Montag, 16. Juli 2018

Chinas Super-App will an die Börse Diese Onlineplattform soll 60 Milliarden Dollar wert sein

Mobiler Online-Alltag: Wartende an einer der Bushaltestelle in Hong-Kong

Der Name Meituan Dianping klingt hierzulande vielen fremd in den Ohren. Nur wenige Menschen außerhalb Chinas haben von dem Unternehmen, das in China von Essenlieferungen über Leihfahrräder, Hotelzimmer, Fotografen- und Kosmetikterminen alles vertreibt oder vermittelt, überhaupt gehört. Und das, obwohl Meituan Dianping mit mehr als 310 Millionen Nutzern nur etwas weniger Kunden hat, als Menschen in den USA leben. Und mit einer angestrebten Bewertung von 60 Milliarden Dollar unter den Top 4 der wertvollsten Start-ups der Welt rangiert.

Nun will der Internet-Tausendsassa, der die Onlinewelt mit der Offlinewelt verbindet, an die Börse . Ziel ist, 6 Milliarden Dollar einzusammeln, um in dem in China tobenden Kampf der Ökosysteme gegen Kontrahenten wie Alibaba und dem chinesischen "Uber" Didi Chuxing die Oberhand zu behalten. Damit wäre der Börsengang von Meituan in Hong Kong wohl der zweitgrößte der Welt - hinter dem des Smartphoneherstellers Xiaiomi, der 6,1 Milliarden einsammeln will.

Kometenhafter Aufstieg - und milliardenschwere Verluste

Es sind geradezu schwindelerregende Wachstumszahlen, die Meituan Dianping vorzuweisen hat: Um fast 100 Prozent auf 33,9 Milliarden Yuan (rund 4,5 Milliarden Euro) konnte das Unternehmen seinen Umsatz im vergangenen Jahr steigern. Bei einem Verlust von 19 Milliarden Yuan (umgerechnet 2,5 Milliarden Euro). Seit 2015 hat damit der Umsatz um 700 Prozent zugelegt, der Verlust sich etwa halbiert.

Meituan Dianping wächst rasant: Im Reisegeschäft überrundete das Start-up den etablierten chinesischen Onlinereiseriesen Ctrip bereits bei der Zahl der Hotelbuchungen. Und auch im milliardenschweren Essensliefergeschäft in China hat Meituan seinen größten Konkurrenten Ele zuletzt überholt.

Doch Essenslieferungen sind längst nicht mehr das Kerngeschäft von Meituan Dianping, das 2015 aus einem Zusammenschluss des Shanghaier "Yelp", Restaurantbewertungsplatform Dianping, mit dem Pekinger "Groupon", der 2010 gegründeten Discount-Plattform Meituan, entstand. Seitdem hat sich Meituan zu einem kompletten Ökosystem entwickelt.

Kriegskasse gegen Alibaba

Auf der sogenannten O2O-Platform (Online-to-Offline-Plattform) können Nutzer Restaurantkritiken lesen, sich Lebensmittel oder gleich gekochte Mahlzeiten nach Hause liefern lassen, Hotels buchen, Kinotickets bestellen oder den Friseur oder die Nagelpflegerin zu sich nach Hause bestellen.

Mobike-Fahhräder in Berlin: Auch der Fahrradverleiher gehört mittlerweile zu Meituan

Und auch ins in China boomende Fahrrad-Verleihgeschäft ist Meituan Dianping 2017 eingestiegen - mit der Übernahme des auch in Deutschland präsenten Mobike für umgerechnet 3,1 Milliarden Euro.

Rund 5,8 Milliarden Mal im vergangenen Jahr, nutzten die Kunden die Dienste von Meituan, kauften oder buchten bei einem von 4,4 Millionen Unternehmern, die ihre Services über die chinesische Super-App anbieten.

So groß das Angebot, so stark die Konkurrenz. Zwar hat Meituan mit Tencent, (WeChat) die rund 20 Prozent an dem Unternehmen halten, einen starken Tech-Konzern im Rücken. Und auch Investoren wie Sequoia, die Booking.com-Mutter Booking Holdings, Tiger Global und der Singapurische Staatsfonds Temasek sind bei Meituan investiert.

Doch die Konkurrenz ist mächtig. Denn auch der chinesische Onlinehändler Alibaba hat den Anspruch, die Anlaufinstanz zu sein, bei der chinesischen Nutzer ihren täglichen Konsum am Smartphone abwickeln. Und die On- und Offlinekäufe nahtlos miteinander verbinden.

Seit April ist auch der Fahrdienstvermittler Didi Chuxing, der einst mit seiner Marktmacht das amerikanische Uber vom chinesischen Markt vertrieb, im Geschäft mit Essenlieferungen tätig und baut stetig sein Geschäft aus.

Wie ernst es Alibaba im Rennen um den Zugang zu den Kunden meint, zeigt die Übernahme von Meituans größtem Essensliefer-Konkurrenten Ele.me. Im April übernahm Alibaba, das mit der App Koubei seine eigene O2O-Plattform betreibt, den mitmehr als acht Milliarden Euro bewerteten Bringdienst ganz. Und stockte damit - wohl für mehrere Milliarden Euro - seinen 43-prozentigen Anteil an der Plattform auf.

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