Samstag, 17. November 2018

Gründung von Peter Thiel Geheimfirma Palantir strebt an die Börse

Gute Kontakte ins Weiße Haus: Peter Thiel, Gründer von Palantir und Chaiman des geheimnisumwobenen Datenanalytikers Palantir

Erneut stellen Banker einem Unternehmen aus dem Silicon Valley eine fabelhafte Bewertung bei einem Börsengang in Aussicht. Diesmal handelt es sich nicht um Uber, sondern den geheimnisumwobenen und umstrittenen Datenanalytiker Palantir. Die Bewertung der von dem Deutschen Peter Thiel gegründeten Firma wäre geradewegs aberwitzig hoch.

Erst vor wenigen Tagen sorgte US-Investmentbank Morgan Stanley bei Uber für Schlagzeilen. Schätzt sie den Wert des hoch defizitär arbeitenden Fahrdienstvermittlers doch mal eben auf 120 Milliarden Dollar - um im selben Atemzug Appetit auf einen Börsengang zu verbreiten. Dabei weiß Uber vermutlich selbst noch nicht einmal, wie es jemals profitabel werden soll.

Nun flüstert dieselbe Investmentbank dem geheimnisumwobenen Datensammler und Datenanalytiker Palantir ein, er sei bei einem Börsengang mindestens 41 Milliarden Dollar wert, berichtet das "Wall Street Journal" (€).

Ein möglicher Börsengang könnte im zweiten Halbjahr 2019 erfolgen. Die kolportierte Bewertung von 41 Milliarden Dollar wäre enorm hoch. Sie würde mehr als dem 55fachen des für dieses Jahr erwarteten Jahresumsatzes von rund 750 Millionen Dollar entsprechen, rechnet die Zeitung vor. Zum Vergleich: Die für Uber vorgeschlagene Bewertung würde laut Wall Street Journal nicht mehr als das 12fache des erwarteten Jahresumsatzes von 10 bis 11 Milliarden Dollar entsprechen.

Palantir mit Sitz im Silicon Valley zählt wohl mit zu den intransparentesten Unternehmen weltweit. Das US-Sicherheits- und Softwareunternehmen wurde von dem ehemaligen Paypal-Chef Peter Thiel gegründet, arbeitet eng mit Geheimdiensten von Regierungen zusammen und soll zum Beispiel mit seiner Expertise dazu beigetragen haben, den ehemaligen Chef der Terrororganisation al-Kaida, Osama bin Laden, aufzuspüren.

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Datenschützern in den USA ist die Firma ein Dorn im Auge, soll Palantir doch nicht nur in Diensten des US-Militärs stehen, sondern auch Polizei und Strafverfolgungsbehörden bei ihrer Arbeit unterstützen. Palantir selbst sagt, seine Systeme würden "Verantwortlichkeit und Aufsicht erleichtern".

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Nach dem Bericht der Zeitung sind viele der gut 2000 Angestellten des Unternehmens auf weltweit verstreuten Militärbasen oder in Sicherheitsabteilungen von Unternehmen untergebracht.

Sollte es tatsächlich zu dem Börsengang kommen, darf man gespannt sein, wie tief Palantir Einblick in sein Geschäftsmodell und Zahlen gewähren wird. Denn das muss das Unternehmen dann.


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Dass die 2004 gegründete Palantir jetzt an die Börse strebt, könnte auch damit zusammenhängen, dass Investoren des Unternehmens den Druck erhöht haben, um ihr Geld wieder heraus zu bekommen. Die letzte bekannte Finanzierungsrunde liegt schon länger zurück. So soll Palantir im Jahr 2015 mehrere Hundert Millionen Dollar eingesammelt haben und damit auf eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar gekommen sein.

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