandschef Bill McDermott gezielt im Revier des US-Rivalen Salesforce wildert - und es ist in Euro gerechnet die teuerste des Konzerns überhaupt. McDermott verwies auf einen "massiven" Markt von mehr als 44 Milliarden Dollar, den man beackern könne, und stellte für SAP prozentual zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und operativem Ergebnis nach der Übernahme in Aussicht.

Der Zukauf sei jedoch "sehr kostspielig", monierte die Bank Mainfirst in einer ersten Einschätzung. Europas größter Softwarehersteller zahle das Zwanzigfache des für 2018 geschätzten Umsatzes. Selbst bei einer unterstellten Wachstumsrate des Umsatzes von 40 Prozent wäre der Zukauf noch immer teurer als bei den anderen Übernahmen von Concur, SuccessFactors und Ariba. Andererseits sei Qualtrics in einem 44 Milliarden Dollar schweren Markt engagiert.

Auch JPMorgan-Analystin Stacy Pollard sprach in einer ersten Reaktion von einer teuren Übernahme, betonte aber, dass die Transaktion die Walldorfer in eine Führungsrolle im Softwaresegment Experience Management bringe.

Mark Moerdler vom US-Analysehaus Bernstein Research zeigte sich überrascht von einer "solch großen Akquisition" zu diesem Zeitpunkt. Der Einstieg in das Experience Management komme aber nicht überraschend, da viele Wettbewerber in diesem Bereich bereits einen Vorsprung hätten. Die natürliche Überschneidung mit den bestehenden Angeboten von SAP dürfte zeitnah zu deutlichen Synergieeffekten führen, prognostizierte der Experte.

Salesforce in der Cloud vorne

Mit der Übernahme will SAP vor allem das Geschäft mit Unternehmenssoftware in der Cloud stärken. Hier ist derzeit der Rivale Salesforce Branchenprimus. SAP ist der größte Anbieter von Unternehmenssoftware insgesamt, will den Kaliforniern aber auch in der Cloud zusetzen.

Salesforce wächst hier aber - unter anderem getrieben von Übernahmen - weiter rasant, so dass das 1999 von Konzernchef Marc Benioff gegründete Unternehmen SAP auch künftig beim Gesamtumsatz angreifen könnte. McDermott hat in den vergangenen Jahren zunehmend auf das stark wachsende Cloudgeschäft gesetzt und die Erfolge mit Software für das Management von Kundenbeziehungen und für den Vertrieb (CRM) betont.

Noch sind die Größenverhältnisse zwischen den beiden Konzernen eindeutig: SAP machte vergangenes Jahr mit Software on- und offline 19,5 Milliarden Euro Umsatz, davon 3,8 Milliarden in der Cloudsparte. Salesforce brachte im Geschäftsjahr 2017/18 (Ende Januar) rund 10,5 Milliarden Dollar Umsatz auf die Waage (9 Mrd Euro), davon 9,7 Milliarden Dollar mit Software über die Cloud. Salesforce wächst wegen des größeren Anteils von Cloudsoftware insgesamt weiter schneller als die Walldorfer.

Salesforce-Chef Benioff hat sich zum Ziel gesetzt, 2022 die Hürde von 20 Milliarden Dollar Umsatz (17,6 Milliarden Euro) zu knacken. SAP hat für das Jahr 2020 derzeit einen Umsatz von bis zu 29 Milliarden Euro im Plan.

luk/dpa

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