Mittwoch, 17. Oktober 2018

 HelloFresh vertagt Profitabilität Kochboxen-Start-up HelloFresh erschreckt Aktionäre

Ein Bote mit einer Kochbox von HelloFresh

Der Berliner Kochboxenversender HelloFresh wächst, doch die Aktionäre überzeugt das nicht. Das Start-up von CEO Dominik Richter steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um 39 Prozent auf knapp 320 Millionen Euro. Das Ergebnis blieb negativ und lag bei minus 3,9 Millionen Euro (bereinigtes Ebitda). Die Kennzahl verbesserte sich um 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der große Kritikpunkt: HelloFresh vertagt die Profitabilität. Eigentlich wollte das Unternehmen, das im Abo Pakete mit Lebensmitteln und Kochrezepten verschickt, im vierten Quartal 2018 die Gewinnschwelle erreichen. Wie Finanzchef Christian Gärtner am Montag mitteilte, wird dieses Ziel auf das Jahr 2019 verschoben - zugunsten von Investitionen in das Wachstum.

Während Analysten von JPMorgan und dem Bankhaus Lampe die Ergebnisse loben, reagieren die Anleger verschreckt. Bis zu 7,7 Prozent hat die HelloFresh-Aktie zeitweise verloren. Das Unternehmen ist am Markt etwa 2,8 Milliarden Euro wert.

Ein Grund für die heftige Reaktion könnte die desaströse Performance des wichtigsten HelloFresh-Konkurrenten sein. In den USA - dem größten Markt von HelloFresh - kämpfen die Berliner gegen die einheimische Firma Blue Apron. Das US-Unternehmen entwickelt sich bereits seit seinem Börsengang negativ, dann legte es Anfang August besonders schlechte Quartalszahlen vor. Der Umsatz war um 25 Prozent auf etwa 180 Millionen Dollar eingebrochen, die Verluste auf knapp 33 Millionen gestiegen. Die Aktie fiel auf einen Tiefpunkt und erholte sich bisher nur leicht.

Der Beweis für das Geschäftsmodell bleibt aus

Blue-Apron-CEO Brad Dickerson hielt zwar daran fest, 2019 wie geplant die Gewinnschwelle erreichen zu wollen. Aber er musste einräumen, dass das nicht leicht sein werde. Die Prognose für das Geschäftsjahr korrigierte er nach unten.

Nun bleibt mit der Gewinnvertagung durch HelloFresh weiter der Beweis aus, dass das kostenintensive Geschäftsmodell profitabel funktionieren kann. Der Wareneinkauf und die Logistik sind teuer. Außerdem stecken die Anbieter zahlreiche Millionen in das Marketing für ihre Boxen, um bekannter als der Wettbewerb zu werden.

Erst vergangene Woche kündigte sich ein neuer Konkurrent an: Niklas Östberg - Chef des milliardenbewerteten Berliner Liefer-Start-ups Delivery Hero - sagte in einem Interview, er überlege, künftig ebenfalls Kochboxen zu verkaufen. Sowohl in Delivery Hero als auch in HelloFresh hat maßgeblich der Berliner Investor Rocket Internet Kapital gepumpt.

Um weiter in das Wachstum zu investieren, hatte Östberg kurz zuvor das Gewinnziel seiner Firma verschoben. Wie HelloFresh bekam er zu spüren, dass den Anlegern selbst bei Start-ups die Aussichten auf Gewinne wichtig sind. Der Kurs sackte nach Bekanntgabe ab und liegt seitdem weiter leicht im Minus.

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