Dienstag, 26. März 2019

Studie zu M&A bei  "Autotech"-Firmen Europäer bei Autotech-Übernahmen fleißig, aber knausrig

Logo des Kartendiensts Here: Für BMW, Daimler und Audi war es eine der größeren Autotech-Übernahmen

Sie treten mit dem Anspruch an, die lange in sich ruhende Autobranche umzupflügen - ob beim autonomen Fahren, bei neuen Mobilitätsdiensten oder mit ungewöhnlichen Ideen für Elektro-Fahrzeuge: In den vergangenen Jahren boomte dieser von Experten gerne als "Autotech" bezeichnete Bereich - nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, wie eine Analyse der M&A-Beratung GP Bullhound zeigt. Bei einer wichtigen Kennzahl fallen die Europäer allerdings zurück.

Immerhin führten im vergangenen Jahr europäische Unternehmen 39 Prozent aller weltweiten M&A-Transaktionen im Autotech-Bereich durch. Bei der Zahl der Deals lagen die Europäer damit klar vor Firmen aus Asien (33 Prozent) und Nordamerika (28 Prozent) - wie auch schon in den fünf Jahren zuvor.

Zu den global aktivsten Investoren in den vergangenen fünf Jahren zählten die deutschen Unternehmen Bosch, Daimler Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen : Bosch etwa beteiligte sich an 41 Autotech-Unternehmen, BMW kam auf 29, Daimler auf 26 strategische Investments. Die beiden Autobauer investierten etwa beide in den Elektrolaster-Hersteller Proterra und übernahmen gemeinsam mit Audi den Kartendienst Here. Und auch in den kommenden Monaten dürften die beiden süddeutschen Autohersteller aktiv bleiben: Sie legen nun ihre Carsharing- und Mobilitätsdienste zusammenund wollen gemeinsam eine Milliarde Euro investieren.

Daimler gab nach Erkenntnis von GP Bullhound dabei im zuletzt untersuchten Zeitraum insgesamt etwa 1,5 Milliarden Euro aus, BMW rund 750 Millionen Euro und Bosch 500 Millionen Euro. Bemessen am Investitionsvolumen spielen die deutschen Autobauer und Zulieferer damit nicht in der obersten Liga mit. Unter den zehn größten Übernahmen seit 2016 war kein Käufer aus Deutschland.

Allerdings haben, um auf die eingangs erwähnte Kennzahl zurückzukommen, europäische Autotech-Investoren im internationalen Vergleich ein Problem: Sie übernehmen zwar viele Firmen, das große Geld liegt aber anderswo. Gemessen am weltweiten M&A-Transaktionsvolumen im Autotech-Bereich standen die europäischen Deals nur für 7 Prozent der globalen Werte. Zuletzt waren die Transaktionen in Europa also deutlich kleiner als auf den anderen Kontinenten, heißt es in der Analyse, die sich auf aggregierte Daten aus mehreren Transaktionsdatenbanken (wie etwa CapitalIQ oder Crunchbase) stützt.

Verstärktes Interesse an Start-ups für autonomes Fahren

Der europäische Autotech-Sektor sei zwar in den letzten Jahren immer stärker geworden, wie auch Zahlen zu Innovationen und Investionen belegten. Doch die nächste Herausforderung für die europäischen Autotech-Unternehmen bestehe darin, schneller als bisher zu wachsen, meinen die Autoren der Studie. Dabei hätten die Europäer aber bisher einen Nachteil: Sie tun sich schwerer, ebenso große Finanzierungen zu erhalten wie die amerikanischen oder asiatischen Konkurrenten.

Insgesamt sind in den vergangenen Jahren die M&A-Aktivitäten bei Autotech-Firmen in Europa, Asien und Nordamerika deutlich gestiegen: Mit 166 Transaktionen erreichten Sie 2018 einen Rekordwert, 2017 waren es weltweit 144 Transaktionen in diesem Bereich. Im Vergleich zum Bankensektor ist das noch vergleichsweise wenig: Bei Fintech-Unternehmen gab es weltweit satte 875 Deals im ersten Halbjahr, wie eine Analyse des Beratungs- und Buchprüfungsunternehmens KPMG zeigt.

Kräftig angezogen hat laut der Analyse zuletzt das Interesse an Unternehmen, die sich mit autonomem Fahren beschäftigen. Das gesamte Transaktionsvolumen in diesem Bereich lag in den vergangenen Jahren bei satten 8 Milliarden Euro. 2014 lag es noch bei 0,2 Milliarden Euro. Im Schnitt investierten Firmen je Deal rund 70 Millionen Euro für autonomes Fahren.

Zurückgegangen sind dagegen die Investitionen in Jungunternehmen im Bereich Shared Mobility - dazu zählen etwa App-basierte Fahrdienste. Hier fiel das Dealvolumen von 17 Milliarden im Jahr 2017 auf 8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Pro Transaktion flossen dabei zuletzt durchschnittlich 75 Millionen Euro.

Für einen Marktsegment der Shared Mobility dabei sieht die Analyse allerdings noch großes Wachstumspotenzial: Für sogenannte Mikromobilitätsanbieter, die Fahrräder, Elektroroller oder Mopeds verleihen. So stiegen die Investitionen im Segment der Shared Scooter von 12,4 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 3,1 Milliarden Euro bis Ende 2018. Weltweit, meint G.P. Bullhound, werde "der Appetit auf diese Fahrzeuge weiterhin wachsen".

In Deutschland werden E-Roller wohl ab Sommer offiziell erlaubt sein. Mehrere deutsche Verleih-Start-ups stecken bereits in den Startlöchern. Von den Milliardenbewertungen der US-Firmen Lime oder Bird sind sie aber noch um mehrere Größenordnungen entfernt.

mit Material von dpa und Reuters

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