Mittwoch, 14. November 2018

Online-Bezahldienst Der selbst ernannte Paypal-Rivale

Sebastian Siemiatkowski: Erfolgreicher paneuropäischer Gründer

Gerade hat der schwedische Online-Bezahlanbieter Klarna seinen deutschen Rivalen "Sofort" übernommen. Nun will die Firma die Vorherrschaft von Paypal beenden. Im Interview mit mm-online erklärt Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski, wie er das schaffen will.

Suchte man den Prototyp eines erfolgreichen paneuropäischen Gründers, wäre Sebastian Siemiatkowski wohl ein gutes Beispiel. Bereits 2005 gründet der heute 32jährige Schwede mit polnischen Wurzeln zusammen mit Studienkollegen die Firma Kreditor, später Klarna. Kern des Geschäfts: Klarna wickelt für Online-Händler die Zahlungen ab, das heißt, Kunden können online einkaufen und die Ware bis zu 15 Tage nach Erhalt per Rechnung an Klarna bezahlen.

Ein Geschäftsmodell, das gutes Risikomanagement und Kostenkontrolle erfordert. Bislang geht das Modell auf: 2010 steigt Whatsapp-Investor Sequoia Capital als größter alleiniger Anteilseigner ein und schickt Partner Michael Moritz in Klarnas Board.

Bei der letzten Finanzierungsrunde Ende 2011 kommt Klarna bereits auf eine Bewertung von mehr als 1 Milliarde Euro. Der jüngste Coup: Zum Jahreswechsel kaufen die Schweden die Firma "Sofort", einen deutschen Anbieter für Direktüberweisungen. Zusammen kommen sie auf einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro und gut 1000 Mitarbeiter.

Doch das reicht Klarna nicht: Im Interview mit mm-online erklärt Siemiatkowski, wie er den Platzhirschen Paypal überholen will, warum er in Deutschland jetzt auch Spareinlagen einsammelt und sich die Bedingungen für Europas Start-Ups zuletzt deutlich verbessert haben.

mm: Herr Siemiatkowski, was haben Sie denn zuletzt im Internet eingekauft, und wie haben Sie es bezahlt?

Siemiatkowski: Einen Blumenstrauß für meine Freundin, und bezahlt mit Klarna Rechnung.

mm: Vor wenigen Wochen haben Sie etwas noch größeres eingekauft, den deutschen Anbieter "Sofort". Damit haben Sie nun zwei sehr unterschiedliche Bezahlverfahren - Rechnung, Überweisung - was wollen sie denn mit der Übernahme erreichen?

Siemiatkowski: Mit Klarna und "Sofort" befinden sich jetzt zwei in Deutschland beliebte Bezahlarten unter einem Dach. Auch über die Ländergrenzen hinweg ergänzen wir uns gut: Sofort ist stark in Deutschland und Österreich, und wir in den nordeuropäischen Ländern.

mm: Das heißt, sie behalten die zwei Verfahren und Marken bei? Kannibalisiert sich das nicht?

Siemiatkowski: Nein, das ergänzt sich eher. Manche Kunden bezahlen lieber mit Rechnung, manche lieber mit Sofort Überweisung.

mm: Laut dem EHI-Retail Institut haben in Deutschland zuletzt vor allem die Zahlungsarten Paypal und Kreditkarten zugelegt. Knapp ein Drittel der deutschen Internetnutzer zahlt am liebsten mit Paypal. Und auch die deutschen Banken werkeln seit einiger Zeit an einer eigenen Online-Bezahl-Lösung. Ist der Markt nicht bald verteilt?

Siemiatkowski: Nein, wir haben zusammen einen Anteil von 10 Prozent am nordeuropäischen E-Commerce-Markt. Rund 50 Prozent aller Online-Händler sind jetzt unsere Kunden, aber noch längst nicht alle bieten unsere beiden Zahlungsarten an. Außerdem ergänzen wir uns auch mit Blick auf die Branchen sehr gut: "Sofort" zum Beispiel ist bei vielen Fluglinien vertreten, und mit Klarna kann man seit Neuestem in Schweden seine U-Bahntickets bezahlen. "Sofort" ist in acht europäischen Ländern aktiv, Klarna in sieben. Wir wollen übrigens nicht nur in Europa, sondern auch darüberhinaus wachsen.

mm: Sie wollen auch in den USA wachsen? Dort bezahlen die meisten Leute mit Kreditkarten.

Siemiatkowski: Die USA sind definitiv interessant. Der US-E-Commerce-Markt ist so groß wie der Europäische, also etwa 70 Mrd. Euro schwer. Dort gibt es auf jeden Fall Nachfrage. Es ist übrigens bemerkenswert, dass ein Unternehmen wie Paypal in Europa erfolgreicher ist als in den USA. Auch Japan und China sind große und interessante Märkte für ein Unternehmen wie Klarna, das weltweilte Ambitionen hat. Aber Stand jetzt haben wir noch keine konkreten Pläne. Der Schwerpunkt wird auf organischem Wachstum liegen, das tun wir jetzt ja schon sehr stark, in Deutschland ist unser Umsatz 2012 um mehr als 150 Prozent gewachsen.

mm: Paypal ist beliebt in Europa. Wie wollen Sie denen denn Marktanteile abjagen?

Siemiatkowski: Es gibt Platz für eine europäische Lösung für Online-Zahlungen auf globaler Ebene. Wir haben zusammen 25 Mio. Endkunden. Unser Erfolg in unserem Heimatmarkt Europa basiert auf unserer Fähigkeit, uns ideal auf lokale Unterschiede und Gegebenheiten einzustellen. Ich bin davon überzeugt, dass dies auch der Schlüssel zum Erfolg auf globaler Ebene sein wird. Natürlich neben der Tatsache, dass unsere Services sicherer und einfacher ist.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH