Montag, 24. September 2018

Neuer Job  Neelie Kroes soll Amsterdam zu Start-up-Mekka machen 

Neelie Kroes: Die ehemalige EU-Digitalkommissarin will die Niederlande zum europäischen Start-up-Paradies machen

Als EU-Kommissarin hat sie für niedrigere Roaming-Gebühren gekämpft. Dem gefallenen Karl Theodor zu Guttenberg hat sie einen neuen Job verschafft und für Uber die Trommel geschlagen. Jetzt hat Neelie Kroes einen neuen Job, der in Berlin genau beäugt werden dürfte.

Hamburg - "Neue Position, dieselbe Leidenschaft" - die Ankündigung ihres neuen Jobs auf Twitter fällt so aus, wie man es von ihr erwartet hätte. Die frühere EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes will sich künftig darum kümmern, mehr Start-ups in die Niederlande zu holen und das Land "zum besten Land in Europa zu machen, um ein Unternehmen zu gründen", wie das Wirtschaftministerium am Mittwoch auf seiner Internetseite ankündigte.

Als "Startup-Beauftragte" soll Kroes der neu gegründeten StartupDelta-Initative vorstehen, die Regierungsbehörden, Bildungseinrichtungen, Start-ups, Investoren und bereits bestehende Unternehmen zusammenbringen und mit bereits bestehenden nationalen und internationalen Start-up-Initiativen kooperieren soll. Den zugehörigen Gesetzesrahmen, der jungen Unternehmen durch "angemessene Regulierung" ein schnelleres Wachstum ermöglichen soll, steuert das Wirtschaftministerium bei.

Wettlauf um die klügsten Köpfe

Ziel sei es, einer Generation neuer Start-ups die Möglichkeit zu geben, innovativ zu sein und Jobs in den Niederlanden zu schaffen, erklärte der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp.

Eine Initative, die auch in Berlin mit Interesse verfolgt werden dürfte. Schließlich ist man sich auch hier des Potenzials bewusst, das die jungen Unternehmen bergen. Einen Start-up-Beauftragten wie Kroes leistet sich das Wirtschaftsministerium allerdings noch nicht.

Und auch bei der Frage, wie man das Problem der mangelnden Wachstumsfinanzierung und VC-Kultur in den Griff bekommen soll, scheiden sich noch die Geister.

Während Wirtschaftminister Sigmar Gabriel auf ein neues Börsensegment für Start-ups setzt, will die Deutsche Börse lieber mit einerPre-IPO-Plattform die Bedingungen für junge Unternehmen verbessern.

Kroes hält sich alles offen

Für Kroes selbst ist der neue Job schon deshalb optimal, weil das offizielle Amt ihr nach ihrer Zeit als Wettbewerbs- und später Digitalkommissarin einen idealen Übergang in die Wirtschaft ermöglicht.

18 Monate - genau die Spanne, für die Kroes als Digital-Gesandte zunächst unterschrieben hat - dauert nämlich die so genannte Abkühlungsperiode, während der ausgeschiedene EU-Kommissare keinen Top-Job in den von ihnen betreuten Branchen übernehmen dürfen.

Öffentliche Ämter sind von dieser Regelung nicht betroffen. Und im Sommer 2016 stehen Kroes dann wieder alle Möglichkeiten offen.

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