Montag, 19. November 2018

Logistik Die Angst der Paketdienste vor Amazon

Logistik: Wie die Paketdienste versuchen, der Päckchenflut Herr zu werden
DPA

Der Onlinehändler Amazon prescht mit eigenen Lieferdiensten vor - erst in den USA und mittlerweile auch in Europa. Die Logistikbranche zittert. Rollt Amazon jetzt die nächste Branche auf?

Hamburg - Eigene Lebensmittellaster, Fahrradkuriere und nun auch in Europa ein eigener Logistikdienst. Es vergeht kaum ein Monat, an dem der Onlinehändler Amazon Börsen-Chart zeigen nicht mit einem neuen Produkt, einem neuen Service oder einem Geschäftsmodell an den Start geht. Tut er es, versetzt er damit in der Regel ganze Branchen in Aufruhr.

Dass Unternehmen nach einer Ankündigung Amazons ihren Ausblick gleich um die Hälfte senken und die Aktie um fast 20 Prozent abstürzt ist eher selten - und doch passiert. In Großbritannien. Bei der GLS-Mutter Royal Mail.

Der Grund: Amazons ist überraschend mit einem eigenen Logistikangebot "Pass my Parcel" an den Start gegangen - und das kurz vor der für die Versender so wichtigen Weihnachtszeit.

Statt seine Päckchen ausschließlich mit Logistikern wie Royal Mail, DPD oder Hermes UK zu versenden, können Kunden ihre bei Amazon bestellten Produkte nun bei mehr als 500 Kiosken und Läden abholen. Und das zum Teil sogar noch am selben Tag. Für das Angebot, das Mitte Oktober in Großbritannien startete, arbeitet Amazon mit dem Zeitschriften-Logistiker Smith News zusammen. Wird das Netz wie geplant ausgebaut, sollen es künftig noch tausend Abholstellen mehr sein.

Päckchenzugang bis tief in die Nacht

Wer bis 11.45 Uhr bestellt, kann seine Ware ab 16.00 Uhr abholen - und wird per Mail über die Ankunft der Ware informiert. In manchen Kiosken, die auch nachts geöffnet sind, können Kunden ihre Ware sogar noch bis spät in die Nacht abholen. Und wer bis 19.45 Uhr bestellt, kriegt seine Produkte auf Wunsch bis spätestens 9.00 Uhr am nächsten Morgen.

Die Ankündigung sandte einen Schock durch die britische Logistiklandschaft. Die Royal Mail senkte ihren Ausblick als Reaktion auf Amazons Ankündigung um mehr als die Hälfte. Statt 4 Prozent Wachstum im Paketmarkt erwartet das börsennotierte ehemalige Staatsunternehmen mittlerweile nur noch mickrige 1 bis 2 Prozent.

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