Samstag, 23. Februar 2019

Wettlauf um neuen Mega-Markt Gaming Netflix' neue Angstgegner

Nvidia-CEO Jensen Huang bei einer Rede auf der Techmesse CES 2018 in Las Vegas

Das Streaming-Portal Netflix Börsen-Chart zeigen ist eine der Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre. Gut 139 Millionen zahlende Kunden kann der Streamingriese mittlerweile vorweisen. Allein im abgelaufenen Quartal setzte das Unternehmen 4,2 Milliarden Dollar um.

Doch während Fernsehsender und die Unterhaltungsbranche noch damit ringen, was sie dem neuen Wettbewerber entgegensetzen können, hat Netflix selbst mit mächtiger Konkurrenz zu kämpfen: der Gaming-Industrie. Netflix-Boss Reed Hastings schrieb kürzlich in einem Brief an seine Aktionäre, dass für ihn das Trend-Spiel Fortnite mehr Gegner sei als Time Warners Bezahlsender HBO.

Tatsächlich haben Videospiele den Streaming-Markt mancherorts schon überholt. In den USA gaben Spieler im vergangenen Jahr nach Schätzungen des Marktforschers NPD 43,8 Milliarden Dollar für Videospiele aus. Das ist ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und deutlich mehr als die 28,8 Milliarden Dollar, auf die Experten zuletzt den jährlichen Streaming-Umsatz schätzten. Mehr als die Hälfte, rund 15,8 Milliarden Dollar, entfielen davon auf Netflix.

Weltweit erreichten die Gaming-Umsätze - angefeuert von Spieleerfolgen wie Fortnite oder Playerunknown's Battlegrounds (PUBG) - Marktforschern zufolge sogar knapp 135 Milliarden Dollar.

Ist Peak-Games schon erreicht?

Allerdings ist unter Experten umstritten, ob der Zuwachs angesichts rigiderer Zulassungsbestimmungen in China seinen Höhepunkt erreicht hat. So hat sich das Spiele-Wachstum den Marktforschern von IDC zufolge im vergangenen Jahr in China bereits auf 5 Prozent verlangsamt, nachdem zuvor noch Raten von 20 Prozent verzeichnet worden waren.

Die Bedeutung, die interaktive Spiele bei der Freitzeitgestaltung vieler Menschen einehmen, ist indes unumstritten. Beobachter sehen Spiele, die sich wie Netflix in den unterschiedlichsten Situationen und auf verschiedenen Geräten nutzen lassen, mittlerweile sogar als internationalen "Hangout-Spot", der zunehmend Einkaufszentren oder Starbucks-Cafés als Treffpunkt ersetzt.

So bringen sich in den USA aktuell reihenweise Unternehmen in Stellung, die das neue "Netflix des Gaming" werden wollen. Schaffen wollen sie das nicht unbedingt mit der Entwicklung neuer Hardware, sondern mit Softwarelösungen. Schließlich machen die zusammen mit In-Game-Umsätzen und Abos mit 35,8 Milliarden Dollar in den USA zuletzt das Gros des Gesamtumsatzes von 43,8 Milliarden aus.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung