Sonntag, 16. Dezember 2018

San Francisco Deltas Zu Gast beim innovativsten Fußballclub der Welt

Fußballer in San Francisco: Die Deltas sollen ab Frühjahr 2017 Spiele austragen
San Francisco Deltas
Fußballer in San Francisco: Die Deltas sollen ab Frühjahr 2017 Spiele austragen

Wenn erfolgreiche Unternehmer in Deutschland einen Fußballclub groß machen wollen, pumpen sie einen kleinen Verein mit Geld voll. Vielleicht verstecken sie ihr Unternehmen im Vereinsnamen. Vielleicht stellen sie ihm auch ein kleines Stadion ins Kraichgau, das so heißt wie sie selbst.

Wenn erfolgreiche Unternehmer in den USA einen Fußballclub groß machen wollen, denken sie sich einen coolen Vereinsnamen aus und stellen ein Ticketportal online, obwohl sie nicht einen einzigen neuen Spieler verpflichtet haben - trotzdem werden sie in drei Wochen über 1000 Reservierungen für Dauerkarten los.

Zumindest ein Stadion haben sie schon

Deltas-CEO Brian Helmick
Carolina Boersma
Deltas-CEO Brian Helmick

"San Francisco ist die Startup-Hauptstadt der Welt", sagt Brian Helmick im Skype-Interview mit manager-magazin.de. "Hier gibt es den höchsten Anteil von Early Adopters - die schätzen es wert, wenn man etwas aus dem Nichts erschafft."

Helmick stampft in San Francisco ein Fußballteam aus dem Boden; im Frühjahr 2017 sollen die Deltas in den Ligabetrieb der "North American Soccer League" einsteigen: "Wir wollen in den ersten zwei Jahren zig Millionen Dollar investieren." Konkreter als die "tens of millions" wird er allerdings nicht.

Zumindest ein Stadion haben sich Helmick und seine Co-Investoren bereits gesichert: Die Deltas sollen im Kezar Stadium spielen, im Golden Gate Park mitten in San Francisco. "In drei Wochen haben 1000 Menschen Dauerkarten reserviert", sagt Helmick. Er sei sehr zufrieden mit dieser Zahl, zumal nur etwa 10.000 Menschen Platz im Kezar Stadium finden würden.

Fußball in den USA - warum gerade jetzt?

Der Amerikaner mit kolumbianischen Wurzeln, der als Gründer eines Startups für Personaler-Software bereits einen erfolgreichen Exit hingelegt hat, wagt sich auf ein schwieriges Terrain: Zwar sind die USA der größte Sportmarkt der Welt, die meisten der umsatzstärksten Sportteams sind zwischen New York und Los Angeles angesiedelt - allerdings tummeln sich hier vor allem Baseball-, Basketball- und Football-Mannschaften. "Der Fußball", so hört man von Branchenkennern , "ist in den USA der Sport der Zukunft - und wird es immer bleiben."

"Für die längste Zeit war das sicher richtig", sagt Helmick zu diesem Bonmot. Mittlerweile sprächen allerdings eine Reihe von Gründen dafür, dass es durchaus Nachfrage nach einem Fußballteam aus San Francisco gebe. In der Jugend spiele fast jeder Amerikaner Fußball - bislang hätten vor allem Jungen allerdings als Teenager ihr Interesse am Sport verloren: "Es gab einfach keine heimischen Fußball-Idole. Aber weil es immer mehr internationalen Fußball im Fernsehen gibt und Spieler wie Cristiano Ronaldo und Lionel Messi durch ihre Social-Media-Angebote immer näher an ihre Fans heranrücken, hat sich die Lage gewandelt."

Training mit Virtual-Reality-Brillen

Die Deltas wollen auch von anderen Erfindungen ihrer Silicon-Valley-Nachbarn profitieren: Smarte Ticketing-Systeme sollen Fans ihre Plätze zuweisen; weil die künstliche Intelligenz die Vorlieben der Anhänger kenne, könne sie etwa solche Menschen nebeneinander setzen, die neben den Deltas auch den FC Arsenal oder Borussia Dortmund unterstützen. Torhüter könnten mit VR-Brillen trainieren. Die Deltas, so viel scheint heraus, wollen der innovativste Fußballclub der Welt werden.

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