Samstag, 17. November 2018

Peter Thiel finanziert deutsche Startups Warum sich ein US-Starinvestor an Berliner Startups beteiligt

Gehört im Silicon Valley zu den Starinvestoren: Peter Thiel

US-Starinvestor Peter Thiel kann sich mehr und mehr für Startups aus Berlin begeistern. Binnen zwei Tagen gaben gleich zwei junge Unternehmen aus Berlin ein Investment der New Yorker Firma Valar Ventures bekannt. Der Risikokapitalgeber von Thiel und seinen langjährigen Geschäftspartnern Andrew McCormack und James Fitzgerald beteiligte sich an den Unternehmen hinter den Smartphone-Apps Number26 und EyeEm.

Es ist Thiels insgesamt drittes finanzielles Engagement an einem deutschen Startup. Vor drei Jahren erhielt das Berliner Unternehmen Researchgate, ein Onlinenetzwerk für Wissenschaftler, von Thiels US-Fonds Founders Fund Kapital. Der gebürtige Deutsche war der erste Facebook-Investor und erlöste damals aus einer Beteiligung in Höhe von 500.000 Dollar mehr als Milliarde Dollar. Anders als viele andere Risikokapitalgeber versucht er sich bei seinen Investments zu fokussieren und ist damit bislang sehr erfolgreich. In den USA ist Thiels Founders Fund beispielsweise an der Zimmervermittlungsplattform AirBnB, Elon Musks Raketenfirma SpaceX, oder dem Softwareunternehmen Palantir beteiligt.

Lange Zeit hatte Thiel Investments außerhalb der USA gescheut. Mittlerweile gehört er aber zu einer wachsenden Investorengruppe, die glauben, dass auch außerhalb des Silicon Valley Technologien entwickelt werden, die Märkte umwälzen können.

Umbruch in der Finanzbranche erwartet

Im festen Glauben an einen Umbruch der traditionellen Finanzbranche erhielt nun Number26 gemeinsam von Valar, den Risikokapitalgebern Earlybird und Redalpine sowie dem Schweizer Unternehmer Daniel S. Aegerter zehn Millionen Euro. Number26 will die Bank der Zukunft bauen und bietet ein Giro-Konto für Smartphones an. Das Unternehmen hatte soeben erst die Testphase abgeschlossen und erhält nun nach einer Anfangsfinanzierung von zunächst zwei Millionen Euro besagtes neues Investment. Für ein deutsches junges Unternehmen ist das in dieser Phase eine Summe im oberen Bereich.

Eigenen Angaben zufolge konnte Number26 nach dem Start im Januar in Deutschland und Österreich bereits 8500 Bankkunden gewinnen, mehr als 15.000 stünden noch auf der Warteliste. Allein in Deutschland unterhielten Bundesbürger laut einer Statistik der Bundesbank aus dem Jahr 2013 etwa 98,6 Millionen Girokonten. Das Potenzial hierzulande ist damit zweifelsohne groß.

"Valars Erfahrungen und Netzwerke werden uns helfen, ein noch besseres Unternehmen zu bauen", wurde Valentin Stalf, Mitgründer und Chef von Number26 in einer Mitteilung zitiert. Valar ist unter anderem bereits am Londoner Startup Transferwise beteiligt, einer Plattform für grenzüberschreitende Überweisungen.

Investment in Marktplatz für Amateur- und Profifotografen

Die zweite Geldspritze von Valar ging an EyeEm, einen bereits etwas reiferen Startup. Das Unternehmen betreibt eine Foto-App für Amateur- und Profifotografen. Anders als beispielsweise bei der mittlerweile zu Facebook gehörenden Smartphone App Instagram, sollen Fotografen bei EyeEm die Möglichkeit erhalten, ihre Werke zu verkaufen. EyeEm hat mittlerweile mehr als 13 Millionen Nutzer. Erst kürzlich startete das Berliner Startup einen Marktplatz in New York.

EyeEm erhielt von Valar und den bereits zuvor involvierten Risikokapitalgebern Earlybird Ventures, Wellington Partners, Passion Capital, Atlantic Labs and Open Ocean Capital insgesamt 18 Millionen Euro. EyeEm will mit dem Geld weitere Mitarbeiter anstellen, schrieb Florian Meissner, Mitgründer und Chef von EyeEm in einem Blogeintrag.

Peter Thiel: "In Deutschland herrscht Angst vor dem Erfolg"

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