Samstag, 15. Dezember 2018

Interview mit Ctrip-Chefin Jane Lie Sun Diese Frau schickt China in den Urlaub

Ctrip ist Chinas führendes Onlinereiseportal. Jane Jie Sun startete ihre Karriere bei KPMG im Silicon Valley. 2005 fing sie bei Ctrip als CFO an, im November 2016 wurde sie CEO. Seit 2005 ist die Marktkapitalisierung des Unternehmens von rund 900 Millionen auf inzwischen etwa 25 Milliarden Dollar gestiegen.
Bloomberg via Getty Images
Ctrip ist Chinas führendes Onlinereiseportal. Jane Jie Sun startete ihre Karriere bei KPMG im Silicon Valley. 2005 fing sie bei Ctrip als CFO an, im November 2016 wurde sie CEO. Seit 2005 ist die Marktkapitalisierung des Unternehmens von rund 900 Millionen auf inzwischen etwa 25 Milliarden Dollar gestiegen.

Ctrip-Chefin Jane Jie Sun über ihre Pläne mit Chinas führendem Reiseportal.

Die folgende Geschichte stammt aus der März-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Februar erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

manager magazin: Frau Sun, auf den Weltmärkten treten Alibaba gegen Amazon, Baidu gegen Google und Didi gegen Uber an. Kommt es auch bei den Reiseportalen zu einem Kampf zwischen Ihrem Unternehmen Ctrip und den großen US-Rivalen Expedia und Priceline, der Mutter von Booking.com?

Jane Jie Sun: Auf dem chinesischen Markt ist Google gar nicht vertreten, Amazon und Uber haben den Wettbewerb dort verloren und viel Geld verbrannt. Priceline ist der einzige US-Konzern, der hierzulande Erfolg hat, weil er sich für eine weise Strategie entschieden hat: Kooperation statt Konfrontation.

Priceline ist an Ctrip beteiligt. Heißt das, dass sie sich außerhalb Chinas nicht wehtun und Ctrip sich international zurückhält?

Wir sind nach wie vor ein sehr chinesisches Unternehmen mit fast ausschließlich chinesischen Kunden. An zweiter Stelle kommen für uns Kunden aus Greater China, also Taiwan und Hongkong. Erst dann folgen asiatische Nachbarländer wie Korea oder auch Indien, wo wir uns an MakeMyTrip beteiligt haben. In Indien verlassen wir uns jedoch auf das lokale Team von MakeMyTrip, denn die verstehen den Markt besser als wir.

Vor knapp zwei Jahren haben Sie für 1,4 Milliarden Pfund den britischen Wettbewerber Skyscanner erworben und kürzlich das amerikanische Start-up Trip.com. Was wollen Sie damit?

Trip.com ist ein kleines Unternehmen und Skyscanner vor allem technologisch ein Gewinn - insbesondere bei Flugpreisvergleichen. Deren Traffic leiten wir auf Ctrip um. Das sind erste zaghafte Versuche einer Internationalisierung, aber die braucht Zeit.

Sie werden sich dem Konkurrenzkampf mit Booking.com und Expedia nicht auf Dauer entziehen können. Kann Ctrip da mithalten?

Wir haben ganz unterschiedliche Businessmodelle. Expedia und Booking.com sind sehr fokussiert, Booking.com hat ausschließlich Hotels im Angebot. Das machen die allerdings sehr gut. Expedia vermittelt Hotels und Flugtickets. Wir dagegen haben weit mehr zu bieten, insgesamt 16 Produktkategorien. Unsere Philosophie ist: Was immer der Reisende braucht, wir bieten es ihm an - von Zimmern über Versicherungen und Visa bis hin zu Tickets für Flugzeuge, Bahn und Busse.

Busse? Verzetteln Sie sich da nicht?

Den Einstieg in die Vermittlung von Bustickets haben wir unserem sogenannten Baby-Tiger-Programm zu verdanken. Wir bieten jungen Leuten mit Ideen an, diese in einem Start-up bei uns im Konzern zu testen. Wir geben jedem dafür meist sechs Monate Zeit, Geld und Personal. Aber die Geschäftsidee mit den Bussen rechnete sich schon nach einem Monat. Wir haben hier viele kreative junge Leute.


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Sie haben lange Zeit im Silicon Valley gearbeitet. Nehmen Sie sich Kaliforniens Techgiganten bei Ctrip zum Vorbild?

Unsere Managementphilosophie ist eine Kombination aus Ost und West. Wir haben viel vom Westen gelernt und übernommen - von Six Sigma über das Projektmanagement bis hin zu Balanced Scorecards. Doch noch viel wichtiger als die Balance zwischen Ost und West ist die zwischen Männern und Frauen im Unternehmen.

Und, ist die im Gleichgewicht?

Über die Hälfte unserer Mitarbeiter ist inzwischen weiblich, auf der Führungsebene haben wir ein Drittel Frauen. Dieser Anteil muss und wird natürlich noch steigen. Aber wir tun bei Ctrip sehr vieles, um Frauen zu fördern. Da sind wir vielleicht sogar schon weiter als Sie im Westen.

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