Donnerstag, 21. Juni 2018

Amazon, Apple und Netflix auf Rekordhoch Wann endet die Tech-Party an der Börse?

Hoch im Kurs: Italien, Euro-Krise und Handelsstreit treiben Anleger in die bereits hoch bewertete Techbranche
[M] Getty Images / AP
Hoch im Kurs: Italien, Euro-Krise und Handelsstreit treiben Anleger in die bereits hoch bewertete Techbranche

Die Börsenparty bei Technologie-Aktien geht weiter: Schwergewichte wie Apple, Amazon und Netflix haben ihre Kursgewinne in dieser Woche noch einmal ausgebaut und notieren auf Rekordniveau. Die Bewertungen sind vor allem bei den US-Unternehmen bereits sehr hoch, doch Anleger kaufen munter weiter. Angesichts des Handelsstreits zwischen USA, EU und China meiden Investoren die Old-Economy, der hoch bewertete Tech-Sektor scheint mit seinen hohen Wachstumsversprechen ein Zufluchtsort zu sein. Was kann die Tech-Party derzeit stoppen?

Der Börsenwert des iPhone-Herstellers Apple bewegt sich auf die Schwelle von einer Billion Dollar zu, die noch kein Unternehmen erreicht hat. Für Euphorie sorgt auch die Aufnahme des US-Kurznachrichtendienstes Twitter in die Riege der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen.

Seit Jahresbeginn haben Aktien wie Facebook, Apple und Amazon dem S&P-Branchenindex ein Wachstum von knapp dreizehn Prozent beschert, während der Gesamtmarkt mit lediglich rund zwei Prozent deutlich hinterherhinkt.

Wette auf Industrie 4.0: TecDax auf höchstem Niveau seit 17 Jahren

Auch in Europa sind Technologieaktien so teuer wie seit siebzehn Jahren nicht mehr. Noch Ende 2017 hatte die längste Rally in der Geschichte der europäischen Aktienmarkte die Furcht vor einer Überhitzung genährt.

Vor allem die Kurse an der Wall Street, die den Dax über die Marke von 13.000 Punkten katapultiert hatte, schienen aus Sicht von Analysten heißgelaufen. Das hatte eine Verkaufswelle bei US-Technologiewerten ausgelöst. Doch die Angst vor einer Spekulationsblase scheint inzwischen verflogen zu sein.

"Anders als bei dem Technologie-Hype der 1990er Jahre kann der Erfolg der meisten Unternehmen heute auf ein starkes Fundament und wachsende Umsätze und Gewinne zurückgeführt werden und basiert nicht auf Spekulationen auf die Zukunft", betonen die Analysten von Goldman Sachs in einer aktuellen Einschätzung. Sie sehen deshalb noch Luft nach oben.

Auch die Strategen von JP Morgan raten Anlegern derzeit, Bankentitel in ihren Portfolios auszusortieren und statt dessen auf Technologie zu setzen.

Nur wenige Firmen an der Spitze

An der Spitze der Bewegung stehen nur einige wenige Firmen: Die größten 20 Technologieaktien weltweit stehen gemeinsam für einen Börsenwert von rund sechs Billionen Dollar. Davon entfallen rund 60 Prozent auf die ersten fünf. Auch im Börsenbarometer S&P 500 sind sie Schwergewichte.

Für einige Experten stellt das ein Risiko dar. Doch die Konzentration im Sektor war schon mal höher, konstatiert Goldman. Zum Vergleich: Macht Apple derzeit vier Prozent des S&P-Index aus, waren es im Fall von IBM Ende der 1970er Jahre mehr als sieben Prozent. Weltweit betrachtet ist die Branche zudem nicht an jeder Börse ein Dickschiff. Während sie am chinesischen Markt 41 Prozent ausmacht, sind es in Europa gerade einmal fünf Prozent.

Umbau an den US-Aktienmärkten: Techtitel werden mit Medien gemischt

Anlegern könnte ein heißer Herbst bevorstehen. Denn bis Ende September steht an den US-Aktienmärkten ein Umbau an, was Börsianern zufolge zu größeren Kursschwankungen führen wird. Technologietitel werden dann in einem breiteren Marktsegment mit Telekommunikations- und Medienpapieren vermischt. Branchenbezogene Index-Fonds müssen deswegen milliardenschwere Umschichtungen vornehmen.

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"Unter dem Strich kann es zu Verkäufen kommen", sagt Expert Andrew Bodner vom Investmenthaus Double Diamond Investment Group. Denn rund 78 Milliarden Dollar schlummern derzeit in börsennotierten Indexfonds (ETF) im Bereich Technologie, die bei einer Neusortierung der Indizes Titel wie Facebook und der Google-Mutter Alphabet Börsen-Chart zeigen loswerden müssen. "Das sollte aber vorübergehend sein und könnte eine gute Kaufgelegenheit bieten", betont Bodner.

Telekom-ETF's mit einem Vermögen von rund vier Milliarden Dollar müssen sich nämlich im Gegenzug mit den Titeln eindecken. Ohnehin dürften sich Telekompapiere wie AT&T und Verizon sowie Medienkonzerne wie Walt Disney als Teil des neuen Börsensegments "Communications Services" im Licht des Tech-Glanzes sonnen. Kommunikation wird dann ein Zehntel des S&P 500 ausmachen, im Vergleich zum momentanen Telekomanteil von unter zwei Prozent.

la/reuters

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