Dienstag, 26. März 2019

Interview mit Fraunhofer-Experte Peter Liggesmeyer Wie Deutschland bei Künstlicher Intelligenz sein Ressourcenproblem lösen kann

Digitale Bildung: "Wir reden im Moment ganz häufig über digitale Vermittlung, aber nicht über die digitalen Lerninhalte. Und das halte ich für einen Fehler"
Andrey Armyagov/ddp images
Digitale Bildung: "Wir reden im Moment ganz häufig über digitale Vermittlung, aber nicht über die digitalen Lerninhalte. Und das halte ich für einen Fehler"

3. Teil: "Informatik hat sehr viel mit Kommunikation, Engineering und Mathematik zu tun. Wir müssen ein Zerrbild geraderücken"

Die Falschen? Wer wären Ihrer Ansicht nach denn die Richtigen?

Viele Jungs, die zu Hause gern Computerspiele spielen, denken sich: Mir würde das Spaß machen, so etwas zu schreiben, und studieren deshalb Informatik. Und brechen oft ab, wenn sie feststellen, dass das Ganze doch sehr viel mit Kommunikation, mit Engineering und Mathematik zu tun hat. Die Mädchen haben da oft ein ähnliches Bild, und fangen deshalb erst überhaupt nicht an, Informatik zu studieren. Das heißt, wir bekommen das Klientel, dem die Inhalte potenziell ganz gut liegen könnten, wenn sie nur wüssten, was der Gegenstand des Studiums ist, gar nicht zu sehen. Wenn wir dieses Zerrbild, das in der Öffentlichkeit vom Beruf eines Informatikers herrscht, geraderücken könnten, könnten wir meiner Ansicht nach gleichzeitig die Kopfzahl steigern und die Abbrecherquote senken.

Damit wäre dann aber immer noch nicht das Ausbildungsproblem gelöst. Schließlich dürfte ein Großteil der neu ausgebildeten Informatiker angesichts der aktuell rosigen Arbeitsmarktlage und der dort lockenden guten Gehälter wohl eher in die Wirtschaft gehen. Dabei brauchen wir doch gerade gut ausgebildete Informatiklehrer, wenn man Ihrer Argumentation folgt.

Das stimmt. In dem Moment, in dem sie einen Markt haben, in dem sie mit einem Informatikabschluss zwischen vielen, gut bezahlten Stellen wählen können, fragen sich viele natürlich: Warum sollte ich Informatiklehrer werden? Das erfordert schon eine gewisse Portion Altruismus. Aber es wird immer auch Menschen geben, bei denen die pädagogische Neigung überwiegt. Aktuell gibt es sie nicht in ausreichender Zahl. Die Frage ist: Wie bricht man aus diesem Teufelskreis aus? Irgendwo müssen wir beginnen.

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